26.07.2011 · Aus Furcht vor Randalen wollte keine Stadt ihr Erstligastadion für das Spiel hergeben: Nun spielen die Frankfurter in einer Bezirkssportanlage. Die Fans möchte man in Zukunft haftbar machen.
Von Marc HeinrichFür Armin Veh war es in doppelter Hinsicht eine Premiere: Wann immer sich der 50 Jahre alte Coach beim ersten Heimspiel der Eintracht kopfschüttelnd umsah, weil ihm der unansehnliche Auftritt seiner Elf beim 1:1 gegen den FC St. Pauli nicht behagte, blickte er in ein Stadion, das nur zu einem Drittel gefüllt war. 14.000 Eintrittskarten durften die Frankfurter auf Anordnung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an ihre Anhänger verkaufen. Insgesamt verfolgten 16.500 Zuschauer am Montagabend das Kräftemessen der beiden Aufstiegsaspiranten in der zweiten Liga.
Mit einem sogenannten „Teilausschluss“ hatte das DFB-Sportgericht die Eintracht für Ausschreitungen ihrer Anhänger beim 0:2 gegen Köln am vorletzten Bundesliga-Spieltag bestraft. „Es war das erste Mal, dass ich ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatte“, kommentierte Veh die ungewöhnliche Atmosphäre: „Ein Heimvorteil war es sicher nicht. Zum Fußball gehören Zuschauer dazu, ohne sie macht es weniger Spaß.“ Der Trainer sprach sich für ein hartes Durchgreifen gegen die auf rund 150 Mitglieder geschätzte Gruppe an Gewalttätern im eigenen Fanlager aus. Wiederholte Verfehlungen von Eintracht-Sympathisanten, die sich zum Abschluss der vergangenen Runde auf einem Plakat als „Deutscher Randale-Meister“ brüsteten, haben den Ruf des Traditionsklubs beschädigt.
„Dieser Slogan schadet uns in fünf Jahren noch“, mutmaßte Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende. „Neben dem Imageverlust entstehen uns auch finanzielle Nachteile.“ Den Einnahmeausfall wegen der leeren Plätze in der 51.500 Besucher fassenden WM-Arena bezifferte er auf 300.000 Euro - Geld, das für benötigte Verstärkungen nicht zur Verfügung steht. „Die Leute, die für Randale verantwortlich sind, dürfen nicht mehr ins Stadion gelassen werden“, sagte Veh, „der Grund, dass so ein Spiel wie gegen St. Pauli nicht vor größerer Kulisse stattfinden darf, muss beseitigt werden. Dafür müssen wir alle die reinlassen können, die friedlich Fußball schauen möchten.“
Zuletzt hatte die Eintracht, um weiteres Unheil abzuwenden, eine „Liste der Selbstverständlichkeiten“ mit acht Positionen zum Verhalten sowie Sanktionen bei Nichteinhalten der Forderungen veröffentlicht. In dem Benimmkatalog „ist deutlich aufgeführt, was wir nicht mehr akzeptieren werden. Dazu gehört auch, dass die Leute haftbar gemacht werden“, sagte Bruchhagen, der seinen Verein an diesem Samstag vor der nächsten Bewährungsprobe sieht. Das Pokalspiel beim viertklassigen FC aus Halle an der Saale muss aus Sicherheitsgründen auf einer kleinen Bezirkssportanlage stattfinden, nachdem elf Städte, darunter Wolfsburg und Nürnberg, ihre Erstligastadien aus Angst vor Krawall nicht zur Verfügung gestellt hatten. An Frankfurter Fans wurden für das Erstrundenduell gerade 280 Tickets verkauft, viel mehr wollen aber live dabei sein: „Alle nach Halle - mit oder ohne Karte“, heißt ein Aufruf im Internet. Die Polizei spricht von einem „Risikospiel“, zumal ihr Hinweise vorliegen, dass das Ereignis von Scharfmachern in beiden Lagern sowie Hooligans aus Leipzig zu Auseinandersetzungen genutzt werden könnte.