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Schefflers Golf-Kolumne : Auf dem Weg zurück zur alten Dominanz?

  • -Aktualisiert am

„Mein Ziel ist es nicht, so gut zu werden wie früher, sondern besser“: Tiger Woods Bild: dpa

Tiger Woods steht wieder auf dem Gipfel der Golfwelt - nach 125 Wochen. Und er gewinnt wieder in altbekannter Manier: Er geht als Führender in die Schlussrunde und siegt sicher und ohne je ernsthaft in Bedrängnis zu geraten.

          Tiger Woods steht wieder auf dem Gipfel - nach 125 Wochen oder 878 Tagen, in denen sich Lee Westwood (22 Wochen), Martin Kaymer (8), Luke Donald (56) und zuletzt Rory McIlroy (39) als Golfprimus fühlen durften. Doch die Rückkehr auf seinen angestammten Platz, den der 37-jährige Amerikaner nun in der 624. Woche besetzt, ist für den Superstar bestenfalls eine Zwischenstation. „Mein Ziel ist es nicht, so gut zu werden wie früher, sondern besser“, sagte Woods zu Beginn der Woche im Bay Hill Club & Logde in Orlando.

          Ob er diesem Ziel näher gekommen ist, ob er schon wieder so gut spielt, so dominiert wie in seiner Glanzzeit, darüber wird seit seinem Erfolg beim Arnold Palmer Invitational diskutiert. Denn Woods gewinnt wieder Turniere in altbekannter Manier: Er geht als Führender in die Schlussrunde und kommt sicher, routiniert und ohne je ernsthaft in Bedrängnis zu geraten ans Ziel, ein Muster, das sich in diesem Jahr nach Torrey Pines und der Cadillac Championship nun auch in Zentralflorida wiederholte.

          “Man sieht ihm an, dass er sich auf dem Platz wohl fühlt. Er macht kaum Fehlschläge, er schwingt gut, und wenn er in Topform ist, hat er das gewisse Etwas“, sagte Rickie Fowler, der als Mitspieler den besten Zuschauerplatz hatte. Fragesteller, die diese Rückkehr zu altem Glanz mit seiner Liaison mit der Skirennläuferin Lindsey Vonn in Verbindung bringen wollten, wehrte Woods ab: „Da interpretiert ihr zu viel hinein.“

          Über sein Privatleben redet Woods so gut wie nie, gesprächig ist er nur in Sachen Golf. Wann hat sich sein Spiel zuletzt so gut angefühlt? „Das ist ein paar Jahre her. Wenn ich gesund bin, kann ich auf ganz hohem Niveau und bei jedem Turnier um den Sieg spielen.“ In Florida demonstrierte er eindrucksvoll, dass er seine alte Stärke auf den letzten Metern zum Loch, dem sogenannten „kurzen Spiel“, wiedergefunden hat - eine Treffsicherheit, die ihm im vergangenen Jahr, als er bei zwei Majors bei Halbzeit geführt hatte und dann eingebrochen war, abging. „Ich habe eine Schwäche zu meiner Stärke gemacht“, sagte Woods. Sein Caddie Joe LaCava fügte an: „Er trifft den Ball besser, sein kurzes Spiel ist viel besser, er hat viel mehr Selbstvertrauen.“

          Eine Szene verdeutlicht Woods’ Überzeugung

          Drei Siege in nur fünf Turnieren in diesem Jahr, der sechste innerhalb der letzten 53 Monate, kein anderer Golfer hat in diesem Zeitraum häufiger gewonnen - und nichts stärkt das Selbstbewusstsein mehr als eine solche Erfolgsserie. Wie sehr der Kalifornier von der Qualität seiner Schläge unter extremem Druck überzeugt ist, veranschaulicht die entscheidende Szene in der wegen eines Unwetters auf Montag verschobenen Schlussrunde.

          Nachdem sein bis dahin ärgster Verfolger Fowler - allerdings war auch er nie näher als zwei Schläge an den Spitzenreiter herangerückt - am 16. Loch, einem Par 5, den Ball vom Fairway gleich zweimal im Wasser versenkt hatte, wählte Woods nicht die Sicherheitsvariante des „Vorlegens“, also das Plazieren des Balls vor den Teich. Mit vollem Risiko hieb er den Ball aus einem Fairwaybunker mit einem Eisen 8 mit dem zweiten Schlag aus 163 Metern übers Wasser aufs Grün.

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          Sport kompakt : Der „Tiger“ ist wieder die Eins

          Zwei Putts später verschwand der Ball im Loch. Mit diesem Birdie hatte er nicht nur Fowler endgültig abgeschüttelt, er hatte sich auch ein Polster von drei Schlägen vor dem späteren Zweiten, dem Engländer Justin Rose, gesichert. So konnte er sich am letzten Loch nach einem verzogenen Abschlag dieses „Vorlegen“ und ein Bogey ganz routiniert leisten. „So ist das bei Tiger“, sagte der neue Weltranglistendritte Rose zum Missgeschick von Fowler, „das sind die Fehler, zu denen er andere zwingt.“

          Woods gewann das Einladungsturnier der 83-jährigen amerikanischen Golflegende Palmer zum achten Mal. Er stellte damit den Rekord von Sam Snead ein, der bei der Greensboro Open 1965 mit 52 Jahren zum achten und letzten Mal triumphiert hatte. Auch ein anderer Rekord von „Slammin’ Sam“ ist für Woods in Reichweite: Mit seinem 77. Sieg auf der PGA Tour rückte er weiter an dessen Bestmarke von 82 heran.

          „Es wird schwer, ihn dort zu schlagen“

          Woods jagt allerdings einer anderen Zahl hinterher, den 18 Erfolgen von Jack Nicklaus bei den Majors. Seit fünf Jahren tritt Woods mit 14 Major-Siegen auf der Stelle. Natürlich wird er nach seinem letzten Auftritt vor dem ersten Saisonhöhepunkt jetzt als Sieganwärter beim Masters in Augusta (11. bis 14. April) gehandelt, auch wenn der diesmal pausierende Nordire McIlroy mit einem Sieg bei der Shell Open in Houston am Sonntag Woods wieder als Weltranglistenersten ablösen kann.

          „Ja, er ist der hohe Favorit. Es wird schwer, ihn dort zu schlagen“, behauptet Rose. Hoffnung kann die Konkurrenz wenigstens aus der Statistik schöpfen. Drei Mal in seiner Karriere hatte Woods vor dem ersten Saisonhöhepunkt drei Turniere gewonnen, 2000, 2003 und 2008 - und dennoch nie das grüne Siegesjackett übergestreift. Aber auch für die Wahrscheinlichkeit des fünften Masters-Siegs von Woods lässt sich ein Beleg finden. 2001 gewann er zum letzten Mal vor Augusta wie jetzt zwei Turniere in Folge. Das Ergebnis: Woods siegte beim Masters und vollendete den „Tiger Slam“ mit vier Major-Triumphen in Serie.

          Quelle: F.A.Z.

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