Was bringt millionenschwere Profis dazu, sich alle zwei Jahre mit Leidenschaft für Europa oder die Vereinigten Staaten einzusetzen, obwohl es um keinen Cent Preisgeld, sondern nur um die Ehre geht? „Ich kann es nicht erklären“, behauptet der Engländer Ian Poulter, der überragende Einzelakteur dieses 39. Ryder Cups, „es kommt von innen. Es ist in mir drin.“
Wer wie Rory McIlroy zunächst daran zweifelt, dass der Traditionswettbewerb alle anderen Golfereignisse weit überstrahlt, wird schnell eines Besseren belehrt. „Als ich vor zwei Jahren in Wales am ersten Abschlag stand, die Gesänge der Fans miterlebte, war mir klar, dass der Ryder Cup etwas Besonderes ist“, sagte der Nordire. Der 23-jährige Weltranglistenerste, der Jüngste im Team Europa, verpasste am Sonntag sogar einem Wort, das eigentlich nicht zu steigern ist, einen Superlativ: „Es ist das einzigartigste Golfturnier der Welt.“
Aber das nicht nur, weil aus Einzelkämpfern für eine Woche Teamplayer werden. Profis, die ansonsten Konkurrenten sind, verbindet auf einmal ein gemeinsames Ziel. Wenn wie in Medinah zehntausende patriotisch gestimmte Fans schon Stunden vor Spielbeginn auf den vollbesetzten Tribünen ausharren, wenn sie zur Einstimmung die amerikanische Nationalhymne intonieren, wenn sie Spieler schon beim Erscheinen frenetisch bejubeln, wenn grandiose Schläge der eigenen Männer ebenso gefeiert werden wie Fehlschläge der Gegner, läuft es nicht nur den Spielern eiskalt den Rücken runter.
Hinzu kommt, dass der Ryder Cup im Lochspiel ausgetragen wird - und am letzten Tag mit den zwölf Einzeln im Kampf Mann gegen Mann der Sieger ausgefochten wird. Normale Golfturniere, auch alle Majors, werden dagegen als Zählspiel ausgetragen - und da wird es meist erst gegen Ende der vierten und letzten Runde spannend. Im Ryder Cup ist es anders: Jedes Loch, jeder Punkt zählt, Das fasziniert selbst Sportfreunde, die ansonsten Golf für langweilig halten. Nach Angaben der Veranstalter schauten in diesem Jahr 600 Millionen Menschen in aller Welt am Fernseher zu - und das nicht nur in den Vereinigten Staaten und den acht Ländern vom alten Kontinent, die die Spieler für die Europa-Auswahl stellten.
Bei dieser Begeisterung werden alle zwei Jahre im Ryder Cup Helden geboren, aber auch Sündenböcke gesucht und gefunden. Im Nordosten von Chicago erlebten der überragende Poulter und Martin Kaymer, der den entscheidenden Putt lochte, Glücksgefühle, die sie, wie der Deutsche es ausdrückte, für ihr ganzes Leben mitnehmen werden: „Von diesem Putt werde ich noch meinen Enkeln erzählen.“
Golf in seiner schönsten Form
Wie ergeht es da erst den Verlierern? Jim Furyk, der auf den letzten beiden Schlussbahnen das Loch gleich zwei Mal aus kurzer Entfernung verfehlte und dadurch gegen den Spanier Sergio Garcia verlor, sagte, dieses Versagen schmerze noch mehr als die US Open in diesem Jahr, bei der er ebenfalls in der Schlussphase den Sieg verschenkt hatte. Der 45-jährige Steve Stricker, der amerikanische Team-Senior, nannte seine Niederlage gegen Kaymer den Tiefpunkt des Jahres. Aber bei allem Enttäuschung, die die Amerikaner empfanden, zog ihr Kapitän Davis Love III ein versöhnliches Fazit: An diesem Sonntag habe vor allem einen Sieger gegeben: „Golf, dieses großartige Spiel.“ Man möchte hinzufügen: Der Ryder Cup, das ist Golf in seiner schönsten Form.
Der Ryder Cup ist die...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 02.10.2012, 12:45 Uhr
Glücklich darüber
Jürgen Stak (kafka02)
- 01.10.2012, 23:43 Uhr
USA gegen Europa
Klaus Letis (odysseus_8)
- 01.10.2012, 21:32 Uhr