Mit einem Einstieg nach Maß hat Team-Kapitän Jan Ullrich die Telekom-Aktien für eine erfolgreiche Radsportsaison in die Höhe schnellen lassen. Ohne gravierende Gewichtsprobleme und in viel versprechender Form ist dem Tour-de-France-Sieger von 1997 bei der Murcia-Rundfahrt der beste Saisonstart seit Jahren gelungen.
Dabei ließ der Straßen-Olympiasieger, wie auch seine Erzrivalen Lance Armstrong und Marco Pantani, den ersten Formtest für die Tour de France ruhig angehen. „Ich habe ein gutes Gefühl und muss nur aufpassen, dass ich gesund bleibe“, sagte Ullrich. „Wichtig war nach der Quälerei der langen Trainingseinheiten, dass es endlich wieder mit den Wettkämpfen losgeht.“
Keine Attacken in den Bergen
Gegen die auf Sieg fahrenden spanischen Profis hielt der Merdinger gut mit, verzichtete aber auf kräfteraubende Attacken in den Bergen. „Wenn die beiden was wollen, sind sie sicher sehr Ernst zu nehmende Konkurrenten, aber erst einmal hat jeder mit sich selbst genug zu tun,“ beurteilte Ullrich seine Hauptkonkurrenten Armstrong und Pantani. Ullrich selbst hat seit Dezember 15.000 Trainingskilometer in Südafrika, auf Mallorca und im heimischen Schwarzwald heruntergespult.
Im abschließenden Einzelzeitfahren über 12,9 Kilometer in Murcia kam Ullrich als 37. mit 1:20 Minuten Rückstand auf den spanischen Sieger Aitor Gonzalez an, der damit auch die Gesamtwertung gewann. Armstrong probte bereits den Ernstfall und wurde nur 28 Sekunden hinter Gonzalez Fünfter. Im Gesamtklassement kamen Armstrong (12:55 Minuten Rückstand) und Ullrich (13:47) auf die Ränge 64 und 69.
Telekom-Neulinge schon gut integriert
Am Samstag hatte Ullrich seine erste Kletter-Tour der Saison mit Bravour bestanden, obgleich er sich am Ende sichtbar zurückhielt. Auf der „Königs-Etappe“ mit zwei Bergwertungen der ersten Kategorie hielt er beim Tagessieg des Spaniers Francisco Cabello zunächst mit, ging aber nicht an seine Belastungsgrenze. „Das war es, was ich zum weiteren Formaufbau brauche“, meinte Ullrich. „Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Das Tempo war genau richtig, trotzdem musste ich nicht in den roten Bereich.“
Am steilen Schlussanstieg zum 1.150 Meter hohen Alto del Collada Bermejo ließ er die Kletterspezialisten von Kelme ziehen. Mit rund drei Minuten Rückstand kamen die Telekom-Profis Jens Heppner und Roberto Sgambelluri in der ersten Verfolgergruppe an.
Neben Sgambelluri gaben auch die Team-Neulinge Robert Bartko, Torsten Hiekmann und Kevin Livingston ihr Debüt an Ullrichs Seite. „Ich bin positiv überrascht, wie sie sich integriert haben“, sagte Ullrich. „Über ihre Form kann man aber noch nicht viel sagen.“ Für Ullrich geht nach einer kurzen Pause die Wettkampf-Tour weiter: „Bis Mitte der Woche bin ich ein paar Tage zu Hause, dann geht es weiter nach Portugal, wo ich meine nächste Rundfahrt bestreite.“