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Paralympics Kleines Team, ehrgeizige Ziele

08.03.2010 ·  Deutschland schickt ein kleines Team zu den Paralympics nach Vancouver. Im Eis und Schnee sind die Ambitionen dennoch groß: Der zweite Platz von Turin in der Nationenwertung soll verteidigt werden.

Von Arne Leyenberg, Frankfurt
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Als das letzte unerwartete Hindernis auf dem Weg nach Vancouver beseitigt war, folgte die Kampfansage von Frank Höfle. „Wir haben alles generalstabsmäßig geplant, wir alle sind in der Form unseres Lebens“, sagte der Aktivensprecher des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) am Montag vor dem Abflug zu den Paralympischen Winterspielen. Der sehbehinderte Langläufer und Biathlet Höfle hatte am Frankfurter Flughafen einen seit vier Jahren abgelaufenen Reisepass vorgelegt. Die Bundespolizei half mittels provisorischer Dokumente aus.

Am Montag reisten mit sieben nordischen Skisportlern die letzten deutschen Athleten zu den zehnten Paralympischen Winterspielen nach Vancouver und Whistler ab, die diesen Freitag beginnen und bis 21. März dauern werden. Die alpinen Skisportler blieben nach dem Weltcup in Aspen im März gleich in Nordamerika, auch das Curling-Team ist schon in Vancouver. Für die fünfte Sportart der Paralympics, das Sledge-Eishockey, konnten sich die Deutschen nicht qualifizieren.

2006 gingen bei den Paralympischen Spielen 35 deutsche Sportler an den Start, nun sind es nur noch 20. Deren Auftrag ist klar: den zweiten Platz der Nationenwertung von Turin hinter Russland zu verteidigen. „Wir zählen zu den Favoriten“, sagte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher vor der Reise. Nicht nur soll ein zahlenmäßig reduziertes DBS-Team die Ausbeute von Turin – achtmal Gold sowie je fünfmal Silber und Bronze – möglichst wiederholen. Auch die Konkurrenz ist härter geworden. „In vielen Ländern hat es im Behindertensport eine Leistungsexplosion gegeben“, befand Beucher, der neidisch auf die Ukraine schaut. „Dort herrschen Bedingungen, die wir uns wünschen. Dort sind alle Sportler Vollprofis.“ Der 42 Jahre alte Höfle, der seit 1984 13 Goldmedaillen bei Paralympischen Winterspielen gewinnen konnte, arbeitet als Controller in einer Blindenschule. „Gold wird ganz schwer“, sagte er.

Damit die deutschen Athleten konkurrenzfähig bleiben, kämpft Präsident Beucher um Geld. Wiederholt wies er in den vergangenen Wochen auf ein „Ungleichgewicht“ bei den Prämien hin. Während die Deutsche Sporthilfe für einen Olympiasieg 15 000 Euro auszahlt, erhält ein Goldmedaillengewinner der Paralympics 4500 Euro. „Das muss sich ändern“, sagte er. „Die Prämien sollten angeglichen werden“, findet auch Verena Bentele. Die blinde Langläuferin und Biathletin kämpft in Vancouver um ihre achte Goldmedaille bei Paralympischen Spielen. Nach den Paralympics will der Präsident mit dem Vorsitzenden der Sporthilfe, Werner Klatten, und Geschäftsführer Michael Ilgner über eine Lösung des Problems verhandeln.

Beucher weiß jedoch auch, dass Geld nicht alles ist. „Wir brauchen mehr Nachwuchsarbeit.“ Denn nach den Spielen von Vancouver wird es einen Umbruch im deutschen Team geben. Neben Höfle und Bentele werden die alpinen Skisportler Gerd Schönfelder und Martin Braxenthaler, die es zusammen auf 19 paralympische Goldmedaillen bringen, ihre Karrieren beenden.

Von Freitag an berichtet FAZ.NET täglich von den Winterspielen der Behindertensportler aus Vancouver.

Quelle: F.A.Z.
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