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Rad BDR-Präsidentin Sylvia Schenk zurückgetreten

 ·  Sylvia Schenk ist von ihrem Amt als Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer zurückgetreten. Die erste Frau an der Spitze des BDR zog damit Konsequenzen aus dem zerrütteten Verhältnis mit großen Teilen des Präsidiums.

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Als sich um 19.55 Uhr die Tür zum Raum Groß-Gerau in der Zentrale des Landessportbundes Hessen öffnete und Sylvia Schenk alleine heraustrat, war schon klar, daß sich der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) eine neue Führungskraft suchen muß. "Ich bin mit sofortiger Wirkung zurückgetreten", sagte die 52 Jahre alte BDR-Präsidentin. Die ehemalige Frankfurter Stadträtin, die im März 2001 als erste Frau an die Spitze des BDR gewählt worden war, zog damit den Schlußstrich unter das zerrüttete Verhältnis mit Sportdirektor Burckhard Bremer und großen Teilen des Präsidiums, das "nicht mehr zu kitten war.

Entzündet hatte sich der Konflikt, der zu einer Dringlichkeitssitzung des Verbandes mit dem Präsidium und den Landesvorsitzenden am Donnerstagabend in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise geführt hatte, an dem Fall des Bahnradfahrers Christian Lademann, in dessen Blut bei einer routinemäßigen Kontrolle des Verbandes im Juli leichte Abweichungen festgestellt worden waren. Sportdirektor Bremer hatte von diesem Fall Kenntnis gehabt, ihn aber nicht seiner Präsidentin weitergegeben, was diese in einer derart sensiblen Angelegenheit als groben Vertrauensbruch wertete. "Gerade der Radsport darf nicht einmal den Anschein erwecken, etwas unter den Teppich kehren zu wollen", sagte Sylvia Schenk auch noch nach ihrem Rücktritt.

„Ich bin froh, mit mir im Reinen zu sein“

Ihre Demission war im Grunde der einzig mögliche Entschluß. "Ich habe meine glasklare Linie durchgezogen. Und ich bin froh, mit mir im Reinen zu sein." Mit der Linie des Verbandes war das aber nicht mehr kompatibel. Nach offizieller Diktion hat das BDR-Gremium den Rücktritt zwar "respektiert und bedauert", zugleich legte man aber Wert auf die Feststellung, daß Frau Schenk in der Sache Lademann überreagiert und sich durch unsensibles Krisenmanagement selbst den Weg zu einer anderen Lösung verbaut habe. Die Präsidentin habe, so Vizepräsident Dieter Kühnle, "ihre Fürsorgepflicht gegenüber dem Athleten vernachlässigt". Und sie habe den Verband in der Öffentlichkeit quasi als Vertuscher von Dopingangelegenheiten bloßgestellt. "Dagegen wehren wir uns", sagte Kühnle. Denn die Angelegenheit Lademann sei definitiv "kein Dopingfall".

Dessen hatte sich der BDR eigens mit Gutachten der Uniklinik Freiburg, der Medizinischen Kommission des internationalen Radsportverbandes (UCI) und von Professor Wilhelm Schänzer vom Institut für Biochemie der Sporthochschule Köln versichert. Das ist auch der Grund, weshalb Bremer, der am Donnerstagabend immerhin Sitz und Stimme im Präsidium abgab, zumindest vorerst hauptamtlicher Sportdirektor bleibt, obwohl ihm der Rücktritt nahegelegt worden war. Für eine Kündigung fehle die arbeitsrechtliche Grundlage, heißt es im Verband. Worüber Sylvia Schenk, wie sie sagt, "nur lachen" kann. Bremer indes wich nicht von seiner Linie ab: "Ich sehe keinen Anlaß, zurückzutreten."

Nachfolger wird gesucht

Die Geschäfte von Sylvia Schenk übernimmt kommissarisch bis zur nächsten Bundeshauptversammlung des BDR im März 2005 Vizepräsident Fritz Ramseier. In den nächsten Wochen und Monaten soll eine Findungskommission bei der Suche nach dem Nachfolger von Sylvia Schenk helfen. Parallel dazu wird sich eine Strukturkommission mit Reformen beschäftigen. Denen könnte dann der umstrittene Sportdirektor Bremer doch noch zum Opfer fallen. Sylvia Schenk, die noch ein Jahr Mitglied im UCI-Direktorium ist, wird aus der Distanz betrachten, wohin der Weg des BDR führt. "Es war eine schöne Zeit", sagte sie, aber "aber sicher hat das heute ein Stück des Scheiterns in sich."

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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