22.09.2002 · Den ganz großen Coup verpasste das deutsche Parade-Boot bei der Ruder-WM in Sevilla, immerhin gewannen die DRV-Athleten aber 12 Medaillen.
Der Deutschland-Achter muss weiter auf seinen ersten internationalen Titel seit 1995 warten, hat sich aber wieder in der Weltspitze etabliert. Im Finale der Weltmeisterschaften auf dem Guadalquivir in Sevilla verpasste das Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) am Sonntag nur knapp den ersehnten Sieg.
Die Crew um Schlagmann Michael Ruhe kam eine halbe Bootslänge hinter Kanada ins Ziel. „Natürlich hätte auch ich lieber Gold gewonnen, aber diese Mannschaft hat das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht“, sagte Trainer Dieter Grahn nach dem packenden Endlauf.
Brilliante Bilanz
Nicht nur der Achter sorgte im DRV-Lager für zufriedene Gesichter: Mit vier Gold-, zwei Silber- und drei Bronzemedaillen in den 14 olympischen Wettkampfklassen übertraf das junge deutsche Team die Prognosen und kam damit nahe an das als historisch gefeierte Ergebnis der vorigen WM in Luzern mit fünf Titeln heran.
Rund 24 Stunden nach den Erfolgen im Männer-Einer und Vierer ohne Steuermann am Samstag legten auch die beiden Doppelvierer am Siegersteg an. „Wir haben zwei tolle Tage erlebt und unser Land gut vertreten. Mit Blick auf Athen 2004 sind wir gut aufgestellt“, sagte DRV-Sportdirektor Michael Müller.
Der nach der verpassten Olympia-Qualifikation im Jahr 2000 eingeleitete Neuaufbau im Achter machte sich bereits zum zweiten Mal bezahlt. 13 Monate nach dem dritten WM-Platz in Luzern bewies die junge Mannschaft erneut Moral und verwies Topfavorit USA auf Rang drei. Trainer Grahn zog ein positives Fazit: „Nach dem mäßigen Vorlauf hatten uns viele schon abgeschrieben. Aber das Finale hat gezeigt, dass wir uns international nicht zu verstecken brauchen.“
Herausragender Hacker
ereits am Samstag hatte Marcel Hacker die Finals mit einem Paukenschlag eröffnet. Der Sieg über Iztok Cop (Slowenien) und Titelverteidiger Olaf Tufte (Norwegen) in neuer Weltbestzeit von 6:36,33 Minuten verhalf dem 25 Jahre alten Modellathleten aus Kassel zum erhofften internationalen Durchbruch. „Auf den letzten 500 Metern war Fliegen angesagt“, schwärmte der in diesem Jahr ungeschlagene neue Skiff-König, „dieser Sieg ist eine Bestätigung für die gesamte Saison“.
Mit dem ersten Titel für einen deutschen Einer-Fahrer seit 1994 will sich Hacker aber nicht zufrieden geben: „Mein großer Traum ist der Olympiasieg. Deshalb sehe ich den Erfolg von Sevilla als Zwischenstation.“
Gold für Vierer ohne Steuermann
Kurz nach Hacker wurde auch der Vierer ohne Steuermann seiner Favoritenstellung gerecht. In einem an Dramatik kaum zu überbietendem Rennen wehrte das Team um Schlagmann Bernd Heidicker (Herten) die Schlussoffensive der Briten ab und rettete einen Vorsprung von einer Luftkastenlänge ins Ziel.
Überglücklich ließ Sebastian Thormann (Wertheim) das famose Rennen Revue passieren: „Einfach genial. Wir haben zum Schluss alle Reserven mobilisiert - und das ist normalerweise unsere Schwäche.“
Rechtzeitig zum Finale fand der Frauen-Doppelvierer in die Erfolgsspur zurück. Nach bisher eher durchwachsenem Saisonverlauf gewann der DRV-Erfolgsgarant den zehnten Titel in Folge. „Wir haben immer an uns geglaubt und mussten uns den Sieg anders als in den letzten Jahren hart erarbeiten“, meinte Schlagfrau Kerstin El-Qalqili (Potsdam).
Solide Ergebnisse
Nicht minder souverän und überraschend verteidigte der in diesem Jahr zumeist erfolglose Männer-Doppelvierer seinen Titel. Die neu formierte Mannschaft ließ den Teams aus Polen und Italien keine Chance.
Einer-Titelverteidigerin Katrin Rutschow-Stomporowski und das Duo Andreas Hajek (Halle)/Andre Willms (Magdeburg) im Doppelzweier blieben mit dritten Plätzen im Soll.
Dagegen hatten sich Claudia Blasberg (Dresden) und Janet Radünzel (Rendsburg) im leichten Frauen- Doppelzweier mehr ausgerechnet: Der hohe Favorit fand in Australien seinen Meister und musste sich mit Silber begnügen.
Dem ebenfalls als Goldkandidaten gehandelten Frauen-Achter blieb gar nur ein dritter Rang. Auch in den zehn Finals der nichtolympischen Bootsklassen entpuppten sich die Deutschen als eifrige Medaillensammler.
Lars Krisch (Dresden), Andreas Werner (Koblenz) und Andreas Müller- Gatermann (Koblenz) gaben der Konkurrenz aus den USA und aus Australien das Nachsehen. Der leichte Männer-Achter und der Männer- Vierer sicherten sich Platz zwei.