26.06.2006 · Der Hoffenheimer Trainer Ralf Rangnick hat erkannt: „Wenn du in Deutschland etwas verändern willst, dann stößt du meistens auf Widerstände.“
Ralf Rangnick, ehemaliger Trainer von Schalke 04, jetzt beim Regionalligaverein TSG Hoffenheim, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über die langanhaltende Skepsis gegenüber Jürgen Klinsmann.
Verdient Jürgen Klinsmann den Preis als Reformer des Jahres?
Darum geht es doch gar nicht. Ich kenne einige Trainer, die sich schon länger mit neuen Methoden befassen. Daß wir im deutschen Fußball dem Trend hinterherhinken, das ist doch ein alter Hut und nicht erst durch Jürgen Klinsmann thematisiert worden.
Sie klingen skeptisch, während Deutschland dem Nationalteam zujubelt.
Nein, ich freue mich als deutscher Trainer über den Erfolg der Mannschaft und ihre Spielweise. Ich hoffe, daß die Spieler mit ihrem Trainer jetzt die nächste Hürde nehmen und traue ihnen sogar zu, gegen Argentinien zu gewinnen. Das hätte ich vor sechs Wochen nicht getan. Es gab über einen langen Zeitraum zu viele Spiele dieser Mannschaft, die ein zu ähnliches Muster hatten. Der Gegner mußte nur einen Ball über die Viererkette hinüberspielen, ein Stürmer früh genug losrennen und dann alleine aufs Tor zulaufen. So konnte man nicht spielen. Das Selbstvertrauen kommt durch Spielweise und Kontrolle. Jetzt merkt die Mannschaft, daß sie ein Spiel kontrollieren kann.
Wie könnte ein WM-Erfolg durch Jürgen Klinsmann den deutschen Fußball verändern?
Ich glaube, die handelnden Personen in den Vereinen werden auch durch die positiven Entwicklungen bei dieser WM nicht ihr Verhalten verändern. Das werden keine anderen Menschen werden. Dem deutschen Fußball tut gut, zu wissen, daß wir wieder vorne dabei sind. Wir holen uns wieder etwas zurück vom verlorengegangenen Image.
Gehen den Betonköpfen im deutschen Fußball nicht langsam die Argumente aus?
Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Wenn du in Deutschland etwas verändern willst, dann stößt du meistens auf Widerstände, stärker als in anderen Ländern. Wir haben überall in Deutschland diese Trägheit. Warum sind in den Sommermonaten, wenn die Kinder große Ferien haben und unausgelastet sind, die Fußballplätze geschlossen? Wenn man da nachfragt, kommt die Antwort: Das war immer so. Die handelnden Personen sind bei uns schwer zu überzeugen. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn die WM gut läuft für unsere Nationalmannschaft.