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Schefflers Golf-Kolumne Der beste Schlag ihres Lebens

Eine Liebesgeschichte: Stacy Lewis gewinnt mit einem Birdie-Birdie-Schlussakkord die Women’s British Open und bricht die Dominanz der asiatischen Profigolferinnen.

© REUTERS Vergrößern Brückentag: Stacy Lewis mit ihrer Siegestrophäe

Stacy Lewis und der Old Course von St. Andrews, die amerikanische Profigolferin und der älteste und berühmteste Golfplatz der Welt - das ist eine Liebesgeschichte, die am Sonntagabend schon das zweite Kapitel erlebte. Die 28-jährige Texanerin gewann mit einem Birdie-Birdie-Schlussakkord die Women’s British Open in dem Universitätsstädtchen an der Ostküste von Schottland und kassierte 300.000 Euro Preisgeld. „Ich liebe diesen Golfplatz mehr als alles andere. Ich liebe die Geschichte dieses Platzes. Es fühlt sich fast an, als wäre ich bestimmt, hier zu sein.“

Vor fünf Jahren bei ihrem letzten Auftritt als Amateurin führte sie auf dem Old Course das Team der Vereinigten Staaten mit fünf Siegen in fünf Matches zum Erfolg im Curtis Cup gegen die Auswahl Großbritanniens und Irlands, eine einmalige Rekordbilanz. Danach wechselte Stacy Lewis ins Profilager - und tat sich zunächst schwer. Erst vor zweieinhalb Jahren gewann sie auf der amerikanischen LPGA Tour - und mit der Kraft-Nabisco Championship auch gleich eines der Majors im Damengolf. Auch wenn sich Stacy Lewis im Vorjahr als erste Amerikanerin seit 14 Jahren den nach einer Punktwertung vergebenen Titel „Player of the Year“ der LPGA Tour gesichert und im März für einige Wochen die Spitze der Weltrangliste angeführt hatte - vor dem vierten Saisonhöhepunkt hatte die Weltranglistezweite kaum jemand auf der Rechnung.

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Alle redeten nur von Inbee Park, die Stacy Lewis nicht nur von der Spitze der Hackordnung verdrängt hatte, sondern als Erste im Profigolf - Mann oder Frau - die ersten drei Majors des Jahres gewonnen hatte. Aber die 24-jährige Koreanerin kam mit den schwierigen Bedingungen, vielleicht auch mit dem Druck des möglichen Grand Slams nicht zurecht. Sie wurde wie viele Konkurrentinnen vom starken Wind verweht. Am Ende landete sie mit 14 Schlägen Rückstand auf dem 42. Platz.

Lewis plays approach shot to fifth hole during fourth round of Women's British Open golf championship in Scotland © REUTERS Vergrößern Auf dem Old Course von St. Andrews: „Ich liebe diesen Golfplatz mehr als alles andere“

Der Wind blies am Samstag mit weit über 60 Kilometern in der Stunde so stark, dass die Bälle nicht mehr auf den Grüns liegen blieben. So mussten die meisten Damen am Sonntag gleich zwei Runden spielen. Für Stacy Lewis hieß es früh aufstehen, um 4.30 Uhr war die Nacht für sie zu Ende. „Am Ende waren meine Beine so müde, dass ich mich nicht mehr hingesetzt habe. Ich hatte Angst, ich könnte nicht mehr aufstehen“, sagte die Siegerin.

Aber Stacy Lewis hat in ihrer Karriere schon mehr überwunden als schwere Beine. Auf Grund einer Skoliose musste sie vom zwölften bis 18. Lebensjahr 18 Stunden am Tag ein strammes Korsett vom Hals bis zur Hüfte tragen, nur beim Golf durfte sie es ablegen: „Deshalb habe ich Golf so genossen. Es waren die einzigen Stunden, in denen ich mich frei bewegen konnte.“ Vor zehn Jahren wurde sie schließlich operiert, mit einer Titanstange und fünf Schrauben wurde die Verkrümmung ihrer Wirbelsäule auf ein erträgliches Maß reduziert - ein Eingriff, den sie auf ihrer Website www.stacysback.com mit Röntgenbildern dokumentiert.

25426737 © AFP Vergrößern Stacy Lewis ist keine, die einen Platz mit schierer Kraft bezwingt, sondern eher eine ruhige Strategin

Mit der Operation wuchs sie um fünf Zentimeter, aber auch mit der neuen Körpergröße von 1,65 Metern gehört sie nicht zu den Proetten, die physisch der Konkurrenz überlegen sind. Sie ist keine, die einen Platz mit schierer Kraft bezwingt, sondern eher eine ruhige Strategin, die so leicht nichts aus der Fassung bringt. Selbst als sie in der Schlussrunde nach einem Fehlstart drei Schläge hinter die Koreanerin Na Yeon Choi, die US-Open-Siegerin des Vorjahres, zurückgefallen war, glaubte sie noch an ihre Siegeschance.

Sternstunde am Road Hole

Und als die Weltranglistenvierte an diesem windigen Sonntag mit Brisen bis zu 40 Kilometern in der Stunde schwächelte, gelang ihr, wie sie sagte, der vielleicht beste Schlag ihres Lebens. Am 17. Loch, dem berühmt-berüchtigten Road Hole (Par 4, 406 Meter), dem mit Abstand schwersten des Platzes, schlug sie den Ball mit dem Eisen 5 neunzig Zentimeter an die Fahne und lochte zum Birdie ein. Mit einem weiteren Birdie am 18. Loch vergrößerte sie ihren Vorsprung vor den beiden Koreanerinnen Na Yeon Choi und Hee Young Park auf zwei Schläge. Mit ihren Schlussrunden von 69 und 72 Schlägen war sie die Einzige aus der Spitzengruppe, die in den beiden sonntäglichen Runden unter Par blieb. Sie beendete die Serie von zehn Major-Siegen von Asiatinnen, eine Serie, die jetzt von ihren beiden Erfolgen eingerahmt wird.

In der nächsten Woche führt Stacy Lewis in Parker, einem Vorort von Denver (Colorado), das amerikanische Team im Solheim Cup an, der weiblichen Variante des Ryder Cups. Zur Europa-Auswahl gehört auch die Gladbeckerin Caroline Masson, die sich, obwohl sie am Cut gescheitert war, einen Platz im Team sicherte. Vor zwei Jahren hatten die Europäerinnen in Irland gewonnen, aber noch nie haben die Proetten vom alten Kontinent auf amerikanischem Boden gesiegt. Eine Aufgabe, die nach der grandiosen Vorstellung von Stacy Lewis, einer erfahrenen Teamspielerin, um einiges schwerer werden dürfte.

Quelle: F.A.Z.

 
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