27.01.2005 · Mit Erleichterung über die schnelle Aufklärung, aber auch erschrocken über das Ausmaß des Betruges haben Funktionäre, Manager und Spieler auf das Geständnis von Schiedsrichter Hoyzer reagiert, Fußballspiele manipuliert zu haben.
Nach dem unerwarteten Geständnis von Schiedsrichter Robert Hoyzer, Fußballspiele manipuliert zu haben, fielen die Reaktionen von Funktionären, Managern und Spielern sehr unterschiedlich aus.
Volker Roth (Vorsitzender Schiedsrichter-Ausschuß im Deutschen Fußball-Bund): „Das ist unverzeihlich. Hier wurden ideelle Werte verraten und verkauft, das ist unentschuldbar. Dieser ganze Vorgang geht mir unglaublich nahe.“
Rudi Assauer (Manager Schalke 04): „Wenn der Schnee geschmolzen ist, siehst du, wo die Kacke liegt. Das ist ein Schlag ins Gesicht für den deutschen Fußball. Das ist die größte Sauerei. Ich kann nicht auf ein Ergebnis wetten und dann ein Spiel leiten. Das ist kriminell. Da mußt du diese Energie schon haben. Ich kann mir nicht vorstellen, daß so etwas in der Bundesliga möglich ist. Aber ich konnte mir auch nicht vorstellen, daß es in der 2. Liga passieren könnte. Dieser Fall ist genau das, was vor der WM im eigenen Land nicht passieren durfte.“
Hellmut Krug (DFB-Abteilungsleiter Schiedsrichter): „Wir sind alle froh und natürlich sehr erleichtert, daß Hoyzer gestanden haben soll. Je früher dieser Fall geklärt wird, desto besser ist es.“
Dietmar Beiersdorfer (Sportchef Hamburger SV): „Wir sind ganz offensichtlich betrogen worden. Wir wollen, daß unser Recht gewahrt bleibt. Wir wollen eine gewisse Art von Kompensation erfahren. Die Sache muß natürlich lückenlos aufgeklärt werden und ich hoffe, daß es sich um eine einmalige Sache handelt. Verband, Schiedsrichter und die Klubs müssen jetzt eng zusammenstehen. Es ist ein großer Imageschaden für den deutschen Fußball entstanden, der nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist.“
Michael Born (Geschäftsführer SC Paderborn): „Das ist mir unbegreiflich. Der Mann muß nicht ganz bei Trost sein. Da muß eine hohe kriminelle Energie vorhanden sein. Es ist gut für den Fußball, daß das so schnell rausgekommen ist. Unsere Mannschaft hat eine Erklärung unterschrieben, in der sie den Behauptungen widerspricht, Herr Hoyzer sei in der Halbzeit des Pokalspiels gegen den HSV in unserer Kabine gewesen ist und habe Aussagen getätigt, die auf Manipulation schließen ließen.“
Oliver Bierhoff (Manager der deutschen Nationalmannschaft): „Das zeigt, daß der DFB gute Arbeit geleistet hat. Er hat Druck ausgeübt und ist offensiv mit dieser unerfreulichen Geschichte umgegangen. Mit Sicherheit wird sich aus diesem Fall ein gewisser Imageschaden ergeben, vor allem im Ausland. Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß dort die Dinge oft anders rüberkommen und pauschalisiert werden. In Richtung WM 2006 befürchte ich aber keine Auswirkungen.“
Klaus Allofs (Sportdirektor Werder Bremen): „Es ist sehr bedauerlich, daß sich die Verdachtsmomente gegen Herrn Hoyzer als wahr erwiesen haben. Es ist nun sehr wichtig, daß sämtliche Hintergründe schnellstens aufgeklärt und alle Personen, die laut
Hoyzer noch in die Affäre verstrickt sind, bekannt werden.“
Matthias Sammer (Trainer VfB Stuttgart): „Das alles ist bedauerlich und sollte schnellstmöglich aufgeklärt werden. Insgesamt haben die Schiedsrichter gute Leistungen geboten und einen guten Ruf in Deutschland. Auf Dauer wird der Fußball das überstehen.“
Bernd Schultz (Vorsitzender des Berliner Fußballverbandes): „Ich bin schockiert und verstehe das nicht. Robert tut mir unendlich leid, aber so ein Verhalten ist mir unbegreiflich. Es ist natürlich gut, daß jetzt Klarheit herrscht. Es ist ein Ende mit Schrecken.“
Martin Bader (Sportdirektor 1. FC Nürnberg): „Ich bin froh, daß die Sache raus ist. Ich hoffe, daß die Geschichte nun komplett aufgeklärt wird und daß man bald wieder über Fußball und nicht über Wetten spricht. Die Vereine sind aufgefordert, daß die Glaubwürdigkeit so schnell wie möglich wieder zurückkehrt und der Imageschaden möglichst klein gehalten wird. Dabei müssen wir vor allem die Schiedsrichter unterstützen, die es durch diese unerfreuliche Geschichte ohnehin schon schwer genug haben.“
Markus Merk (Fifa-Schiedsrichter): „Es ist ganz wichtig, daß wir Schiedsrichter jetzt als Team zusammenstehen. Ich bin froh, wenn am Samstag wieder Bundesliga ist. Wir haben solch schwere Tage noch nie erlebt.“
Harald Stenger (DFB-Pressechef): „Mit Nachdruck appelliert der DFB an alle Fans, von der Bundesliga bis zur Kreisklasse, den Respekt vor den Schiedsrichtern trotz dieses Vorfalls zu bewahren. Die Unparteiischen sollten nicht beschimpft, sondern konstruktiv unterstützt werden.“
Thomas Strunz (Manager VfL Wolfsburg): „Wichtig ist, daß jetzt schnellstmöglich die gesamten Hintergründe aufgeklärt werden, damit der Fußball wieder zur Ruhe kommt und zur Normalität zurückkehrt. Die Schiedsrichter müssen in dieser Situation auch ein wenig geschützt werden. Man darf sie wegen vermeintlicher Fehlentscheidungen, die dann in der Öffentlichkeit schnell als Manipulation ausgelegt werden, nicht an den Pranger stellen.“
Kurt Gaugler (Manager Wacker Burghausen): „Wir haben am Montag beim DFB bereits offiziell Einspruch gegen die Spielwertung unserer Partie in Ahlen eingelegt. Ich gehe nun davon aus, daß das Spiel wiederholt wird. Die Entwicklung ist natürlich sehr unerfreulich. Grundsätzlich muß ich aber eine Lanze für unsere Schiedsrichter brechen.“