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Golf-Kolumne Männer-Spielchen

Die alten Männerbündler des Augusta National Golf Clubs wollen sich dafür feiern lassen, dass sie nach über 80 Jahren zwei Frauen aufnehmen. Dies müsste den weiblichen Vollprofis seltsam vorkommen.

© Reuters Vergrößern Großer Golf-Fan: die ehemalige amerikanische Außenministerin Condolezza Rice (rechts)

Wer hat hier eigentlich den größeren Verrat begangen? Der Augusta National Golf Club an den Männern oder die weiblichen Tycoons Condoleezza Rice und Darla Moore an den Frauen? Es ist eine echte Enttäuschung und lässt ein merkwürdiges Gefühl der Leere zurück, dass die seit 80 Jahren verstockten Herren des traditionellen Golfspielervereins nun eingeknickt sind und zwei weibliche Mitglieder in ihre ausgesuchte Runde aufgenommen haben. Die beiden Frauen von Welt hätten aber auch nicht gleich beim ersten Antrag der alten Männerbündler jubelnd Ja schreien müssen. So ein Hole-in-one haben die einfach nicht verdient.

Jahrzehntelang waren keine Frauen erwünscht

Evi Simeoni Folgen:  

Jahrzehntelang hat der Club sich entschlossen gegen alle Versuche gewehrt, ihn zur Aufnahme weiblicher Mitglieder zu nötigen. Nicht einmal vor Waffengewalt, vor der „Spitze eines Bajonetts“ werde man zurückweichen, erklärte der frühere Vorsitzende William „Hootie“ Johnson noch vor zehn Jahren unerbittlich. Und auch den Sponsoren des vom Klub veranstalteten Masters-Turniers gab er deutlich Bescheid: Lieber verzichteten sie zwei Jahre lang auf Millionen von Dollar, als Golfspielerinnen in ihren Klub aufzunehmen - nach massiven Protesten von Frauenrechtlerinnen wurde das Masters zwei Jahre lang im Fernsehen ohne Werbeunterbrechungen gezeigt.

Und jetzt verkündet Billy Payne, der Nachfolger des aufrechten Johnson, in einem offiziellen Statement, dass man für Rice und Moore - die ehemalige Außenministerin und eine der einflussreichsten Geschäftsfrauen der Vereinigten Staaten - den eisernen Riegel zurückschieben werde. Und die Damen fühlen sich auch noch höchst geehrt, obwohl sie die Aufnahme nicht einmal beantragt haben. Das kann man nämlich gar nicht. Man wird dazu nach einem undurchsichtigen Prozess eingeladen und gehört dann zu einer ganz speziellen Gesellschaft. Wirtschaftsbosse und Politiker schwingen in der exklusiven Runde ihre Schläger und Reden, zwischen Whiskey-on-the-Rocks und Herrenwitzen werden auch schon mal hilfreiche Beziehungen geknüpft und Geschäfte eingefädelt. Auch Bill Gates und Warren Buffett sollen das Grüne Jackett besitzen, das die Mitgliedschaft anzeigt - genaues weiß man allerdings nicht über die Herren, die sich dort an der Bar tummeln. Nur zwei seiner Angehörigen hat der Klub jemals namentlich benannt: Rice und Moore.

Bild Augusta Für mehr Emanzipation: Frauenrechtlerinnen kritisieren den Augusta National Golf Club seit Jahren © REUTERS Bilderstrecke 

Und? Dämmert’s? Dieser Umstand müsste den beiden weiblichen Vollprofis eigentlich seltsam vorkommen. Der Augusta National Golf Club hat nämlich nicht einfach nur Frauen aufgenommen. Er will sich dafür feiern lassen, dass er nach 80 Jahren Frauen aufgenommen hat. Dass er immerhin etwas moderner ist als die katholische Kirche mit ihrer Priesterschaft. Und diese beiden Klasseweiber, die sich ihr Leben lang trotz der allgegenwärtigen Männerkumpanei durchgesetzt haben, werden ausgerechnet wegen eines grünen Blazers schwach, wo nur ein höfliches „Nein Danke“ konsequent gewesen wäre. Aber klar, man darf nicht ungerecht sein. So rückständig, wie es aussieht, ist dieser Verein gar nicht. Immerhin hat er schon im Jahr 1990 den ersten Schwarzen akzeptiert.

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Wolfgang Schefflers Leben ist der Golfplatz: Er beobachtet die Welt zwischen Rough, Bunker und Grün und schreibt in der Golfkolumne über Sieger und Verlierer, Kurioses und Skurriles. Derzeit betreibt unser Autor aber sein eigenes Aufbautraining nach einer Knieoperation. Der aktuelle Beitrag kommt deshalb von Evi Simeoni.

Quelle: F.A.Z.

 
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