21.07.2006 · Der wegen Doping-Verdachts suspendierte Radprofi Jan Ullrich hat alle Rennen abgesagt, für die er vor der Tour de France schon hochdotierte Verträge abgeschlossen hatte. Ohnehin ist arbeitsrechtlich fraglich, ob Ullrich überhaupt starten dürfte.
Der wegen Doping-Verdachts von seinem Team T-Mobile suspendierte Radprofi Jan Ullrich hat alle Rennen abgesagt, für die er vor der Tour de France schon Verträge abgeschlossen hatte. „Es würde sich doch alles nur um Jan und die Vorwürfe aus Spanien drehen. Jan verzichtet schon jetzt auf die Teilnahme, damit die Veranstalter Zeit haben, andere namhafte Fahrer zu verpflichten“, begründete Ullrichs Manager Wolfgang Strohband auf Ullrichs Internetseite den Schritt.
Ullrich hatte hoch dotierte Verträge für fünf Kriterien, unter anderem in Graz, Mayrhofen und Lorch. Allerdings ist ohnehin arbeitsrechtlich fraglich, ob Ullrich überhaupt starten dürfte. „In einem neutralen Trikot könnte er antreten“, meinte der Heidelberger Sportrechtler Michael Lehner, der Danilo Hondo in dessen Doping-Fall vertritt. Während seiner Suspendierung könne er nicht für T-Mobile an den Start gehen, erklärte am Freitag ein Teamsprecher. Ullrich hält sich nach Auskunft seines Managements weiter in seinem Haus in Scherzingen/Schweiz auf.
Armstrong: Ullrichs Karriere beendet
Sollten sich die Dopingvorwürfe gegen Jan Ullrich bestätigen, steht er nach Ansicht des siebenmaligen Tour-de-France-Siegers Lance Armstrong vor dem Aus. „Wenn all diese Vorwürfe stimmen, dann ist die Karriere beendet“, sagte Armstrong am Donnerstag im französischen Fernsehen.
Die Affäre um das spanische Dopingnetzwerk sei „eine Katastrophe“ für den Radsport. Auf die Frage, ob er den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes kennt, antwortete Armstrong: „Nein, eindeutig nein.“ Dem Amerikaner war in einer nachträglich angefertigten Analyse Doping im Jahr 1999 nachgewiesen worden.
Strafanzeige gegen Jan Ullrich
Gegen Jan Ullrich und Oscar Sevilla sowie den ehemaligen Sportlichen Leiter des T-Mobile-Teams, Rudy Pevenage, ist bei der Staatsanwaltschaft Bonn unterdessen Strafanzeige wegen Betrugs und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz gestellt worden. Staatsanwältin Monika Nostadt-Ziegenberg bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, wonach eine Anzeige der Kriminologin und Professorin der Universität Bielefeld, Britta Bannenberg, bei der Strafverfolgungsbehörde eingegangen sei. Dies sei bereits am 7. Juli geschehen.
„Diese Anzeige wird nun unter strafrechtlichen Gesichtspunkten geprüft“, sagte Staatsanwältin Nostadt-Ziegenberg. Nach Einschätzung der Juristin könne die Prüfung in der nächsten Woche abgeschlossen sein. Von diesem Ergebnis hänge ab, ob die Beschuldigten zu den Vorwürfen befragt werden. Zum weiteren Vorgehen wollte sich die Staatsanwältin nicht äußern. In ihrer Strafanzeige schreibt die frühere Leichtathletin Britta Bannenberg: „Es dürfte davon auszugehen sein, daß Ullrich T-Mobile über die Verwendung unerlaubter Substanzen getäuscht hat und diese auf Grund entsprechenden Irrtums Gehalt und Prämien an ihn ausgezahlt haben.“
Deja Vue
Thomas Strenger (jeffstaine)
- 22.07.2006, 12:30 Uhr