http://www.faz.net/-gtl-76zt3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.02.2013, 12:32 Uhr

Ringen im Mittelalter „Greife ihn an seinen Hals“

Ringer-Trainer Albrecht Dürer rät: „Greife ihn an seinen Hals beim rechten Ohr, und ziehe ihn herunter und hüte dich, dass er dir kein Bein stellt.“

von Albrecht Dürer
© Dürer Albrecht Dürer rät: „Greife ihn an seinen Hals“

Vieles von der Kultur der Antike ist im rauen Mittelalter verloren gegangen. Die Griechen, schreibt Christopher Miller in seiner Abhandlung „Unterwerfungskampf und die Regeln des antiken griechischen Ringens“, waren ihrer Zeit weit voraus. Sie ließen schon Frauen ringen. Und sie hatten den Vorteil der Ringer-Ausbildung für alle anderen körperlichen Aktivitäten erkannt: als Ausgleich für eine menschliche Schwäche angesichts des hohen Schwerpunktes schnell fallen zu können. Miller schreibt: „Ob beim Jagen, Arbeiten, Reiten, im Kampf, beim Laufen, Gewichtheben, auf einem Bein stehen zu können, ohne hinzufallen, ist der Schlüssel.“ Weil die Verletzungsgefahr hoch ist, weil ein Sturz auf den Kopf fatale Folgen haben kann. Beim Ringen, so Millers Schlussfolgerung, entwickelt der Athlet nicht nur ein für das Leben nützliches Balancegefühl - angeblich gehen die Ringer etwas breitbeiniger. Nein, er lernt im Kampf auch, die unvermeidlichen Stürze abzufangen.

Ob sich Albrecht Dürer (1471 bis 1528) deshalb um die Kunst des Ringens verdient machte? Der große Zeichner hat neben den Fechtern auch den Ringern ein Trainingsbuch geschrieben, es mit 119 Ringerpaaren illustriert und jeden Griff akribisch kommentiert, vor Fehlern gewarnt: Zu Figur 13a (siehe Abbildung) schreibt Dürer:

„13. Übung: Wenn dich einer mit den Armen überfallen und umwerfen (nach dem fuss) will, dann halte das Gleichgewicht, und drücke (dauch) ihn von dir weg mit den Armen. So er dich dann also von sich stößt, so greife ihn mit der rechten Hand an seinen Hals beim rechten Ohr, und ziehe ihn herunter wie es hier gemalt ist und hüte dich, dass er dir kein Bein stellt (hint tret) und dass du seinen Kopf nicht loslässt.“

Mehr zum Thema

Aus: Albrecht Dürer „Die Ringkunst des Deutschen Mittelalters“, mit 119 Ringerpaaren, herausgegeben von Karl Wassmannsdorff, Leipzig, Verlag Briber, 1870.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Referendum AfD gibt Merkel die Schuld am Brexit

Kanzlerin Merkel soll die Briten aus der EU getrieben haben, sagt AfD-Vize Gauland. Er macht die Politik der Bundesregierung für den Brexit verantwortlich. Will die Partei jetzt einen Dexit vorantreiben? Mehr

24.06.2016, 11:11 Uhr | Aktuell
Kalifornien Heikles Terrain für Donald Trump

Im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf stehen am Dienstag Vorwahlen in sechs Bundesstaaten an, darunter Kalifornien. Zwar hat Donald Trump im Ringen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bereits alle anderen Rivalen aus dem Feld geschlagen. Doch der bevölkerungsreichste Bundesstaat dürfte sich für den Immobilien-Milliardär als schwieriges Terrain erweisen. Mehr

04.06.2016, 17:29 Uhr | Politik
Olympia-Ausschluss Der Professor hat den Schwarzen Peter

Vor kurzem stand IAAF-Präsident Coe das Wasser noch bis zum Hals, jetzt gilt er in der Russen-Frage als Kämpfer für Gerechtigkeit. IOC-Chef Bach steht dafür als Verhinderer da. Mehr Von Evi Simeoni

25.06.2016, 18:08 Uhr | Sport
Onbashira-Festival in Japan Lebensgefährlicher Ritt auf dem Baumstamm

Beim traditionsreichen Onbashira-Festival in Japan riskieren die Teilnehmer Leib und Leben: Tausende Männer stürzen sich auf riesigen Baumstämmen einen Hügel hinunter. Ein Stamm kann bis zu zehn Tonnen auf die Waage bringen. Immer wieder fallen Baumreiter herunter. Mehr

01.06.2016, 10:14 Uhr | Gesellschaft
Deutsche Mannschaft Die mühsame Suche nach Lösungen

Die beste Bilanz an einem Abend des zähen Ringens liefert die weltmeisterliche Innenverteidigung mit Boateng und Hummels. Doch offensiv fehlt der Mannschaft Esprit und der richtige Zug zum Tor. Mehr Von Roland Zorn, Saint-Denis

17.06.2016, 07:27 Uhr | Sport

Die Formel für ein Müller-Tor

Von Moritz Rinke

Todesbäume, Überlebensbäume – die K.O.-Runde ist gekennzeichnet von allerlei kuriosen Erscheinungen. Man fragt sich: Geht es vielleicht noch komplizierter? Ja, es geht. Mit der Müller-Formel. Mehr 0