Home
http://www.faz.net/-gtl-76zt3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Ringen im Mittelalter „Greife ihn an seinen Hals“

Ringer-Trainer Albrecht Dürer rät: „Greife ihn an seinen Hals beim rechten Ohr, und ziehe ihn herunter und hüte dich, dass er dir kein Bein stellt.“

© Dürer Albrecht Dürer rät: „Greife ihn an seinen Hals“

Vieles von der Kultur der Antike ist im rauen Mittelalter verloren gegangen. Die Griechen, schreibt Christopher Miller in seiner Abhandlung „Unterwerfungskampf und die Regeln des antiken griechischen Ringens“, waren ihrer Zeit weit voraus. Sie ließen schon Frauen ringen. Und sie hatten den Vorteil der Ringer-Ausbildung für alle anderen körperlichen Aktivitäten erkannt: als Ausgleich für eine menschliche Schwäche angesichts des hohen Schwerpunktes schnell fallen zu können. Miller schreibt: „Ob beim Jagen, Arbeiten, Reiten, im Kampf, beim Laufen, Gewichtheben, auf einem Bein stehen zu können, ohne hinzufallen, ist der Schlüssel.“ Weil die Verletzungsgefahr hoch ist, weil ein Sturz auf den Kopf fatale Folgen haben kann. Beim Ringen, so Millers Schlussfolgerung, entwickelt der Athlet nicht nur ein für das Leben nützliches Balancegefühl - angeblich gehen die Ringer etwas breitbeiniger. Nein, er lernt im Kampf auch, die unvermeidlichen Stürze abzufangen.

Ob sich Albrecht Dürer (1471 bis 1528) deshalb um die Kunst des Ringens verdient machte? Der große Zeichner hat neben den Fechtern auch den Ringern ein Trainingsbuch geschrieben, es mit 119 Ringerpaaren illustriert und jeden Griff akribisch kommentiert, vor Fehlern gewarnt: Zu Figur 13a (siehe Abbildung) schreibt Dürer:

„13. Übung: Wenn dich einer mit den Armen überfallen und umwerfen (nach dem fuss) will, dann halte das Gleichgewicht, und drücke (dauch) ihn von dir weg mit den Armen. So er dich dann also von sich stößt, so greife ihn mit der rechten Hand an seinen Hals beim rechten Ohr, und ziehe ihn herunter wie es hier gemalt ist und hüte dich, dass er dir kein Bein stellt (hint tret) und dass du seinen Kopf nicht loslässt.“

Mehr zum Thema

Aus: Albrecht Dürer „Die Ringkunst des Deutschen Mittelalters“, mit 119 Ringerpaaren, herausgegeben von Karl Wassmannsdorff, Leipzig, Verlag Briber, 1870.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Komapatienten Bitte wach auf!

Nach einem Herzstillstand liegt der Bruder im Koma. Keine Bewegung seines Körpers mehr und kein Wort mehr aus seinem Mund. Die Ärzte fragen nach einer Patientenverfügung, dann passiert etwas sehr Seltenes. Mehr Von Astrid Ludwig

23.06.2015, 19:52 Uhr | Gesellschaft
Kampf um Anerkennung Sumo-Ringerinnen erobern Japan

Sumo ist in Japan traditionell eine Domäne der Männer - doch immer mehr Frauen wagen sich an die Kunst des Ringens. Mehr

07.02.2015, 17:51 Uhr | Sport
Gerangel um die Zukunft Anlegerschützer raten Prokon-Gläubigern zum Verkauf an EnBW

Das Gerangel um die Zukunft des insolventen Windkraftkonzerns Prokon ist in vollem Gang. Nun haben sich die Anlegerschützer der DSW auf die Seite von EnBW geschlagen. Mehr

22.06.2015, 15:56 Uhr | Finanzen
Kinotrailer Foxcatcher

In Bennett Millers Film Foxcatcher trainieren Channing Tatum, Mark Ruffalo und Steve Carell für Gold beim Ringen. Mehr

05.02.2015, 09:53 Uhr | Sport
Sambo Die verrückteste Sportart der Europaspiele

Eine Mischung aus Ringen, Judo und Jiu Jitsu: Sambo ist die exotischste Erscheinung bei den Europaspielen in Baku – und vor allem in Osteuropa beliebt. Ein prominenter Fan aus Russland fordert gar, dass der Kampfsport olympisch wird. Mehr

22.06.2015, 14:07 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.02.2013, 12:32 Uhr

Silvia Neid sollte dankbar sein

Von Daniel Meuren, Edmonton

Schlechte Ergebnisse werden öffentlich schön geredet, intern nicht wirklich diskutiert. Das Klima bei den DFB-Frauen fördert die Leistung nicht. Silvia Neid sollte mit der Kritik konstruktiv umgehen – und etwas wagen. Mehr 12 16