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Robert Hartings Kritik Ein Schloss für die Champions

 ·  Robert Harting attackiert die Geldverteilung im Leistungssport. Vor allem den DOSB nimmt sich der Diskuswurf-Olympiasieger vor. Aber nicht alle Spitzensportler liegen auf der Harting-Linie.

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© dpa Mehr Geld: Robert Harting will mit seinem Sport besser verdienen

Wenn Robert Harting Schwung entwickelt, geht es rund. Zuletzt am Dienstagmorgen auf Kreta. Da hatte sich der Olympiasieger im Diskuswerfen den Deutschen Olympischen Sportbund vorgenommen und ganz besonders dessen Präsidenten Thomas Bach. „Mir geht es auf den Senkel, dass es eine extreme Diskrepanz zwischen Ausführern und Entscheidern gibt“, sagte er und meinte wohl Sportler und Funktionäre.

„Die Versickerung, die Verteilung des Geldes ist undurchsichtig.“ Harting bezeichnete Bach als „selbstgefällig und einfach blass“, weil dieser als Ziel der Sportförderung nicht die Finanzierung der Athleten sehe, sondern die duale Karriere, die Vereinbarung von Sport und Ausbildung. Und weil er seine Organisation nicht primär dafür verantwortliche sehe, dass die Athleten Geld verdienten.

Über Harting, der sich zurzeit gemeinsam mit anderen Spitzenathleten auf Einladung des Robinson-Klubs auf Kreta erholt, spannte sich ein azurblauer Himmel. Auf einem Podium diskutierten vier Olympiasieger über die Frage, ob ihre Bezahlung ihren Leistungen für die Gesellschaft entspricht. Deutsche Spitzensportler werden von der Stiftung Deutsche Sporthilfe gefördert. Der DOSB, der die Sport-Fördermittel des Staates weitergibt, unterstützt die Sporthilfe mit 1,2 Millionen Euro jährlich.

Kann man eine Sportkarriere neben der Berufsausbildung wagen, wenn man nur mit 626 Euro Förderung rechnen kann? Harting meinte: Nein. „Wenn du zwanzig bist, musst du dich entscheiden. Entweder Sport oder Bildung. Beides gemeinsam geht nicht. Viele entscheiden sich für Bildung, weil die Gesellschaft einen furchtbaren Druck ausübt.“ Allerdings ist Harting Sportsoldat der Sportfördergruppe der Bundeswehr und studiert in Berlin Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation.

Harting attackiert DOSB: Selbstgefällig und blass

Michael Ilgner, der Vorstandsvorsitzende der Sporthilfe, hob die Leistung der Spitzensportler für ihr Land hervor. Er zitierte Umfragen, nach denen zwei Drittel der Deutschen glücklich seien, wenn ihre Landsleute sportliche Erfolge hätten. Trotzdem müsse der Sportler das Risiko seiner Entscheidung für den Sport alleine tragen: „Erfolg wird sozialisiert, das Risiko aber ist individualisiert.“

Trotz allem liegen nicht alle Spitzensportler auf der Harting-Linie. Kanu-Olympiasiegerin Franziska Weber erklärte, warum sie auf die Karte Sport setze. „Weil es meine Leidenschaft ist. Ich mache das mit Freude, aber ich habe auch Existenzängste“, sagte die 23 Jahre alte Potsdamerin. „Wenn ich keine Erfolge habe, falle ich in ein tiefes Loch. Und neue Trainingsmethoden zwischen zwei Olympischen Spielen kann ich nicht ausprobieren, weil der Zeitverlust bei einem Scheitern zu groß wäre.“

Wer glaubt, ein Olympiasieg wäre ein Freifahrtschein in eine sorgenfreie berufliche Zukunft, täuscht sich. „Ich habe am Anfang fünfzig Euro von der Sporthilfe bekommen. Das war ein schönes Zubrot zum Taschengeld“, sagte Kristof Wilke. Der Ruderer, 27 Jahre alt, ist ein Großer seines Sports. Er ist Schlagmann des deutschen Achters. „Doch wenn wir ehrlich sind, kennt keiner die anderen Ruderer, die im Achter sitzen.“ Wilke kommen die 15.000 Euro Prämie für den Olympiasieg auf dem Dorney Lake gerade recht. „Damit kann ich die nächsten zwei Jahre mein Studium finanzieren.“

Sporthilfe-Chef Ilgner findet Wilkes Haltung bemerkenswert. „Kristof nimmt sein Schicksal selbst in die Hand.“ So wie auch die Olympiasieger im Beachvolleyball, Julius Brink und Jonas Reckermann. „Meine Studienordnung hält sich nicht an olympische Zyklen“, sagte Reckermann. „Deshalb muss ich im Dezember mein Examen machen.“ Mit 33 Jahren.

Als zukünftiger Lehrer „werde ich schon irgendetwas finden“. Als Beachvolleyballprofi geht es ihm und seinem Partner viel besser als den meisten anderen, die sich derzeit auf Kreta der Zerstreuung hingeben. Existenzangst? „Habe ich nicht.“ Vom Verband hat sich das Londoner Gold-Duo schon lange losgesagt und ihm die Vermarktungsrechte abgekauft.

„Wir haben es geschafft“, sagt Reckermann. „Aber was ist mit all den anderen? Da sieht es übel und mau aus, denn das Studium ist brutal. Als Leistungssportler gehen dir diverse Jahre flöten.“ Auch deshalb hat die Sporthilfe das Ziel, „verlässlicher und perspektivischer zu fördern“, wie der ehemalige Wasserballspieler Ilgner betont. Als weiteren Baustein nennt er das Deutsche Bank Sportstipendium von 300 Euro monatlich.

Harting blieb bei seiner aggressiven Linie. Er forderte, „dass auch der DOSB mal was schaffen kann. Die Kanalisierung der Gelder ist entscheidend.“ Das Modell jenseits des Kanals, wo in England Unternehmen den Sport unterstützen, findet Harting ausgezeichnet. „Wir in Deutschland sind da noch zu träge“, glaubt er. Auch vom Staat fordert er mehr. 2013 will sich der Bund die gesamte Sportförderung 200 Millionen Euro kosten lassen.

„Das Berliner Stadtschloss kostet 550 Millionen Euro“, sagt Harting. „Aber wir im Sport haben nicht einmal ein halbes Haus zur Verfügung. Das ist so, als wenn du ins Wohnzimmer kommst, und hinter dir ist die Küche weg.“ DOSB-Generaldirektor Michael Vesper reagierte in Frankfurt besonnen auf Hartings temperamentvolle Äußerungen. Die Athletenkommission, sagte er, habe die duale Karriere zu einem ihrer wichtigsten Anliegen gemacht.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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