Die deutschen Rodler haben ihren Siegeszug bei den Weltmeisterschaften in Nagano mit einer maximalen Ausbeute eindrucksvoll fortgesetzt. In einer Neuauflage der dramatischen Olympia-Entscheidung vor sechs Jahren verwies Silke Kraushaar bei ihrem ersten WM-Titel mit Bahnrekord im zweiten Durchgang die bis dahin führende Barbara Niedernhuber um 42 Huntertstelsekunden auf den zweiten Rang. Den fünften deutschen WM-Dreifacherfolg nacheinander machte Titelverteidigerin Sylke Otto auf dem dritten Rang perfekt.
Wenige Stunden zuvor hatten die Doppelsitzer-Olympiasieger Patric Leitner/Alexander Resch (Königssee/Berchtesgaden) zum dritten Mal nach 1999 und 2000 vor ihren Landsleuten André Florschütz/Torsten Wustlich (Oberhof/Oberwiesenthal) den Titel eingefahren. „Das ist bombastisch“, kommentierte Bundestrainer Thomas Schwab das Abschneiden am zweiten WM-Tag, nachdem das deutsche Team zum Auftakt bereits den Mannschaftstitel gewonnen hatte. „Daß die Doppelsitzer so stark wären, damit hatten wir nicht gerechnet. Und die Frauen, die sind hier in einer eigenen Liga gefahren“, meinte der Coach.
Hilfreiche Olympia-Erinnerungen
Die Schnellste konnte ihr Glück kaum fassen. Mit Tränen in den Augen nahm Silke Kraushaar die Glückwünsche im Ziel entgegen. „Ich bin überglücklich. Die Erinnerungen an meinen Olympiasieg haben mir hier sehr geholfen“, meinte die Oberhoferin nach ihrer wie 1998 geglückten Aufholjagd. Nach dem ersten Lauf hatte die 33 Jahre alte Europameisterin mit einem Rückstand von 58 Hundertstelsekunden nur auf dem vierten Rang hinter Niedernhuber (Königssee), Tatjana Hüfner (Oberwiesenthal) und Otto gelegen.
Nach Kraushaars perfektem Lauf patzten aber Otto leicht und Hüfner schwer. Dabei griff die erst 20 Jahre alte EM-Zweite und WM- Debütantin Hüfner mit nur sieben Huntertstelsekunden Rückstand nach dem ersten Durchgang sogar kurzzeitig nach Gold. Am Ende landete sie allerdings auf dem achten Rang.
Auch Niedernhuber wußte ihren knappen Vorsprung nicht zu verteidigen. Doch die erneut geschlagene „ewige Zweite“ - 1998 lag Niedernhuber um zwei Tausendstelsekunden hinter Kraushaar - konnte damit sehr gut leben. „Ich habe auf alle Fäller Silber gewonnen“, meinte die 29jährige. Nach einer Saison mit einigen Aufs und Abs habe sie gar nicht damit gerechnet, um den Titel mitfahren zu können. Ein großes Dankeschön richtete die Bayerin an den dreimaligen Olympiasieger Georg Hackl, der ihr unermüdlich beim Herrichten des Schlittens geholfen habe.
Mit Bahnrekord und deutlichen 0,344 Sekunden Vorsprung verwiesen Leitner/Resch die Weltmeister von 2001, André Florschütz/Torsten Wustlich, auf den zweiten Rang. „Mit diesem Ergebnis hatten wir nicht gerechnet. Daher ist es doppelt und dreifach schön“, sagte Leitner. Die Weltcupgewinner unterboten außerdem den von Mark Grimmette/Brian Martin (Vereinigte Staaten) am Tag zuvor aufgestellten Bahnrekord um satte 0,423 Sekunden. „Wenn man sich einen solchen Lauf, wie den zum Bahnrekord, für eine WM aufsparen kann, ist das ein Traum“, meinte Leitner. Mit nur sechs Tausendstelsekunden setzten sich Florschütz/Wustlich gegen die Olympia-Zweiten Grimmette/Martin durch. „Dieses Silber zählt mehr als Gold“, meinte Florschütz, der den zweiten Platz auch über den WM-Titel 2001 stellte, „weil wir uns erst wieder rankämpfen mußten“.