21.11.2003 · „Zu wem wird er halten“, fragen australische Zeitungen vor dem Finale der Rugby-WM zwischen England und Australien. Prinz Harry steckt als Vertreter der englischen Königin, die auch Oberhaupt der Australier ist, in der Zwickmühle.
Titelverteidiger Australien und England kämpfen am kommenden Samstag im Olympiastadion von Sydney um die Rugby-Weltmeisterschaft (9.55 Uhr/live im DSF), Prinz Harry auf der Tribüne mit seinem Gewissen.
„Zu wem wird er halten“, fragen australische Zeitungen argwöhnisch. Fürwahr ein heißes Eisen, schließlich ist der Spross der Windsors kein normaler Fan, sondern vertritt Königin Elizabeth II von England, die somit auch Staatsoberhaupt von Australien ist. „Wenn die Königin von Australien die Wallabies nicht anfeuern kann, ist sie für uns bedeutungslos“, wettert Allison Henry, Chefin der „Australischen Republikbewegung“.
Engländer Favorit bei den Buchmachern
Die wahren Fans sind sich derweil einig, daß zwei Götter das Finale entscheiden werden: Der Wettergott und der englische Rugbygott Jonny Wilkinson. Regnet es am Samstag wie bei ihrem Halbfinal-Triumph gegen Frankreich, gelten die Engländer als begünstigt. In Wilkinson, der sein Team fast im Alleingang ins Endspiel kickte, haben die Briten zudem den überragenden Spieler der Vorschlußrunde in ihren Reihen. Zweimetermann Justin Harrison wurde von Australiens Coach Eddie Jones eigens mit der Bewachung des Superstars betraut.
Bei den Buchmachern werden die Engländer, die sich gegen die Australier für die WM-Finalniederlage 1991 auf heimischem Boden revanchieren und die Webb Ellis Trophäe erstmals in die nördliche Hemisphäre holen wollen, als Favoriten gehandelt. Kein Wunder, gewannen die Briten die vergangenen vier Begegnungen gegen die Aussies. Insgesamt hat jedoch Australien mit 16 Siegen, elf Niederlagen und einem Remis aus den bisherigen 28 Duellen statistisch die Nase vorn.
970 Euro für eine Karte
82.000 Zuschauer werden das Finale im Olympiastadion verfolgen. Trotz der rund 3.200 Euro für Flug, Hotel und Eintrittskarte sind bereits 40.000 Engländer in Sydney eingetroffen, um ihre Mannschaft mit dem gefürchteten Schlachtruf „Swing low sweet chariot“ anzufeuern. In der australischen Filiale des Internet-Auktionshauses Ebay werden Endspieltickets derzeit für umgerechnet 970 Euro angeboten. Die regulären Preise liegen zwischen 118 und 324 Euro.
Rund 100.000 Fans, die keine Endspielkarte ergattern konnten, werden in Sydneys Innenstadt erwartet. Dort ist die Partie auf vier Großbildleinwänden zu sehen. Weltweit verfolgen voraussichtlich vier Milliarden Menschen das Duell der beiden Rugby-Giganten, darunter auch die Besatzung der australischen „Casey Station“ in der Antarktis. Heiß wird es dagegen in der Kneipe von Birdsville, einem Kaff im sonnenverbrannten australischen Outback. Dort lassen Temperaturen von rund 50 Grad Celsius nicht nur die Emotionen hochkochen.