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Veröffentlicht: 03.01.2012, 13:04 Uhr

Dart-Weltmeister Adrian Lewis Willkommen im Wunderland

Adrian Lewis verteidigt seinen Titel bei der Dart-WM erfolgreich – und schickt sich an, Phil Taylor als Großmeister des Sports abzulösen. Dabei kann er vor allem auf seine Nervenstärke bauen.

© AFP Der Herr der Pfeile bekommt eine Kugel: Adrian Lewis verteidigt seinen WM-Titel

Die letzten Würfe in Richtung Wonderland fielen Adrian Lewis leicht. Das Finale der Dart-Weltmeisterschaft gegen Andy Hamilton war beinahe eine reine Formsache. Trotz mäßiger Leistung gewann der 26 Jahre alte Engländer das Duell mit seinem 44 Jahre alten Finalgegner deutlich mit 7:3 Sätzen (jeder Satz besteht aus maximal fünf einzelnen Spielen).

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Damit vollbrachte Lewis, im Vorjahr der jüngste Weltmeister in der Geschichte des Dart, etwas, was zuvor nur dem bislang unantastbaren Champion des Sports der Pfeilewerfer gelungen war. Denn einen Titel der PDC, des größeren von zwei konkurrierenden Profispielerverbänden, konnte seit dem ersten Turnier im Jahr 1994 bislang nur Phil Taylor verteidigen, der 13 der ersten 17 Turniere gewonnen hatte und deshalb seit Jahren von den Darts-Fans mit der Liedzeile vom „Phil Taylor Wonderland“ gefeiert wird.

Dieses 2,37 Meter große Reich zwischen Abwurflinie und Dartscheibe könnte nun in den Besitz von Lewis übergehen, nachdem Taylor in diesem Jahr bereits in der zweiten Runde gescheitert war. Der 51 Jahre alte Großmeister im Zielen auf die 82 Wertungsfelder auf der Scheibe mit dem Durchmesser von 34 Zentimetern hat angeblich zusehends mit der Sehkraft zu kämpfen.

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Lewis bestätigte indes zwar deutlich übergewichtig, aber mit gestochen scharfem Blick bei der ersten Bewährungsprobe seinen Titel. „Wenn man zum ersten Mal Weltmeister wird, dann ist das gut. Ein wirklich Großer ist man aber erst, wenn man den Titel verteidigt“, sagte Lewis, der wie sein Idol Taylor aus Stoke-on-Trent kommt. In jungen Jahren hat er die Kunst mit Pfeil und Scheibe bei Taylor gelernt.

Bislang hatte er den älteren Nachbarn dementsprechend mit größtem Respekt als unerreichbare Größe des Darts bezeichnet. In den Minuten nach dem abermaligen Finalsieg antwortete der Mann mit dem immer passenderen Spitznamen „Jackpot“ freilich auf die Frage, ob er nun der beste Darts-Spieler der Welt sei, ebenso knapp wie deutlich: „Ja.“ Zudem hat er angekündigt, mindestens die runde Zahl von zehn Titeln erreichen zu wollen.

Gegner Hamilton kann nicht mehr zulegen

Dabei spielte die eher enttäuschende Qualität des letzten Spiels im Turnier der 72 WM-Teilnehmer keine große Rolle mehr. Lewis gewann mit einem schwachen Schnitt von nur 31 von möglichen 60 Punkten pro Wurf und war somit weit entfernt von einer üblichen Trefferquote wie 34 oder 35, die den Weltklassespieler vom Spitzenmann im Pub beim Herunterspielen der 501 Punkte pro Spiel unterscheidet.

Sein Gegenüber Andy Hamilton, der ebenfalls aus Stoke stammt, war jedoch noch weniger zielsicher und konnte anders als Lewis auch in den entscheidenden Momenten der Partie nicht zulegen. Beinahe wäre dem alten und neuen Weltmeister schließlich zur Krönung seines Turniersiegs noch das äußerst seltene Kunststück eines „Nine-Darters“ gelungen.

Andy Hamilton unterlag dem neuen und alten Titelträger im Finale © AFP Vergrößern Andy Hamilton unterlag dem neuen und alten Titelträger im Finale

Bei diesem nahezu idealen Spiel traf Lewis traumwandlerisch sicher sieben Mal in Serie die Höchstwertung Dreifach-20, schuf sich dann mit einer Dreifach-19 die Möglichkeit zum „Auschecken“, wofür stets ein passendes Doppel-Feld getroffen werden muss. Doch das 5,3 mal 0,8 Zentimeter große Ziel am äußersten Rand des 12-er Feldes auf der in zwanzig „Kuchenstücke“ aufgeteilten Dartscheibe verfehlte er um gut drei Millimeter.

Lewis, der die Siegprämie von umgerechnet rund 236.000 Euro einstreicht, vollendete mit seinem Triumph ein Turnier, in dem er erfolgreich einigen Widrigkeiten getrotzt hatte. In Runde eins wurde er von einer in den alten Gemäuern des traditionellen Spielorts im Londoner Alexandra Palace beheimateten Wespe in die linke, immerhin zum Wurf nicht benötigte Hand gestochen.

Nervenstärke ist Lewis’ Faustpfand für die Zukunft

Im Halbfinale spürte der ebenso schwergewichtige wie offenkundig feinfühlige Weltmeister schließlich minutenlang einen leichten Lufthauch, der ihn aus der mentalen Balance und seine Darts aus der rechten Flugbahn brachte. Zwar wurden nach einer viertelstündigen Unterbrechung anschließend alle Klimaanlagen in der mit 2500 Zuschauern besetzten Halle ausgestellt, was die Temperaturen auf der Bühne und vor der Dartscheibe auf weit über 40 Grad und den Lärmpegel unter den sauflustigen Besuchern in der Halle ansteigen ließ.

Lewis fand jedoch mit seinen 21 Gramm leichten Darts erst in allergrößter Not wieder zu seinem Rhythmus. Nachdem sein Gegner James Wade bei einer 5:2-Satzführung einen Matchdart vergeben hatte, traf der Weltmeister fortan fast nach Belieben und gewann alle folgenden Spiele.

Diese Nervenstärke bei den entscheidenden Würfen ist Lewis’ Faustpfand für die Zukunft. Von der Konstanz eines Phil Taylor war er indes während des vergangenen Jahres nach seinem ersten Weltmeistertitel weit entfernt. Lewis gewann keinen der ganz großen Wettbewerbe. Aber womöglich entwickelt er die Gier eines Taylor ja auch erst jetzt als etablierter Herrscher des Dart-Wonderlands.

Dart-Regeln

Ein Dart-Spiel der Weltmeisterschaft wird über mehrere Sätze gespielt, zu Beginn des Turniers nach dem aus dem Tennis bekannten Prinzip „Best-of-Five“, im Finale gewinnt schließlich der Spieler, der zuerst sieben Sätze gewonnen hat. Für einen Satzgewinn muss in Spieler drei inzelne „legs“ gewinnen. Bei dieser Grundeinheit des Darts müssen 501 Punkte heruntergespielt werden. Dafür haben die Spieler im Wechsel je drei Versuche. Die 501 Punkte können mit minimal neun Darts „ausgecheckt“ werden. Der letzte Wurf muss dabei genau die verbeleibende Punktezahl mit einem Doppelfeld erzielen. Wenn also ein Rest von 24 Punkten verbleibt, muss der kleine, doppelt gewerteter Rand des 12er-Feldes getroffen werden. Eine unegrade Zahl kann demenstprechend nicht „ausgechekt“ werden.

Quelle: F.A.Z.

 

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