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Psychologie Wahre Motivation kommt von innen

29.12.2002 ·  Hat der Mensch Spaß an einer Sache, geht er ihr aus eigenem Antrieb nach. Motivation ist auch im Berufsalltag unerlässlich. Aber wie zu schaffen?

Von Birgit Obermeier
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Wer gerne Volleyball spielt oder läuft, mag unterschiedliche Beweggründe dafür haben: sich fit halten, Leistung bringen oder Teamgeist verspüren. In jedem Fall aber hat er oder sie Spaß an der Sache. Schließlich wird niemand gezwungen, außer vielleicht in der Schule, sich sportlich zu betätigen.

Der für Sportler typische innere Antrieb, in der Psychologie intrinsische Motivation genannt, stellt sich im Berufsalltag nicht so ohne weiteres ein. Arbeiten, weil die Tätigkeit an sich eine gewisse Befriedigung verschafft - das mag für Computerfreaks, engagierte Forscher und Künstler gelten, nicht jedoch für das Gros der Arbeitnehmer. Andererseits ist es für Unternehmen enorm wichtig, Mitarbeiter zu haben, die nicht nur Dienst nach Vorschrift machen.

Eigenverantwortung, Feedback und Perspektiven motivieren mehr als Geld

Unmotiviertes Personal, das belegen wissenschaftliche Studien, leisten weniger, sind häufiger krank, geben ihren Frust an Kollegen und Kunden weiter und schaden damit der Produktivität, dem Arbeitsklima und dem Ansehen der Firma. Der Arbeitgeber muss folglich Rahmenbedingungen schaffen, in denen der Mitarbeiter eigenen Antrieb entwickelt. Neben zweckmäßiger Büroausstattung und einem angemessenen Gehalt zählen dazu insbesondere Faktoren, die den Spaß an der eigentlichen Tätigkeit - und damit die intrinsische Motivation - fördern.

Zu den wichtigsten Voraussetzungen zählen: sinnhafte, vielfältige Aufgaben, Eigenverantwortlichkeit, Feedback und Perspektiven. Der Mitarbeiter, so die Psychologen, sollte ein gewisses Maß an Autonomie verspüren, seine Kompetenzen erleben und auch erweitern können. Geld- und Sachprämien, gemeinhin als probates Lockmittel verstanden, wirken sich langfristig nicht positiv auf die innere Motivation aus. Im Gegenteil: äußere Anreize können die Freude an der Arbeit untergraben, so die Erkenntnis der psychologischen Forschung.

Eine 60-Stunden-Woche kann glücklich machen

Wird dem Mitarbeiter die Freiheit gewährt, für einen bestimmten Bereich selbst zu entscheiden, aber auch gerade zu stehen, steigt mit der Verantwortung meist auch die Begeisterung und der Arbeitseinsatz. Bestes Beispiel: Selbständige. Studien belegen, dass sie trotz 60-Stunden-Woche unter allen Beschäftigtengruppen die größte Arbeitszufriedenheit an den Tag legen. Wer weiß, wofür er rackert, ist nun mal motivierter. Anschaulich illustriert hat das in den vergangenen Jahren die Arbeitswut vieler Mitarbeiter in flach organisierten Startups.

In der Zwischenzeit sind auch Konzerne wie Deutsche Bank, Allianz und CSC Ploenzke dazu übergegangen, die Eigenverantwortlichkeit und das unternehmerische Denken ihrer Mitarbeiter zu fördern. „Ich AG“ und „Selbst GmbH“ lauten die Schlagworte dafür. Damit der Mitarbeiter sich dabei nicht überfordert fühlt, müssen die gesteckten Ziele und das Maß an Verantwortung vorab jedoch klar definiert werden - am besten gemeinsam von ihm und seinem Vorgesetzten. Dessen Aufgabe ist es auch, dem Mitarbeiter regelmäßig Feedback über seine Leistung zu geben und mit ihm berufliche Perspektiven zu entwickeln.

Die Karriereleiter im Visier: Führungskräfte aus den eigenen Reihen

Schließlich stellt sich für jeden Mitarbeiter ganz individuell die Frage, wohin die berufliche Reise gehen soll und welche zusätzlichen Qualifikationen dazu nötig sind. Insbesondere Großunternehmen lassen sich in Sachen Weiterbildung meist nicht lumpen: Firmen wie Audi, Microsoft oder Siemens stellen für ihre Mitarbeiter jährlich ein ordentliches Budget für Fortbildungsmaßnahmen bereit, bieten nach der regulären Arbeitszeit kostenlose Sprachkurse an und setzten interne Trainee-Programme für hoffnungsvolle Nachwuchsführungskräfte auf.

Gute Aussichten auf Karriere verspricht auch der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble: Das US-Unternehmen mit Sitz in Schwalbach besetzt Führungspositionen ausschließlich aus den eigenen Reihen. Das Prinzip hat sich bewährt, sie gelten als Kaderschmiede für Marketing-Manager. Bei sämtlichen Maßnahmen zur Förderung des inneren Antriebs gilt freilich der psychologische Grundsatz zu bedenken: Jeder Mensch ist unterschiedlich motivierbar.

Nicht jeder Mensch ist ein potenzieller Workaholic

„Manche brennen natürlicherweise mit der Kraft eines Teelichts, andere mit der eines Bunsenbrenners“, weiß Rainer Niermeyer von Kienbaum Consultants. „Das kann von aussen zwar ein bisschen angeheizt werden, nicht aber komplett verändert.“ Im Klartext: Mitarbeiter mit einer ausgeprägten „nine-to-five-Mentalität“ werden sich wohl nie zum Unternehmer entwickeln. Da helfen auch teure Seminare mit selbsternannten Motivations-Gurus und glühenden Kohlen nichts.

„Hat der Mensch hingegen Sinn in seiner Tätigkeit gefunden, ist er zu absoluten Höchstleistungen bereit“, versichert Fredmund Malik, Verwaltungspräsident des Management-Zentrums St. Gallen. Das kann soweit gehen, dass er seine Handlung nicht mehr bewusst kontrollieren muss. „Flow“ nennen Psychologen diesen fließenden Zustand, in denen Menschen Spitzenleistungen erbringen und die damit verbundene Erschöpfung gar nicht mehr wahrnehmen. Zugegeben: Beim Laufen stellt sich dieser Zustand häufiger ein als im Büro.

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