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Schefflers Golf-Kolumne Das perfekte Duell

Auf diesen amerikanischen Star hat die Golfszene lange gewartet: Paradiesvogel Rickie Fowler entwickelt sich zum Gegenpart des Nordiren Rory McIlroy.

© AFP Vergrößern Strahlender Sieger: Paradiesvogel Fowler nach seinem ersten Sieg bei einem großen Turnier

Für einen wie Rickie Fowler bieten sich Vergleiche aus dem Showgeschäft an: Als er im September 2009, als ehemaliger Spitzenreiter der Amateur-Weltrangliste, den Schritt ins Profilager wagte, wurde er wegen der angeblichen Ähnlichkeit zu dem amerikanischen Schauspieler als „Leonardo DiCaprio der PGA Tour“ begrüßt. Eine Fan-Website feiert ihn bis heute als „Justin Bieber des Golfs“, vielleicht deshalb, weil der 23 Jahre alte Kalifornier eine Frisur wie der kanadischen Popstar trägt und ebenfalls vor allem junge Leute anspricht.

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Das Image des Teenie-Stars hat sein Ausrüster Puma erfolgreich gepflegt. Fowler, der seine langen Haare immer mit einer übergroßen Baseball-Kappe bändigt, geht seinem Job auf den Fairways mit einer speziell für ihn entworfenen grellbunten, durchgestylten Garderobe nach. Am Schlusstag eines Turniers kleidet er sich von Kopf bis zu den Schuhen in orange, eine Hommage an sein College, die Oklahoma State University - Aufzüge, wie er sie präsentiert, sucht man auf Golfplätzen bei Hobbysportlern bisher vergeblich.

Er wollte auffallen - und tat es

Fowler wollte auffallen, und er fiel auf - aber leider bis zum vergangenen Sonntag in seiner amerikanischen Heimat nie als Gewinner. Dann endlich besiegte er im Stechen der Wells Fargo Championship im Quail Hollow Golf Club in Charlotte im Bundesstaat North Carolina den nordirischen Weltranglistenersten Rory McIlroy und seinen Landsmann D.A. Points dank eines spektakulären Birdies am ersten Extra-Loch. Fowler kassierte 1,17 Millionen Dollar Preisgeld, rückte in der Weltrangliste um 15 Plätze auf Rang 24 vor. Aber für ihn noch wichtiger: Er belehrte alle Zweifler eines Besseren, die in ihm nur den bunten Vogel sahen, dem im Gegensatz zu dem gleichaltrigen McIlroy die spielerische Klasse und die Nervenstärke für Siege fehle.

Die Skepsis ließ sich begründen. In zweieinhalb Jahre hatte Fowler zwar auf der PGA Tour drei Mal den zweiten Platz belegt und etliche weitere Top-Plazierungen erreicht, aber als Golfprofi stand für den Popstar, der gemeinsam mit Masters-Sieger Bubba Watson, Ben Crane und Hunter Mahan als einer der „Golf Boys“ auf YouTube rappt, nur ein einziger Turniersieg zu Buche. Im Herbst des Vorjahres hatte er auf den kleinen OneAsia Tour in Korea gewonnen, damals übrigens mit sechs Schlägen vor McIlroy.

Wells Fargo Championship - Final Round Ernster Blick, fester Schlag: Rickie Fowler © AFP Bilderstrecke 

In diesen Wochen, da die amerikanischen Golffreunde an ihren „alten“ Idolen Tiger Woods (36 Jahre), der in Charlotte den Cut verpasste, und Phil Mickelson (42), der abgeschlagen auf Rang 26 einkam, wenige Freude haben und viele schon ins Fan-Lager des „keltischen Tigers“ McIlroy gewechselt sind, kommt ein amerikanischer Star gerade recht - noch dazu einer mit einer interessanten Vita. Fowler wuchs in Murietta in Kalifornien auf, dem Heimatort von Jeremy McGrath, dem siebenmaligen Motocross-Weltmeister. So schlug Fowler zwar fast täglich Bälle auf einer der vielen öffentlichen Übungswiesen, aber sein großes Vorbild war der mittlerweile 41 Jahre alte McGrath. Die Karriere als waghalsiger Motorrad-Pilot endete für Fowler im Alter von 14 Jahren mit dem ersten schweren Sturz. Er zog sich dabei einen dreifachen Bruch im Fußgelenk zu und widmet sich seitdem ganz dem Golf. Heute sind die Rollen vertauscht. Jetzt eifert Hobby-Golfer McGrath seinem ehemaligen Fan und heutigen Freund nach.

Sein Talent wurde schon früh erkannt

Obwohl Fowler in seinen Anfangszeiten nur selten die Übungswiese mit einem richtigen Golfplatz vertauschte, war sein Talent schnell erkannt. Er gewann Jugendturniere und erhielt ein Golf-Stipendium an der Oklahoma State University, die über eines der besten College-Teams der Staaten verfügt. Auch sein vielversprechender Einstand als Profi beförderte den Rummel. Der damalige amerikanische Ryder-Cup-Kapitän Corey Pavin gab Fowler eine seiner beiden „Captain‘s Pick“, ein Novum, denn noch nie durfte ein Tour-Neuling mit einer Freikarte in diesem Prestige-Duell mitspielen.

Jetzt ist Fowler, der nach dem Tod seines ersten und einzigen Golflehrers Barry McDonnell im Vorjahr ohne Schwungcoach agiert, auf dem Weg, sich erstmals sportlich für den Ryder Cup zu qualifizieren. Der Kontinentalwettstreit findet der Ende September in der Nähe von Chicago statt. Dort und auch in dieser Woche bei der Players Championship in Ponte Vedra Beach (Florida) wird Fowler wieder auf McIlroy treffen. „Wir werden noch viele Jahre lang gegeneinander spielen. Ich freue mich darauf“, kündigte Fowler an. Das klingt nach dem Beginn einer freundschaftlichen Rivalität: zwei Jungprofis mit Star-Appeal, einer aus Europa, einer aus Amerika - das perfekte Duell für die „Nach-Tiger-Ära“.

Quelle: F.A.Z.

 
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