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Porträt Der innere Wandel des Jermaine Jones

28.08.2005 ·  Kämpfen, grätschen, rennen, sich reinhauen - nicht jedermanns Sache im Profifußball. Aber für Jermaine Jones. Aus dem „Frankfurter Bub“ aus dem etwas düsteren Arbeiterstadtteil Bonames ist ein gestandener Mann geworden.

Von Richard Becker, Frankfurt
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Tags zuvor hatte Jermaine Jones es erst erfahren. Auf der "6" sollte er spielen gegen den 1. FC Nürnberg, seiner Traum- und Lieblingsposition. Und als er das erlösende 1:0 für die bis dahin in zwei Partien noch sieglose Frankfurter Eintracht nach einem bis dahin beiderseits recht matten Kick und damit sein erstes Bundesligator überhaupt erzielt hatte, rannte er zu Trainer Friedhelm Funkel und umhalste ihn.

Sollte heißen, recht schönen Dank. Ein "gelernter" Stürmer bedankte sich für die Rückversetzung ins defensive Mittelfeld, die ihn so weit nach vorne gebracht hatte. Dorthin, wo er sich am wohlsten fühlt. Kämpfen, grätschen, rennen, sich reinhauen - nicht jedermanns Sache im Profifußball. Aber für einen, der von Anfang an hatte kämpfen müssen einfach ideal. Tätowiert, exaltiert, undiszipliniert - der Dreiklang hielt jahrelang. Inzwischen ist aus dem "Frankfurter Bub" aus dem etwas düsteren Arbeiterstadtteil Bonames ein gestandener Mann geworden.

Kampf als Lebensinhalt

Er hat gelernt, er mußte lernen und hat dafür den Umweg über Bayer Leverkusen auf sich genommen. Das große, in allen Lebenslagen stürmisch veranlagte, inzwischen 23 Jahre alte Talent hatte seine Gaben bisweilen zu sehr ausgelebt. Er wurde nächtens beim Zug um die Häuser allzuoft erwischt, galt als schwer zügelbar, bis er der Eintracht mit einer stattlichen Ablösesumme half, etwas Geld in die klamme Kasse zu bekommen. Richtig glücklich wurde er bei Bayer nie, wo die Stars Schlange standen und ein Jungmann wie er sich unterzuordnen und hintenan zu stehen hatte.

Er schaute sich indes viel ab, lernte, mit den immer massiver werdenden Medien auch in gesetzten Worten umzugehen. "Wir wurden richtig gut geschult." Und als er während der Winterpause zurück zur Eintracht in die zweite Liga kam, war der ganz persönliche Entwicklungsprozeß zwar noch nicht ganz abgeschlossen, aber auf einem guten Weg.

In die Pflicht genommen

Nach dem Aufstieg ließ sich der gereifte Jones in die Pflicht nehmen. Neben gestandenen Profis wurde er sogar in den Mannschaftsrat berufen, seit jüngstem trägt er die Kapitänsbinde als äußeres Zeichen des inneren Wandels. "Es ist doch füralle ein Ansporn, wenn der Kapitän vornweg läuft", sagt er pflichtbewußt. "Ich will beweisen, daß manche falsch gelegen haben und bin dem Trainer auf ewig dankbar für das Vertrauen, das er in mich setzt", sagt der einstige Lautsprecher und Sprücheklopfer Jones. Er ist der legitime Nachfolger von Alexander Schur, ebenfalls ein gebürtiger Frankfurter, und auf dieser "6" ebenfalls einer jener Typen, denen der Kampf zum Lebensinhalt geworden ist.

Quelle: F.A.Z. vom 29. August 2005
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