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Darts-WM Aufstand in Phil Taylors Wunderland

Phil Taylor ist der unumstrittene Star der Pfeilewerfer. Bei der laufenden Darts-WM in London begehren die Konkurrenten indes auf. Sie haben Hoffnung, weil der 15-fache Weltmeister Probleme mit den Augen hat. Taylor will im Viertelfinale am Neujahrstag aber alte Stärke beweisen.

© picture-alliance/ dpa Vergrößern Härtester Konkurrent: Der Niederländer Raymond van Barneveld lässt die Pfeile fliegen

Bis vor wenigen Wochen hätte man Phil Taylor zugetraut, dass er sein sportliches Ziel selbst mit verbundenen Augen erreicht. Denn die Hymnen auf den Star des Darts lassen eigentlich keinen anderen Schluss zu, als dass er über magische Fähigkeiten im Umgang mit den 26 Gramm schweren Pfeilen verfügt. Wie sonst hätte der Engländer, dessen Körpergröße, 1,73 Meter, exakt mit der Höhe des Bullauges der Dartscheibe übereinstimmt, in den vergangenen zwei Jahrzehnten seinen Sport so beherrschen können; gleich 15 Mal hat er den Weltmeistertitel gewonnen und nebenbei so ziemlich jeden Rekord gebrochen, den man mit den Pfeilen und der 2,37 Meter von der Wurflinie entfernten Scheibe mit den insgesamt 82 Wertungsfeldern aufstellen kann.

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Aber dann tauchte der 50 Jahre alte Engländer kürzlich mit Brille bei einem Turnier in Wolverhampton auf. Der Anblick hat die Welt der Pfeilewerfer erschüttert, weil jedem bewusst wurde, dass auch Taylors Kunst gefährdet ist durch ganz irdische Dinge wie eine Sehschwäche. Der Darts-Multimillionär verlor mit Sehhilfe gegen einen eigentlich ungefährlichen Gegner, und so beließ er es bei einem kurzen Versuch. Bei der seit zwei Wochen laufenden Weltmeisterschaft der Professional Darts Corporation (PDC) im Londoner Alexandra Palace spielt Taylor ohne Brille - und ist ungefährdet in das am Neujahrstag anstehende Viertelfinale eingezogen.

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Die Zweifel an der zuvor für selbstverständlich erachteten Unendlichkeit seiner Regentschaft konnte Taylor durch seine glanzlosen Auftritte in den ersten drei Runden dennoch bislang nicht vertreiben. Denn zu wankelmütig und wechselhaft präsentierte sich das nach wie vor übergewichtige Genie des Sports während des gesamten Turnierjahres. „The Power“, so der Kampfname, gewann zwar im vergangenen Januar seinen 15. Weltmeistertitel und stellte im Mai eine weitere Bestmarke auf.

© FAZ.NET - Daniel Meuren Vergrößern Dart-Experte Gordon Shumway: „Taylor ist wie Schumacher, Pelé, Woods zusammen“

Damals gelangen Taylor als erstem Spieler überhaupt in nur einem Turnierspiel zwei Nine-Darter, der kürzestmögliche und selbst von Taylor nur insgesamt neunmal in seiner Karriere vollendete Weg zum erfolgreichen Spielende. Diese Erfolge haben dazu beigetragen, dass er kurz vor Weihnachten bei der Wahl zum englischen Sportler des Jahres auf Rang zwei landete - bemerkenswerterweise hinter einem Jockey.

Viertelfinale am Neujahrstag

Aber im weiteren Verlauf des Turnierjahres hatte Taylor immer wieder zuvor ungekannte Schwierigkeiten beim Herunterspielen der je 501 Punkte eines Durchgangs. Bei der Mannschafts-WM scheiterte er im Duo mit dem Weltranglisten-Zweiten James Wade am Außenseiter Spanien. Nicht zuletzt diese Peinlichkeit führte Taylor schließlich zu seinem Brillenexperiment. „Viele haben derzeit ihre Zweifel an meiner Stärke“, sagte Taylor bei der WM. „Aber das interessiert mich nicht. Ich spiele einfach mein Spiel.“ Eine Augenlaserbehandlung erwägt er aber dennoch.

Gegen seinen Landsmann Peter Wright reichte es am Mittwoch immerhin zu einem lockeren Sieg nach 4:1 Sätzen (für einen Satzgewinn muss ein Spieler drei einzelne Spiele gewinnen), aber die Konkurrenten wie Mark Webster, Gegner im Viertelfinale am Neujahrstag (22 Uhr/ live in Sport 1) wittern mehr denn je ihre Chance. „Ich freue mich auf das Spiel und sehe mich nicht als Außenseiter“, sagt der 2008 im kleineren Konkurrenzverband BDO mit einem Weltmeistertitel geehrte Waliser vor dem großen Spiel zum Beginn des neuen Jahres.

Langsamkeit als Verstoß gegen die Etikette

Taylors Fans spielen trotz der mutiger werdenden Mitbewerber noch Normalität vor. Auch am späten Mittwochabend sangen sie zur Melodie eines englischen Weihnachtsklassikers die Hymne auf ihren Star, die mit den Worten „Taylor Wonderland“ endet.

In dieses Wunderland ist unabhängig von den Formschwankungen Taylors Bewegung gekommen. Während die drei deutschen Teilnehmer Andree Welge, Bernd Roth und Jyhan Artut erwartungsgemäß in der ersten Runde ausgeschieden sind, hat sich immerhin erstmals ein Pfeilewerfer aus dem deutschsprachigen Raum erdreistet, in den seit eh und je von Sportlern aus den Commonwealth-Ländern und einigen Niederländern beherrschten Kreis der Achtelfinalteilnehmer vorzudringen. Der Österreicher Mensur Suljovic hat für dieses Kunststück den Weltranglisten-Zweiten Wade bezwungen. Der 38 Jahre alte Wiener konnte dem Schnellspieler aus England dabei vor allem mit seiner extrem langsamen Spielweise den Nerv rauben.

Kurioses Darts: In einer Sportart, deren WM-Turnier bei rund 5000 trink- und feierlustigen Zuschauern in der nicht gerade konzentrationsfördernden Atmosphäre eines Oktoberfestzelts ausgetragen wird, gilt Langsamkeit als ein Verstoß gegen die Etikette. Die Strafe folgte im Achtelfinale auf dem Fuße: Suljovic unterlag chancenlos.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 01.01.2011, 15:05 Uhr