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Ringen : Wo Stäbler ringt, da ist der Titel

Plötzlicher Druckabfall: Die Ringer des SVG Weingarten bejubeln Frank Stäblers entscheidenden Punktgewinn. Bild: Marion Stein

Weltmeister Frank Stäbler sichert Germania Weingarten die deutsche Meisterschaft im Ringen. Dank einiger Regeländerungen könnten sich zudem neue olympische Perspektiven ergeben.

          Am Ende hatten sie Frank Stäbler dann doch auf Schultern. Der einzige deutsche Weltmeister im Ringen konnte sich einfach nicht mehr wehren gegen die in seinem Sport eigentlich mit der schwersten Niederlage verbundenen Lage auf dem Rücken. Die Übermacht von rund 1000 Kilogramm war zu viel für den 75-Kilogramm-Ringer. Denn es war die gesamte Mannschaft von Germania Weingarten, die sich am Samstagabend im Siegesjubel nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft auf ihn stürzte und auf Schultern zwang, nachdem Stäbler den nötigen letzten Punkt gesichert hatte.

          Ein hart erkämpfter 3:2-Sieg gegen Aleksandar Maksimovic bescherte Weingarten in der Addition aus Hin- und Rückkampf einen Vorsprung, der vom KSV Ispringen nicht mehr eingeholt werden konnte. Am Ende gewann Ispringen zwar den Rückkampf vor gut 2000 Zuschauern in der Pforzheimer Bertha-Benz-Halle 13:11, der 13:9-Hinkampfsieg reichte aber für Weingarten. Stäbler, der als Griechisch-Römisch-Spezialist in der 75-Kilogramm-Klasse in der Bundesliga im Rückkampf stets im vorletzten von zehn Duellen auf die Matte geht, musste seinen Kampf im Bewusstsein bestreiten, dass eine Niederlage Ispringen das Tor zur Meisterschaft weit geöffnet hätte. „Diese Drucksituationen ist man als 75-Kilogramm-Ringer gewohnt und sie haben mir in den vergangenen Jahren mentale Stärke verliehen“, sagte Stäbler.

          Am Samstag musste er gegen einen Angstgegner gewinnen, den er schon im EM-Finale von 2012 nur denkbar knapp in quasi allerletzter Sekunde mit einem sogenannten Eichhörnchensprung bezwungen hatte. Der Serbe Maksimovic ärgerte Stäbler mit vielen Fingerhakeleien, die sauberes Ringen erschweren und zudem vom Kampfrichter kaum eindeutig zu sanktionieren sind. Er zeigte zudem aber auch das Weltklasseformat, um Stäbler nach dessen Aushebeversuch in der ersten Halbzeit des Kampfes so auszukontern, dass der Deutsche in einer gefährlichen Lage beinahe auf Schultern gelandet wäre. „Das hat er gut gemacht, ich habe mich aber auch noch gut aus der Situation gerettet“, sagte Stäbler, der nach einer Platzwunde an der Augenbraue blutverschmiert und mit einem Kopfverband aus dem Kampf ging.

          Mit einer Überraschungsaktion, als er um seinen defensiv agierenden, tief gebückten Gegner herumsprang und ihn mit einem Klammergriff zu Boden zwang, gewann Stäbler letztlich nach Rückstand, und so bewahrheitete sich eine Aussage von Weingartens Trainer Frank Heinzelbecker aus dem letzten Frühjahr. „Wo Frank Stäbler ringt, da ist der Titel“, sagte Heinzelbecker, nachdem der Wechsel vom zuvor dreimal in Serie erfolgreichen ASV Nendingen nach Weingarten besiegelt war. Viermal in Serie gehörte der 27 Jahre alte derzeit beste und auch bestbezahlte Profi in diesem Sport nun dem Meisterteam an, was nach Stäblers eigener Recherche seit den Zeiten des damaligen Serienmeisters Heros Dortmund in den fünfziger Jahren keinem deutschen Ringer mehr gelungen sein soll.

          Noch keine Einigung zwischen den Topvereinen und dem Ringer-Bund

          Ob Stäbler auch in der kommenden Saison seine Klasse in Weingarten beweisen kann, ist derweil weiter ungewiss. Es ist weiterhin keine Einigung zwischen den Topvereinen und dem Deutschen Ringer-Bund in Sicht. Der DRB hat die neue Bundesliga ohne seinen Meister geplant, der Verein will mit anderen Topklubs in der Deutschen Ringer-Liga (DRL) ringen. Dies will der DRB mit Sanktionen unterbinden.

          Stäbler, dem im Fall eines Antretens in der DRL eine internationale Sperre droht, lässt sich Zeit mit der Entscheidung, wie es für ihn sportlich weitergeht. Er hofft noch immer auf eine Einigung beider Seiten, sonst müsste der bestbezahlte deutsche Bundesligaringer vermutlich auch Einbußen in Kauf nehmen bei seinen Einnahmen aus dem Mannschaftsringen, die dem nahezu voll als Fachinformatiker berufstätigen Sportler eigene Trainingslager ermöglichen.

          Der Fokus ist indes schon jetzt vor allem auf die nächsten Olympischen Spiele gerichtet. Nachdem er in Rio de Janeiro verletzt und deshalb chancenlos angetreten war, öffnen sich ihm nun offenbar beste Perspektiven auf dem Weg zur ersehnten Goldmedaille in Tokio 2020. In den Katakomben verriet ihm Antonio Silvestri, der deutsche Chef der Kampfrichterkommission des Internationalen Ringerverbands UWW, dass sich zwei Regeln vermutlich zu Gunsten Stäblers verändern sollen: Der international testweise abgeschaffte Bodenkampf soll eine leicht veränderte Renaissance erfahren. Zudem sollen künftig die Weltturniere an zwei Tagen mit Wiegeterminen kurz vor dem Wettbewerb ausgerungen werden. Da auch noch seine internationale Gewichtsklasse von 66 Kilogramm zu 70 verschoben werden soll, könnte sich das für Stäbler von Jahr zu Jahr beschwerlichere Gewichtmachen erübrigen.

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