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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Schach Bisher verdienen nur die Profis

 ·  Ein Schachturnier im nächsten Jahr mit der gesamten Weltspitze will der Veranstalter über zahlende Online-Teilnehmer decken.

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Online World Chess BV, eine niederländische Firma, hat für ein Turnier im Normalschach, das im kommenden April über die Bühne gehen soll, die komplette Weltspitze unter Vertrag genommen.

Die Kosten will der Veranstalter von zahlenden Online-Teilnehmern einspielen. Bisherigen Erfahrungen mit Internetschach zu Folge, müssen die Investoren KPN und IMG damit rechnen, die Millionen als Sponsoring abzuschreiben.

32 Internet-Qualifikanten dürfen mitmachen

Anfänglich sollte das mit knapp 1,5 Millionen Dollar (etwa 3,2 Millionen Mark) dotierte Turnier bereits dieser Tage stattfinden und damit unmittelbar vor den am 25. November beginnenden Titelkämpfen des offiziellen Weltverbands Fide.

Dann wurde neu terminiert auf 20. April bis 5. Mai. In welcher niederländischen Stadt gespielt wird, ist noch unbekannt. Fest stehen jedoch jene 32 Spieler, die in der ersten Runde des K.o.-Wettbewerbs auf ebenso viele Qualifikanten aus dem Internet treffen.

Kasparow und Kramnik unter Vertrag

Garri Kasparow, der Führende der Weltrangliste und Sieger der Superturniere in Wijk aan Zee, Linares und Astana, wird weder die bevorstehende WM des Weltschschach-Verbandes Fide bestreiten noch die Vorrunde der WM nach Version des Internetunternehmens Braingames Network im Juli 2002 in Dortmund.

Online World Chess dagegen hat Kasparow zum Kommen verpflichtet. Auch Braingames-Champion Wladimir Kramnik und sämtliche Favoriten der Moskauer Fide-WM haben unterschrieben. Einige Großmeister, die nicht oder nicht mehr zu den Top 30 zählen, wurden aus Marketinggründen eingeladen, darunter der 1993 in Deutschland eingebürgerte Artur Jussupow und der für die Schweiz spielberechtigte Vadim Milow.

Mehr als 100.000 zahlende Teilnehmer nötig

Online World Chess will den Wettbewerb jährlich etablieren. Eine gleichnamige Stiftung, die über die sportlichen Belange wacht, wird von dem Schachmäzen und Cesky-Telekommanager Bessel Kok geleitet. Zum Vorstand der Stiftung gehören auch der Präsident des internationalen Radsportsverbands UCI, Hein Verbruggen, und der frühere Fide-Präsident und Sprecher des isländischen Parlaments, Fridrik Olafsson.

Online World Chess existiert seit sechs Monaten. Die wichtigsten Investoren und zugleich Technologiepartner sind die niederländische Telekom KPN und der Sportvermarkter International Management Group (IMG). Weitere Partner seien für die Werbung der zahlenden Teilnehmer und die Abrechnung der Spielgebühr in Höhe von 32,95 Dollar (etwa 70 Mark) gewonnen worden, sagt Geschäftsführer Floris Italiener.

Zwischen 100.000 und 200.000 zahlende Teilnehmer seien nötig, um die Investition, die er nicht näher beziffern wollte, zu refinanzieren. Laut dem englischen Experten Mark Crowther wäre es ein Wunder, wenn Online World Chess 5000 zahlende Teilnehmer fände. Die Fide hat acht Teilnehmer ihrer bevorstehenden WM online ermitteln lassen. Bei einer vergleichbaren Gebühr von 39 Dollar (etwa 85 Mark) beteiligten sich gerade mal 247 Spieler.

Online-Unternehmen schreiben rote Zahlen

Auch Braingames Network setzt auf Online-Vorrunden, hat den Start aber bis auf Weiteres verschoben. Offizieller Grund ist die den Terroranschlägen geschuldete Verschiebung eines Schaukampfes zwischen BGN-Champion Kramnik und einem Computer, der den Online-Wettbewerb bekannt machen sollte.

Braingames hat seine Investoren mittlerweile mehr als vier Millionen Pfund (etwa 12,5 Millionen Mark) gekostet, Kasparov Chess Online sogar mehr als zehn Millionen Dollar (mehr als 22 Millionen Mark). Beide Firmen haben ihr Personal reduziert, schreiben aber keine operativ schwarzen Zahlen und sind vom Rückverdienen weit entfernt.

283 Millionen Online-Schachspieler?

Verdient haben bisher vor allem die Schachprofis. Warum soll es Online World Chess besser ergehen als Braingames und Kasparows Webpräsenz? Floris Italianer glaubt dennoch daran: Seine Firma sei sowohl technologisch als auch durch Marktforschung besser gerüstet als die Konkurrenten.

Die Frage ist, was seine forschen Zahlen wert sind. In einer Pressemitteilung von Online World Chess heißt es, mehr als 283 Millionen Menschen hätten schon im Internet Schach gespielt. Die Zahl könnte hinkommen - stünde gleich nach der zwei ein Komma.

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