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Pechstein-Kommentar Nebelkerzen im Doping-Sumpf

06.08.2009 ·  Schlittschuh-Queen Claudia Pechstein versuchte, mit Zahlen und Daten ihre auffälligen Messwerte zu erklären. Es gelang ihr nicht. Die Strategie im modernen Anti-Doping-Kampf heißt immer mehr: systematische Desinformation der Öffentlichkeit. Das gilt nicht nur für Sünder, auch für Anti-Doping-Agenturen.

Von Evi Simeoni
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Alles verstanden? Wem jetzt der Kopf schwirrt vor lauter Zahlen und Tabellen, vor amtlichen Schreiben, Analysepannen und verwechselten Barcodes, der sollte am besten gar nicht mehr weiter so en detail nachdenken über unsere Schlittschuh-Queen. Denn irgendwann, wenn er sich ganz viel Zeit und Mühe gibt, versteht er vielleicht, was Claudia Pechstein und ihre Entourage in einer im Fernsehen übertragenen, hochkomplizierten Pressekonferenz zur Entlastung der Doping-Verdächtigen alles vorgetragen haben. Aber wenn er es dann verstanden hat, wird er sich an den Kopf greifen und ausrufen: Welche Verschwendung meiner Intelligenz! Welche Anhäufung von überflüssigem Wissen!

Eigentlich ist nur eine einzige Erkenntnis aus alldem Wust von Einzelheiten beachtenswert: Claudia Pechstein ist es nicht gelungen, die auffälligen Messwerte zu erklären, die bei ihrer Verurteilung durch die Internationale Eislauf-Union als Doping-Indizien anerkannt wurden. Sie blieb den Nachweis einer körperlichen Ursache schuldig. Um diese doch noch zu finden, verlangte sie wiederum eine sechswöchige Untersuchungsreihe unter Aufsicht der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada. Deren Aufgabe ist aber das Betreiben eines vernünftigen Kontrollsystems und von Präventionsmaßnahmen. Es ist nicht ihre Aufgabe, Doping-Verdächtige, womöglich noch auf eigene Kosten, für ein Berufungsverfahren reinzuwaschen.

Aber natürlich darf jeder Angeklagte - und muss jeder Verteidiger - versuchen, auf dem Weg zum Gericht das Beste aus seiner Situation zu machen. Dazu gehört, dass man, besonders als Sportstar, erst einmal versucht, die öffentliche Meinung auf seine Seite zu ziehen. Aber auch sonst ist es im modernen Anti-Doping-Kampf, in dem es selten um Wahrheitsfindung und meistens um Krisenkommunikation geht, inzwischen allgemein üblich geworden, erst einmal ein paar Nebelkerzen in die Arena zu werfen. Die Strategie heißt: systematische Desinformation der Öffentlichkeit.

Allerdings ist schwer herauszufinden, wer das eigentlich bei wem abgekupfert hat. Denn die Anti-Doping-Agenturen haben die gleiche Vernebelungsstrategie im Repertoire wie die Dopingsünder. Nehmen wir zum Beispiel unsere Nada in Bonn. Erst jüngst hat sie wieder darauf hingewiesen, wie wunderbar die Organisation der Trainingskontrollen im deutschen Fußball doch laufe. Alles sei nun in bester Ordnung. Und das ist auch nötig zu betonen.

Schließlich hat vor einem Dreivierteljahr Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes, für einen weltweiten Aufschrei der Empörung gesorgt, als er forderte, seine gestressten Sportler sollten doch während ihres verdienten Urlaubs nicht von Doping-Kontrolleuren belästigt werden. Die Anti-Doping-Kämpfer protestierten zunächst, und gelobten, stark zu bleiben. Die glorreiche Nichtlösung sieht nun so aus: Fast alle Profis im deutschen Testprogramm können während ihres Urlaubs auch Urlaub von den Doping-Kontrolleuren nehmen. Nur ein paar Nationalspieler müssen angeben, wo sie im Testfall zu finden wären.

Ist das nicht ein Grund zum Feiern? Vielleicht zusammen mit Claudia Pechstein. Auf solch einer großen PR-Party gäbe es viel zu erzählen darüber, wie man dem Publikum am besten eine lange Nase dreht. Eigentlich ein wunderbarer Grund, einander einmal reinen Wein einzuschenken, unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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