24.01.2005 · „Ich habe nie auf die von mir geleiteten Spiele gewettet“, wehrt sich Schiedsrichter Hoyzer, während der DFB in Frankfurt Konsequenzen berät. Eine Strafe wird es wohl nicht geben.
Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft hat als erste Strafverfolgungsbehörde Vorermittlungen gegen den unter Manipulationsverdacht stehenden Fußball-Schiedsrichter Robert Hoyzer aufgenommen. „Nach den Medienberichten prüfen wir, ob es einen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt“, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde am Montag. Eine Anzeige gebe es nicht, die Behörde prüfe den Fall von sich aus.
Hoyzer hat die Manipulationsvorwürfe gegen seine Person zurückgewiesen. „Ich habe nie auf die von mir geleiteten Spiele gewettet“, sagte der 25jährige der Bild-Zeitung. Seinen Austritt als Vereinsmitglied bei Hertha BSC Berlin sieht Hoyzer ebenfalls nicht als Schuldeingeständnis.
„Ich werde für mich kämpfen“
„Ich werde für mich kämpfen. Die Vorwürfe machen mich sehr nachdenklich, unruhig und bestürzt. Ich kann sie nicht nachvollziehen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß Schiedsrichter-Kollegen mir so etwas unterstellen“, meinte Hoyzer und fügte an: „Totgesagte leben länger.“ Er sei eigentlich ein lebenslustiger Mensch, „der gerne ausgeht. Trotz der für mich schwierigen Situation freue ich mich auf den starken Rückhalt von meiner Familie und meiner Freundin“.
Hoyzer ist in Verdacht geraten, Spiele verschoben zu haben, weil er angeblich selbst Wetten plaziert hatte. Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht die vermutete Manipulation der Partie der ersten DFB-Pokal-Runde zwischen dem Drittligisten SC Paderborn und dem Bundesligisten Hamburger SV (4:2) am 21. August 2004.
St. Pauli und Burghausen wollen wiederholen
Fußball-Regionalligist FC St. Pauli befürwortet eine Wiederholung von Meisterschaftsspielen, sollte sich der Manipulationsverdacht gegen Schiedsrichter Robert Hoyzer bestätigen. „Spiele wiederholen zu lassen, wäre ein Versuch, die Angelegenheit zumindest sportlich wieder gerade zu rücken“, sagte St. Paulis Geschäftsführer Frank Fechner am Montag.
Hoyzer hat drei Spiele des Hamburger Drittligisten gepfiffen und war dabei durch umstrittene Entscheidungen aufgefallen. Zwei Begegnungen (St. Pauli - Dresden 2:2, Braunschweig - St. Pauli 3:2) datieren aus der vergangenen Saison. „Da ist eine nachträgliche Korrektur natürlich nicht möglich“, sagte Fechner. Anders verhält es sich mit der Partie gegen den VfL Osnabrück (2:3) vom 14. August vergangenen Jahres, die durch einen fragwürdigen Elfmeter entschieden wurde. „Wichtig ist, ob es auffällig erhöhte Wetteinsätze gegeben hat“, sagte Fechner.
Auch der SV Wacker Burghausen ist auf den Plan getreten. Der von den angeblichen Manipulationen betroffene Fußball-Zweitligaclub verlangt eine lückenlose Aufklärung und eine Wiederholung des mit 0:1 gegen LR Ahlen verlorenen Punktspiels. „Wenn sich der Verdacht der Manipulation erhärtet, verlangen wir eine Neuansetzung des Spiels“, sagte Wacker-Manager Kurt Gaugler in der Münchner „Abendzeitung“, „das sind wir unseren Fans und Sponsoren schuldig, außerdem ist das kein Kavaliersdelikt, sondern ein Eklat, ein echter Skandal. Es geht hier um Existenzen, um Auf- und Abstieg.“
Manager Uli Hoeneß vom FC Bayern München hat aus den Manipulationsvorwürfen gegen Hoyzer erste
Konsequenzen gezogen und sich für ein grundsätzliches Wettverbot für die beim deutschen Fußball-Rekordmeister beschäftigten Profis ausgesprochen. Es soll laut Hoeneß auch für den Trainer und Funktionäre gelten. „Unseren Spielern, aber auch dem Trainer und uns Funktionären muß verboten werden, sich grundsätzlich an Wetten zu beteiligen. Das gilt auch für Spiele anderer Vereine. Das werden wir jetzt durchsetzen", sagte Hoeneß der Münchner „tz“. Er glaube zu wissen, meinte Hoeneß, „daß auch bei uns der eine oder andere Spieler wettet“. So eine Geschichte müsse dazu führen, „daß wir eine Grundsatzentscheidung fällen werden“.
DFL kündigt Konsequenzen an
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) kündigt Konsequenzen aus den Manipulationsvorwürfen an: Man werde einen engen Kontakt mit Buchmachern pflegen, um ähnliche Vorkommnisse zu verhindern. „Ich habe verschiedene Gespräche mit Wettanbietern geführt, um die Technik und Einbruchstellen eruieren zu können. Wir glauben, daß wir das Thema im Griff haben und werden mit Sicherheit ein Frühwarnsystem einführen. Damit können wir bei Quotenreaktionen daraus resultierend Rückschlüsse analysieren und Maßnahmen im laufenden Spielbetrieb ergreifen“, sagte Wilfried Straub, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, im Premiere-Interview.
Das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist am Mittag in Frankfurt/Main zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengekommen, um über den Fall Hoyzer zu beraten. Bei dem Treffen in der DFB-Zentrale sind 8 von 13 Präsidiumsmitgliedern vertreten, darunter die Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder und Theo Zwanziger. An der Sitzung nimmt auch der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichterausschusses, Volker Roth, teil.
DFB: Bestrafung Hoyzers so gut wie ausgeschlossen
„Wir müssen uns ein genaues Bild machen und über mögliche Konsequenzen nachdenken“, sagte Mayer-Vorfelder vor Beginn der Sitzung. Nach Ansicht des DFB-Präsidenten sei eine Bestrafung Hoyzers durch den DFB so gut wie ausgeschlossen, da sich dieser durch seinen am Wochenende erfolgten Austritt aus seinem Verein Hertha BSC der Verbandsgerichtsbarkeit entzogen hat. „Wir werden an Grenzen stoßen“, mutmaßte Mayer-Vorfelder.