Die bisherige Pleitenserie der deutschen Sportler bei den Olympischen Spielen in Athen ist um ein Kapitel reicher. Selbst die als Erfolgsgaranten bekannten Ruderer mußten am Mittwoch einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen. Nach dem dritten Rang von Marcel Hacker im Halbfinale sind die Deutschen erstmals seit 1956 nicht in einem olympischen Einer-Endlauf vertreten. „Es fällt uns schwer, den Verlust eines der prestigeträchtigsten Boote wegzustecken. Marcel hat sein Talent und seine Fähigkeiten heute nicht optimal abgerufen“, klagte DRV-Sportdirektor Michael Müller.
Die befürchtete Havarie beim zweiten Paradeboot blieb dem Deutschen Ruderverband (DRV) auf dem See in Schinias jedoch erspart. Mit einem zweiten Platz im Hoffnungslauf hinter Weltmeister Kanada rehabilitierte sich der Deutschland-Achter für den mißratenen Olympia-Auftakt. Anders als am Sonntag hielt die Crew um Schlagmann Michael Ruhe energisch dagegen und wehrte auf den letzten Metern den Angriff von Olympiasieger Großbritannien gekonnt ab. Der fünfmalige Achter-Weltmeister Roland Baar geriet gar ins Schwärmen. „Es ist immer gut, wenn man aus verpatzten Vorläufen lernt. Wenn alles optimal läuft, kann diese Mannschaft am Sonntag eine Medaille holen“, sagte das IOC-Mitglied.
Vierer ohne Steuermann gescheitert
Die Schlappe im Männer-Skiff und die Wiedergeburt des Achters standen stellvertretend für einen Tag mit Licht und Schatten. Wie der Männer-Achter können Katrin Rutschow-Stomporowski im Einer, der Zweier ohne Steuermann und der Frauen-Achter weiter auf eine Medaille hoffen. Damit sind bisher insgesamt sieben DRV-Boote für die Finals qualifiziert, weitere drei können in den Halbfinals am Donnerstag folgen.
Davon kann die Crew um Schlagmann Bernd Heidicker (Herten) im Vierer ohne Steuermann nur noch träumen. Zwei Jahre nach dem WM-Triumph von Sevilla bleibt dem Team um Schlagmann Bernd Heidicker (Herten) am Wochenende nur die Zuschauerrolle. Trotz der Pleiten im Einer und ungesteuerten Vierer wähnt sich Sportdirektor Müller weiter im Soll: „Wir werden die Prognosen erfüllen und vier bis sechs Medaillen gewinnen.“
Hacker überraschend kraftlos
Vor allem der Auftritt von Katrin Rutschow-Stomporowski stimmte den Sportdirektor optimistisch. Bei idealen Bedingungen verwies die WM-Zweite die Tschechin Mirka Knapkova in souveräner Manier auf Rang zwei. Ihre stärksten Konkurrentinnen Ekaterina Karsten (Weißrußland) und Rumjana Nejkowa (Bulgarien) im Kampf um Gold lieferten sich im zweiten Halbfinale ein packendes Duell, benötigten aber über eine Sekunde länger für die 2000-m-Distanz.
Von der Souveränität der Berlinerin war Hacker Lichtjahre entfernt. Der ungewohnt kraftlose Weltmeisterschaftszweite kam hinter Olaf Tufte (Norwegen) und dem Bulgaren Ivo Yanakiew ins Ziel. „Nach 500 Metern lief nichts mehr. Ich war zwar fit, aber der Kopf hat nicht mitgespielt“, sagte Hacker. Einen Rückzug seines Schützlings wollte Trainer Andreas Maul nicht kategorisch ausschließen: „Nun müssen wir sehen, wie Marcel, die Sponsoren und der Deutsche Ruderverband darauf reagieren.“