22.09.2004 · Zeitfahr-Olympiasieger Tyler Hamilton spricht nach seiner positiven Dopingprobe von Manipulation. Die vermutete Bluttransfusion habe er nie vorgenommen: „lch riskiere weder mein Leben noch das meiner Frau.“
Der Zeitfahr-Goldmedaillen-Gewinner von Athen, Tyler Hamilton bestreitet weiter die Doping-Vorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden: „Ich bin zu 100 Prozent unschuldig“, sagte der Amerikaner.
Hamiltons Anwalt Lucien Valloni will die Methode zum Nachweis unerlaubter Blut-Transfusionen, mit der Hamilton positiv getestet wurde, anzweifeln: „Wir werden ein Verfahren einleiten, um diesen Test in Frage zu stellen. Er entspricht nicht internationalen Standards.“ Im Fall Hamilton wurde diese Methode zum ersten Mal im Anti-Doping-Kampf herangezogen.
Hamilton, der bisher als „Saubermann“ galt, wurde bereits zwei Mal positiv getestet: Nach seinem Olympiasieg in Athen am 19. August und nach seinem Zeitfahr-Erfolg bei der Spanien-Rundfahrt am 18. September.
„Ich riskiere weder mein Leben noch das meiner Frau“
„Mit einer Bluttransfusion riskiere ich weder mein Leben noch das meiner Frau. Es muß irgendeine Manipulation vorliegen, es wurden Anteile fremden Blutes in meiner Probe festgestellt“, erklärte Hamilton am Dienstag abend auf einer eiligst einberufenen Pressekonferenz in Regensdorf bei Zürich. Für den Kölner Dopingfahnder Prof. Wilhelm Schänzer ist der Fall des Rad-Olympiasiegers Tylor Hamilton ebenfalls „nicht logisch“. „Wenn es in Athen bereits Auffälligkeiten gegeben hat, hätte dies vor Ort endgültig geklärt werden müssen. Das kann ich nicht nachvollziehen“, sagte der Leiter des Instituts für Biochemie in Köln. Die Methode, mit der Hamilton überführt wurde, hält Schänzer allerdings für zuverlässig. „Es gab unmittelbar vor Olympia umfassende Tests in den Labors in Sydney, Athen und Lausanne. Wenn ein solches Verfahren dann angewendet wird, muss es sicher sein. Ich hatte außerdem schon vorher Studienergebnisse aus Sydney vorliegen. Die haben mich überzeugt.“
Ergebnisse noch nicht veröffentlicht
Tyler Hamilton, der maßgeblich an den drei ersten Tour-de-France- Erfolgen von Lance Armstrong beteiligt war, hatte zuvor dem ersten Teil der von ihm verlangten Gegenanalyse im Dopinglabor in Lausanne beigewohnt. Die Ergebnisse der Gegenprobe sind bis jetzt noch nicht veröffentlicht worden. „Es wäre Sache des Teams, das Ergebnis bekanntzugeben, nicht unsere“, sagte ein Sprecher des Weltverbandes UCI. Hamilton und Phonak, dessen Leitung vorerst hinter dem Amerikaner steht, werden wahrscheinlich den Internationalen Sportgerichtshof anrufen.
Neues Verfahren
Das Verfahren, eine Bluttransfusion nachzuweisen, wurde erst kürzlich in Sydney entwickelt. Blutdoping ist im Ausdauersport aber schon seit Jahrzehnten bekannt, finnische Langstreckler und Ski Langläufer kamen deswegen schon in den 70er Jahren ins Gerede.
Sollte Hamilton überführt werden, drohen ihm eine zweijährige Sperre und die Aberkennung seines Olympiasieges. Wjatscheslaw Jekimow (Rußland) würde dann im Nachhinein Gold erhalten, Hamiltons Landsmann Bobby Julich Silber und der Australier Michael Rogers Bronze. Jan Ullrich würde auf Rang sechs vorrücken.