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Polo : Nobel, hart - und schmutzig

Klassisch englischer Pferdesport Polo: Die Spielidee allerdings stammt aus Persien Bild:

Über Polo existieren viele Klischees. Manche stimmen, manche nicht. In Hamburg versuchen sich die besten Deutschen an der Sportart.

          Die Platzwunden in seinem Gesicht bedeuteten noch den geringsten Schmerz. Viel schlimmer waren der Armbruch, die Rippenbrüche oder der Bruch des Schlüsselbeins. Was klingt wie die Leiden eines Kampfsportlers, sind die bisherigen Verletzungen von Christopher Winter, einem der besten Polo-Spieler in Deutschland. „Es ist beinahe schon ein Vollkontakt-Sport, bei uns geht es richtig zur Sache“, sagt der Vierzigjährige. Mit Tempo sechzig galoppieren die Spieler auf ihren Pferden über die Rasenfelder, beschleunigen den kleinen Kunststoffball mit enormen Schlägen auf bis zu 150 Kilometer pro Stunde, sie drängen den Gegner immer wieder ab und denken vor allem an das nächste Tor. Das amerikanische Magazin „Sports Illustrated“ führt Polo in der Liste der gefährlichsten Sportarten auf Platz zwei - direkt hinter der Formel 1.

          Es ist einer der ersten Herbsttage des Jahres in Hamburg, es ist kalt und nass, und trotzdem sind wieder viele zum Training nach Osdorf gekommen. Sie tragen Helme mit Gesichtsschutz, haben sich Protektoren um die Knie und Ellbogen geschnallt, und auch die Beine der Pferde wurden bandagiert. „Du darfst einfach keine Angst haben“, sagt Christopher Winter. Und dann reiten sie los, vier in jeder Mannschaft, und spielen auf unbewachte Tore. Polo ist ein Angriffsspiel, das macht es so rasant und gefährlich. Vor zehn Jahren hat sein Bruder Thomas die Polo-Schule im Westen der Hansestadt gegründet, der Zweiundvierzigjährige ist der beste Spieler der Republik, niemand lässt es hierzulande harmonischer aussehen, wenn er auf dem Pferderücken Jagd auf den weißen Ball macht.

          Nur knapp 300 Aktive sind von Sylt bis München gemeldet. Polo ist eine Randsportart und Deutschland im internationalen Vergleich nicht mehr als ein Entwicklungsland. Noch nie hat sich die Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft qualifiziert. „Aber genau das ist unser Ziel“, sagt Christopher Winter. Seit dem vergangenen Wochenende kämpfen er (Handicap +3) und sein Bruder Thomas (+5) gemeinsam mit Sven Schneider (+3) und Moritz Gödicke (+3) in der Toskana um den großen Traum. Doch in den Play-offs setzte es am Sonntag bereits die zweite Niederlage beim 5:17 gegen Gastgeber Italien. Am Vortag gab es bereits eine 6:16-Niederlage gegen England. Damit hatten sie allerdings schon vor der Partie gerechnet. Die Briten spielen in einer anderen Liga, Polo wird dort in den Colleges trainiert, sechzig Männer standen zur Auswahl für den königlichen Kader. „Mit denen können wir uns nicht vergleichen“, sagt Christopher Winter.

          Einer unter wenigen: Christopher Winter ist einer von knapp 300 Aktiven zwischen Sylt und München Bilderstrecke
          Einer unter wenigen: Christopher Winter ist einer von knapp 300 Aktiven zwischen Sylt und München :

          Die Engländer waren es auch, die 1859 den ersten Polo-Klub der Welt gegründet haben. Die Spielidee allerdings stammt aus Persien und soll bis etwa 600 v. Chr. zurückreichen. Erst viele Jahrhunderte später entdeckte es die britische Kavallerie, brachte Polo nach Europa und arbeitete an einem eindeutigen Regelwerk. Von 1900 bis 1936 war Polo sogar mehrmals eine olympische Disziplin. An den kolonialen Ursprung erinnern heute nur noch die Polo-Helme, die deutlich breiter sind als normale Reitkappen. Und Polo hat längst Einzug gehalten in die Upper Class der britischen Gesellschaft, Prinz Charles lernte seine Frau Camilla während eines Turniers kennen.

          Das ist schon eher der Stoff, aus dem in Deutschland die Geschichten sind, die um Polo kreisen und zumeist in Klatschblättern abgedruckt werden. Zu viele Klischees existieren. Polo ist gleichbedeutend mit Sylt und Champagner; Polo, das ist der Sport der Schönen und Reichen. Betrieben von Leuten, die sich selbst zur Elite zählen und viel lieber unter sich bleiben wollen. „Ja, das sagt man eben so, weil sich das ganz gut anhört. Polo wird noch immer mit dem ganzen Society-Kram verglichen“, sagt Christopher Winter. „Zuschauer im Anzug und schicken Kleidern - das ist es, was man von außen sieht. Aber der Sport ist extrem hart und extrem schmutzig. Du bist dreckig, wenn du vom Platz kommst, und man riecht nach Pferd und Schweiß.“ Christopher Winter nennt all das ein „Erlebnisaroma“, und es gibt genug Unternehmen, die genau in diesem Umfeld werben wollen. Exklusive Uhrenhersteller, edle Automarken oder private Geldinstitute zählen zu den Hauptsponsoren von Turnieren.

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