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Real Madrid Ausgeschieden, aber rehabilitiert

Mal wieder ist Reald Madrid an Barcelona gescheitert. Erstmals aber zwangen die Hauptstädter die Katalanen in ein offenes Spiel. Das tröstet über das Pokal-Aus wenigstens teilweise hinweg.

© dapd Vergrößern Gut gespielt, aber wieder an Barcelona gescheitert: Özil und Ronaldo (r.)

Besser als der Gegner und dennoch ausgeschieden: Das ist für Real Madrid die Bilanz nach einem dramatischen 2:2 im Camp Nou gegen den FC Barcelona, der mit zittrigen Beinen und einem gehörigen Schrecken in das Halbfinale des spanischen Vereinspokals „Copa del Rey“ einzog. Alle Warnungen des Barça-Trainers Pep Guardiola, den Gegner nach dem souveränen 2:1-Hinspiel-Sieg vor einer Woche im Bernabéu-Stadion nicht zu unterschätzen, blieben fruchtlos.

Fahrig und mit einem Hühnerhaufen als Abwehrblock begannen die Katalanen das Spiel und luden eine hochmotivierte Mourinho-Truppe zur Attacke ein. Nach kaum einer Minute vergab Higuaín die Riesenchance zur Madrider Führung, nachdem Piqué ihm den Ball freundlich in den Lauf gelegt hatte. Barças Innenverteidiger war der schwächste Akteur des Abends. Der beste hieß Mesut Özil. Mit starken Dribblings, genauen Pässen und phänomenaler Spielvision beherrschte er das Mittelfeld, das normalerweise von Xavi, Iniesta und Busquets kontrolliert wird.

Pedro feiert mit den Fans dir Führung für Barcelona © dapd Vergrößern Pedro feiert mit den Fans dir Führung für Barcelona

Dass Barças Fußball-Rondo leere Kunst blieb, hatte mehrere Ursachen. Es war alles zu gemächlich, fast spekulativ, was die Hausherren vor 95.000 Zuschauern unternahmen. Fàbregas blieb so blass wie im Hinspiel. Als Iniesta in der 29. Minute verletzt ausschied, sank die Betriebstemperatur noch weiter. Özil und Kaká, die nicht oft zusammenspielen dürfen, setzten die Akzente in einer Partie, die für Real den Charakter einer Wiedergutmachung annahm.

Vorstopper Pepe, mit „Mörder“-Sprechchören bedacht und bei jeder Ballberührung ausgepfiffen, brauchte sich diesmal nur um Abwehraufgaben zu kümmern. Und zum erstenmal in den letzten zehn „clásicos“ zeigte sich, dass diese fiebrigen Duelle völlig offen sein kann, weil jedes Team genügend Mittel hat, den anderen zu schlagen.

Real unbeeindruckt

Diesmal half dem Champions-League-Sieger das Glück. Nachdem die Madrider Überlegenheit zu nichts geführt hatte und auch ein wundervoller Fernschuss von Özil nur an die Latte gekracht war, brachte ein Doppelschlag vor der Pause Barça überraschend in Führung. Erst bediente der ansonsten unauffällige Messi nach starkem Tempodribbling den freistehenden Pedro, der Casillas mit einem Flachschuss überwand (43. Minute). Dann schmetterte Dani Alves einen Abpraller vom Strafraumeck aus ins Tor. (45.). Zwei Kunsttore, die den Spielverlauf auf den Kopf stellten.

Spain Soccer Copa del Rey © dapd Vergrößern Dani Alves traf vor dem Halbzeitpfiff

Doch Real kam völlig unbeeindruckt aus der Kabine und bot in Benzema endlich seinen ballsichersten Stürmer auf. Cristiano Ronaldo erzielte nach Özil-Pass das 1:2 (68.), Benzema selbst besorgte in Weltklassemanier den Ausgleich (72.). Plötzlich hing Barças Qualifikation an einem dünnen Faden, und die Partie wurde so hitzig, wie man es inzwischen gewohnt ist.

Ein schwacher Schiedsrichter hatte daran seinen Anteil. Er verteilte seine Fehlentscheidungen auf beide Seiten – stellte Lass nicht vom Platz, als dessen Foul an Messi es erfordert hätte, übersah ein elfmeterreifes Handspiel von Busquets und ein weiteres von Messi, der schon verwarnt war und vom Platz gemusst hätte.

Spain Soccer Copa del Rey © dapd Vergrößern Iker Casillas fliegt für Real

Im Gegenzug das Übliche: Vorstopper Pepe als knochiger Aufräumer. Nicht so schlimm wie im Hinspiel, aber doch so unangenehm, dass man sich bei Real Madrid überlegen sollte, ob man diesen Chaosfaktor auf die Dauer ertragen will. Kurz vor Schluss musste Verteidiger Sergio Ramos wegen Gelb-Roter Karte vom Platz. Das Ausscheiden wird unter den Madrider Fans die Legende nähren, Barça gewinne notfalls auch mit Hilfe des Schiedsrichters, aber die wahre Botschaft lautet: Diese Real-Mannschaft kann mit dem Rivalen auf Augenhöhe spielen, wenn ihr Trainer sie nicht zur Feigheit verdonnert.

Dass José Mourinho sich diese Erfahrung zu eigen macht, darf bezweifelt werden. Nicht nur, weil er vor der Presse hochfahrend betonte, aus dem Match „nichts gelernt“ zu haben. Sondern weil dem bestbezahlten Söldner unter den Fußballtrainern die Konzessionen kaum schmecken dürften, die er seinen Spielern machen muss. Schon wird in spanischen Sportblättern orakelt, wann Mourinho die Brocken hinwerfen könnte. Seine Mannschaft hat bewiesen, dass sie auch ohne ihn weiß, was in ihr steckt.

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Quelle: FAZ

 
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