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Porträt Groß, cool und sächsisch: Europarekordler Stev Theloke

 ·  Er ist der Clown in der deutschen Schwimm-Mannschaft. Doch Stev Theloke hatte vor seinem EM-Gold in Berlin wenig zu lachen. Ein Porträt.

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Er ist immer leicht zu finden. Nicht nur, dass Stev Theloke mit seinen zwei Metern Körpergröße immer heraussticht - wo Stev Theloke ist, wird immer gelacht.

Auch am Abend nach seinem Europarekord über 100 m Rücken spielte er im so genannten Deutschen Haus, das der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) in einem Hotel am Alexanderplatz eingerichtet hat, mal wieder den Clown. Immer gut drauf, so will „Theo“ - wie ihn die Teamkollegen rufen - in der Öffentlichkeit gesehen werden.

Typische Theloke-Unglücke

Dabei hatte der 24 Jahre Bundeswehrsoldat zuletzt wenig zu lachen. Die sonst für die Deutschen so erfolgreiche Weltmeisterschaft in Fukuoka im vergangenen Jahr war nach seinem Erfolg von Sydney (mit zwei Mal Bronze) mit einem vierten und einem neunten Platz ein persönliches Debakel. Und eine Woche vor der EM in Berlin, bei der er das Jahr 2001 vergessen machen wollte, warf ihn ein typisches Theloke-Unglück aus der Bahn.

„Nach einer Vollbremsung mit dem Auto beim Trainingslager in Potsdam ist mir ein Rückenwirbel rausgesprungen. Die Tabletten, die ich dann nehmen musste, haben Durchfall verursacht“, berichtet der Unglücksrabe und schiebt mit einem schelmischen Grinsen hinterher. „Aber heute war es ja kein Durchfall, wie Sie sehen konnten.“

„Schtief“ vier Jahre lang im Tief

Vier Jahre ist es her, dass Stev (sächsisch ausgesprochen: „Schtief“) Theloke in New York bei den Goodwill Games in New York seinen alten Europarekord (54,43 Sekunden) aufstellte. Vier Jahre kam er nicht an die Zeit heran, immer wieder gab es Rückschläge nach kleinen Verletzungen und Erkrankungen. Im schnellen Berliner Wasser schraubte er endlich seine eigene und damit die europäische Marke um eine Hunderstel auf 54,42 Sekunden.

„Der Vorlauf war schlecht, das Halbfinale war noch schlechter, nicht wegen der Zeit, es tat einfach zu sehr weh. Wie ich gewonnen habe, weiß ich immer noch nicht“, meinte der schlaksige Sachse nach dem Rennen. „Mir ist ein Riesen-Stein vom Herzen gefallen.“

„Gewinnen ist das Beste“

Die Schmerzen im Rennen zu ignorieren, wenn die Muskeln übersäuern, das war die Erfolgsformel. „Die letzten Meter waren wie eine Ewigkeit. Da kamen die Schmerzen. Aber es kommt darauf an, diese Schmerzen, diesen inneren Schweinehund nicht zuzulassen“, sagte Theloke. Und: „So fertig war ich bisher nur einmal.“ Das war bei seinem letzten Europarekord 1998. Vorbeilassen wollte er trotz der Pein niemanden mehr. „Dafür liebe ich das Gewinnen zu sehr. Gewinnen ist sowieso das Beste.“

Auch im Alltag hat Stev Theloke seinen inneren Schweinehund überwunden. Intensive Trainingsphase mit hoher Konzentration hatten sich in der Vergangenheit immer wieder mit Wochen abgelöst, in denen er das Leben in seiner Heimatstadt Chemnitz und seinen Freunden genoss und das Training nur eine Nebenrolle spielte. „Es gibt eben nichts öderes als Schwimmtraining“, war seine Ausrede.

Der Schwimm-Clown ist ernsthafter geworden

Nach dem Fukuoka-Schock hat sich das geändert. Stev Theloke ist schlanker, durchtrainierter und zur Überraschung seiner Trainerin Ute Schinkitz auch trainingsfleißiger geworden. „Wir geben so viel für unseren Sport, ich finde dafür haben wir einen Applaus verdient“, sagte er in der internationalen Pressekonferenz.

Stev Theloke gab sogar sein liebstes Hobby auf. Ließ er sich in er Vergangenheit nur vor großen Meisterschaften den Motorradhelm von seiner Trainerin wegschließen, um nicht in Versuchung zu geraten, hat er seinen gefährlichen Zeitvertreib auf zwei Rädern mittlerweile ganz eingestellt. Sein Körper ist sein Kapital, das hat Stev Theloke mittlerweile verinnerlicht. Der Schwimm-Clown ist ernsthafter geworden.

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