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Radsport Arndt bereut „Stinkefinger“ und stänkert weiter

16.08.2004 ·  Die Entgleisung auf der Ziellinie hat für Judith Arndt keine Konsequenzen. Weder das NOK noch der Bund Deutscher Radfahrer wollen die Silbermedaillen-Gewinnerin für ihren „Stinkefinger“ bestrafen.

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Bei der Medaillenjagd im olympischen Straßenrennen hatte Judith Arndt auf die erhoffte Unterstützung verzichten müssen, beim anschließenden Spießrutenlauf wich ihr Lebensgefährtin Petra Roßner nicht mehr von der Seite. In Teamarbeit nahm das rebellische Duo nach dem „Stinkefinger-Skandal“ den Kampf um Ehrenrettung und gegen vermeintliche Funktionärs-Willkür auf.

Während man beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und im Nationalen Olympischen Komitee (NOK) bemüht war, den Eklat um die erste deutsche Silbermedaillengewinnerin zu beschwichtigen, redeten sich die Sportlerinnen den seit vier Wochen aufgestauten Frust von der Seele.

„Mir ist klar, daß sich sowas nicht gehört“

„Die Freude über meine Medaille ist getrübt, das läßt sich nicht einfach wegdiskutieren“, erklärte Arndt noch Stunden nach dem größten Erfolg ihrer Karriere im Deutschen Haus. Ihre ungebührliche Geste auf der Ziellinie tat der 28jährigen dagegen bald leid: „Mir ist klar, daß sich sowas nicht gehört. Das darf mir eigentlich nicht passieren - vor allem, weil ich als Spitzensportlerin in der Öffentlichkeit stehe. Aber ich bin auch nur ein Mensch, und in einem so wichtigen Wettkampf sind Emotionen manchmal nicht kontrollierbar.“

Offenbar war es aber keine sontane Reaktion sondern eine geplante Aktion. Bevor Judith Arndt hinter Sara Carrigan als Zweite die Ziellinie passierte und den ausgestreckten Mittelfinger zeigte, hatte sie ihre Rennhandschuhe zu Boden geworfen. Sie wollte dem Verband ihre Mißachtung zeigen.

Ausschluß stand nicht zur Debatte

Beim skandal-gebeutelten Verband nahm man Arndts indirekte Entschuldigung gerne zum Anlaß, die Angelegenheit schnell ad Acta zu legen, ehe sie größere Wellen schlagen konnte. „Judith hat sich mit der Sache selbst am meisten geschadet. Aber sie hat eingesehen, daß sie sich falsch verhalten hat, und damit ist es erledigt“, erklärte BDR-Präsidentin Sylvia Schenk. „Dem juristischen Grundsatz folgend, niemals jemanden für ein Vergehen zwei Mal zu bestrafen, gibt es von uns keine weiteren Sanktionen“, sagte Sylvia Schenk. Lediglich der Weltverband UCI verhängte eine Geldbuße von 200 Schweizer Franken.

Ein Ausschluß der Leipzigerin, die auch für das Zeitfahren am Mittwoch als Medaillen-Hoffnung gilt, stand nicht zur Debatte, auch NOK-Präsident Klaus Steinbach beließ es bei einer Rüge: „Wir freuen uns sehr über die Silbermedaille. Nicht akzeptieren können wir das unsportliche Verhalten beim Überqueren der Ziellinie, das wir scharf kritisieren“, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme des deutschen Olympia-Chefs. Man begrüße aber, daß die Sportlerin den Fehler eingesehen habe: „Jetzt soll sie sich voll auf den Wettkampf am Mittwoch konzentrieren und bekommt dafür die volle Unterstützung.“

„Entscheidung deplaziert, Erklärung fadenscheinig“

Schenk war derweil bemüht, bei allem Ärger nicht die Freude über den Erfolg Medaillenerfolg untergehen zu lassen, nachdem sich Arndt nach einer starken Leistung nur der Australierin Sara Carrigan hatte geschlagen geben müssen. Angesichts der Hoffnung auf weiteres Edelmetall gab sich die Verbands-Chefin sogar ganz unkonventionell. „Wenn Judith mit ihren Emotionen am Mittwoch im Zeitfahren noch einmal eine Medaille holt, soll mir das auch recht sein“, meinte die ehemalige Spitzen-Leichtathletin augenzwinkernd.

Arndts Freundin Roßner war dagegen nicht zum Scherzen zumute. Ihr lag die eigene Nicht-Nominierung für Olympia, die den ganzen Ärger ausgelöst hatte, immer noch im Magen. „Dieses Rennen sollte der krönende Abschluß meiner Karriere werden, aber das ist mir verwehrt worden. Ich halte die Entscheidungen des BDR weiterhin für deplaziert und die anschließenden Erklärungen für fadenscheinig.“

Die Sprintspezialistin, die wie Arndt für das Frauen-Profiteam der Nürnberger Versicherungen fährt, war zu Gunsten der zehn Jahre jüngeren Cottbuserin Angela Brodtka nicht für das dreiköpfige Aufgebot zum Straßenrennen berücksichtigt worden, woraufhin Arndt zunächst sogar mit Olympia-Boykott gedroht hatte. „Mir war klar zugesagt worden, daß ich mitfahre, wenn ich deutsche Meisterin werde. Daran hat man sich beim BDR nicht gehalten.“ Die Begründung, der Olympia-Kurs käme ihr nicht entgegen, wies Roßner zurück: „Frau Schenk ist zweimal im Jahr bei unseren Rennen, ich glaube nicht, daß sie das beurteilen kann.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/sid
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