30.06.2006 · Reaktionen zu Ullrichs Suspendierung. Zusammengestellt von FAZ.NET.
Reaktionen zu Ullrichs Suspendierung. Zusammengestellt von FAZ.NET.
Thomas Bach (DOSB-Präsident und IOC-Vize): „Ich kann Jan Ullrich nur raten, aktiv an einer schnellen und lückenlosen Aufklärung mitzuwirken, bis hin zur Abgabe eines DNA-Tests. Dies wäre in seinem eigenen Interesse sowie in dem des Sports, vor allem auch des Nachwuchses und aller Fans. Nur eine lückenlose Aufklärung bietet die Chance für den notwendigen Reinigungsprozeß. Einmal mehr hat sich gezeigt, wie die Verschwörungen in kleinen Zirkeln ihren Anfang nehmen. Eine der wichtigsten Aufgaben in der Zukunft wird es sein, diese Netzwerke frühzeitig aufzubrechen oder möglichst gar nicht mehr entstehen zu lassen. Diese Aufgabe müssen sich Sport und Staat teilen. Der Sport kann den Sumpf im Umfeld der Athleten nicht allein austrocknen, dazu ist er auf die Unterstützung des Staates angewiesen.“
Arthur Tabat (Freund Jan Ullrichs und Veranstalter des Profiradrennens „Rund um Köln“): „Das ist sein Karriere-Ende. An den Vorwürfen ist sicher was dran. Jan ist ein großer Rennfahrer, der auch ohne Doping Topleistungen erbracht hat. Das Problem an der jetzigen Situation ist: dopst du nicht bei der Tour, hast Du keine Chance.“
Rudolf Scharping (Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer): „Die Entscheidung des Teams T-Mobile ist klar und konsequent. Sie macht deutlich: für einen sauberen Radsport wird gehandelt, gleich, um welchen Namen es im Einzelnen geht. Der Bund Deutscher Radfahrer unterstützt diese Linie. Denn nur ein sauberer Sport kann sich die überaus große Popularität, das Vorbild für jüngere Menschen und auch das Vertrauen der wirtschaftlichen Partner erhalten. Dieser Verantwortung müssen sich gerade populäre Sportler stellen.“
Michael Holczer (Chef Team Gerolsteiner): „Das ist ein sehr harter Schlag für den Radsport. Das geschlossene Bekenntnis für saubere Teams macht mich aber zuversichtlich, daß wir den Rückschlag überstehen werden. Wie sich das auf die deutsche Radsportszene auswirkt, da muß man abwarten, wie die Öffentlichkeit auf den Fall Jan Ullrich reagiert.“
Marcel Wüst (Ex-Radprofi): „Das ist der Hammer, diesen Tobak muß man erst einmal schlucken. Besonders schockierend ist auch, mit welchem Ausmaß offenbar manipuliert worden ist. Man muß diese Sache aber auch als Chance begreifen, schließlich macht die Tour die Stars, und nicht die Stars die Tour. Alle großen Klassement-Fahrer scheinen betroffen zu sein. Wenn die alle sauber wären, wäre die Reihenfolge im Ziel in Paris wohl dieselbe, nur die Zeit im Ziel wäre etwas langsamer. Die Tour ist sicherlich angeschlagen. Man kann nur hoffen, daß man sich ab Samstag rein aufs Sportliche konzentrieren kann. Sollten sich die Vorwürfe gegen Jan Bewahrheiten, denke ich, dasss eine Karriere beendet ist.“
Alejandro Valverde (Teamchef von Illes Balears): „Das ist ein großer Schlag für die Tour. Man konnte schon voraussehen, daß so etwas passieren würde. Oscar ist ein guter Freund von mir und Ullrich einer der Favoriten. Aber ich selbst bin nicht weiter beunruhigt, ich will nur, daß die Tour so schnell wie möglich beginnt und hoffe, sie wird sauber sein.“
Stephan Schreck (Erfurter Radprofi und als Nachrücker im T-Mobile-Team für Jan Ullrich nicht von der Tour-Leitung zugelassen): „Ich muß fahren, würde aber gern darauf verzichten. Die Fakten sind halt so. Ich kann mir kein Urteil in der Sache bilden. Als Mensch und Rennfahrer ist Jan für mich immer noch der große Jan Ullrich. Wie er mit mir als Helfer und Person umgegangen ist, darüber kann ich nur positiv sprechen.“
Alejandro Valverde (spanischer Radprofi, bei der Tour de France Teamchef von Illes Balears): „Dies ist ein schwerer Moment für den Radsport. Aber unser Sport ist so großartig, daß er sich nicht unterkriegen lassen wird. (...) Durch den Ausfall von Jan Ullrich wird die Tour einen ganz anderen Verlauf nehmen. Ullrich war einer der Anwärter auf den Gesamtsieg.“
Eusebio Unzue (Sportdirektor von Illes Balears): „Die Affäre hat dem Radsport eine tödliche Wunde beigebracht. Der Radsport befindet sich in höchster Not, vergleichbar mit der Lage eines Schiffs, das SOS funkt. (...) Wir müssen akzeptieren, daß der Elite-Sport nicht Gesundheit bedeutet und an der Grenze dessen lebt, was die Gesetze zulassen. (...) Wir alle sind schuldig und mehr oder weniger für die Lage mitverantwortlich. Wir müssen jetzt wieder bei Null anfangen.“
Bjarne Riis (Chef des dänischen CSC-Teams, früherer Teamkollege von Ullrich): „Das ist natürlich eine traurige Nachricht.“
Roland Augustin (Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA): „Ich bin doch relativ geschockt, das sage ich ganz ehrlich. Und ich finde das Vorgehen der Team-Leitung exzellent, nicht zu mauern, sondern sofort zu sagen: Wir suspendieren unseren Siegfahrer, wir lassen Denjenigen nicht fahren, der für uns die Tour gewinnen sollte. Durch diesen jüngsten Fall wird die Diskussion um den Anti-Dopingkampf in Deutschland erst so richtig beginnen.“
Jürgen Kindervater (bis 2002 Telekom-Konzernsprecher und 1992 Mit-Initiator des Teams Telekom): „Ich bin erschrocken. Walter Godefroot war für Jan Ullrich der ideale Begleiter, aber daß mit Rudy Pevenage ein sportlicher Leiter neben dem sportlichen Leiter zugelassen wurde, wäre in meiner Ära unvorstellbar gewesen.“
Theo Zwanziger (Geschäftsführender DFB-Präsident): „Für mich ist das, auch wenn im Moment die Fußball-WM läuft, eine sehr traurige Nachricht. Es wäre ein schwerer Schlag im Kampf gegen einen dopingfreien Sport, wenn ein solches Idol damit in Verbindung gebracht wird. Leider ist es in Ausdauersportarten immer wieder mal der Fall, daß Leute meinen, sie müssen so ihre Leistung steigern. Da kommt aber oft auch ein Druck aus dem Umfeld dazu.“
Peter Becker (Früherer Coach Ullrich): „Das wäre natürlich für Jan eine fürchterliche Niederlage. Ich bin im Moment sehr aufgelöst, aufgebracht und unglaublich traurig. Es ist unglaublich, 15 Jahre hat man hart gearbeitet, da finde ich keine Worte mehr, das ist eine Katastrophe. Da hat man eine Höhenkammer für 120.000 Euro im Keller, damit kann man alles auf saubere Art und Weise erreichen, und trotzdem fällt er diesen Strolchen und Betrügern in die Hände. Wer hat ihn beraten, wer hat ihn betreut, seit ich nicht mehr bei ihm bin? Er ist eigentlich alt genug, um zu wissen, wem er sich anvertraut. Ich möchte es einfach noch nicht glauben, es ist unfaßbar.“
Georg Totschnig (Gerolsteiner-Profi und Tour-Starter): „Im ersten Moment bin ich geschockt gewesen. Das ist für den Radsport ein riesiges Problem. Daß Fahrer heim geschickt werden, ist konsequent und bestätigt die harte Anti-Doping-Regelung. Das ist das Einzige, das dem Radsport helfen kann. Es ist gut, daß keine Rücksicht auf große Namen genommen wurde.“
Riis
gisbert heimes (gisbert4)
- 30.06.2006, 16:36 Uhr
Der Klüngel geht weiter, Herr Tabat!
Christian Kellner (saitensatan)
- 03.07.2006, 14:10 Uhr