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Reitsport-Kommentar Mut zur Verantwortung

01.07.2009 ·  Wie der Radsport hat auch der Reitsport seit Dopingproblem. Die Chancen auf Selbstreinigung stehen jedoch besser, wenn die Reiter sich ihrer Verantwortung stellen.

Von Evi Simeoni
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Was haben der Radsport und der Reitsport gemeinsam? Mehr als den Anfangsbuchstaben jedenfalls. Die Fahrer auf ihren Drahteseln und die Reiter auf ihren Vierbeinern werden in diesen Tagen immer häufiger in einem Atemzug genannt. Zwei olympische Sportarten, die massive Doping-Probleme haben. Die einen starten demnächst wieder unter dem kritischen Blick der Öffentlichkeit zur Tour de France. Die anderen müssen sich gerade an einer ihrer größten Kultstätten, der Aachener Soers, unter die Lupe nehmen lassen. Harte Zeiten – für beide Disziplinen.

Allerdings gibt es auch erhebliche Unterschiede. Zum Beispiel, was den Umgang der beiden deutschen Verbände mit dem existenzbedrohenden Hang zum Betrug angeht. Wenn sie wollten, könnten die Radfahrer von den Reitern lernen, dass nur Vergangenheitsbewältigung und Aufklärung eine Chance auf einen Neuanfang bieten. Allerdings haben die Reiter auch eine noch größere moralische Verpflichtung, in ihren Ställen für Ordnung zu sorgen, denn es gibt einen weiteren gravierenden Unterschied: das Täter-Opfer-Prinzip. Im Radsport können sich Doping-Sünder mit einer gewissen Glaubwürdigkeit auf den Systemzwang berufen, auf Teamchefs, Geldgeber, Trainer und die Unmöglichkeit, ohne Manipulation Erfolg zu haben. Im Pferdesport geht das nicht. Die Reiter bestimmen, ob ein Pferd mit unerlaubten Mitteln manipuliert wird, ob es Betäubungsspritzen bekommt oder Schmerzen erleiden muss, um seinem Besitzer Ruhm und Geld zu verschaffen, zwei Dinge also, die nur nach menschlichen Maßstäben wertvoll sind.

Hoffnung auf Selbstbesinnung

Darum kann der Reiter seine Verantwortung nicht delegieren. Es hat wenig Sinn, einen Tierarzt für das Desaster verantwortlich zu machen, das eine positive Doping-Probe nach sich zieht. Denn erstens liegt es in der Macht des Reiters zu entscheiden, welchen Veterinär er beschäftigt. Und zweitens bestimmt er auch, welche Behandlung sein Pferd bekommt. „Es gehören immer zwei dazu“, sagt zum Beispiel Otto Becker, der Bundestrainer der Springreiter. Was seinen privaten Turnierstall angeht, wird er, wie viele andere Top-Reiter, weiter mit Hans Stihl zusammenarbeiten, dem Schweizer Veterinär, der Isabell Werths Pferd Whisper die Spritze mit einem Psychopharmakon gegeben hat.

Stihl habe zwar einen großen Fehler gemacht, aber Becker ist überzeugt: „Ein Tierarzt macht nichts ohne das Einverständnis des Reiters.“ Es gibt also keine Möglichkeit für einen reitenden Doper, sich der Verantwortung zu entziehen. Darum ist der Absturz, den Isabell Werth gerade erlebt, so dramatisch. Darum ist aber auch die Hoffnung auf eine Selbstbesinnung bei den Reitern nicht ganz so utopisch wie bei den Radfahrern.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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