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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Paralympics Fröhliches Wettrüsten

 ·  Die „großartigsten Paralympics“ der Geschichte sind zu Ende. So wunderbar die Veranstaltung war, so sehr dürften beklemmende Fragen zur Debatte stehen.

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© dpa So soll es sein: Spiele der Freude und nicht der Diskussionen

Die Briten haben sich und die Sportwelt noch einmal verblüfft. Den wunderbaren olympischen Wochen folgten Festtage des Behindertensports, wie es sie in der Geschichte der Paralympics noch nicht gegeben hat. Zwar war schon Peking 2008 mit dem Anspruch angetreten, Spiele mit demselben Glanz wie bei Olympia zu bieten, und hatte diesen in puncto Organisation und Professionalität auch pflichtbewusst erfüllt.

Was in London aber hinzukam, war wie schon unter dem Zeichen der fünf Ringe das Fluidum eines von Neugier, Sportsgeist und Leidenschaft getriebenen Publikums, dem diese Spiele eine Herzensangelegenheit waren. Hinter der nackten Zahl der rund 2,7 Millionen verkauften Tickets verbarg sich manches Erlebnis der besonderen Art in den vollgepackten Arenen.

So eine Bühne und so viel Leben hatte der Behindertensport noch nie. Und doch ist es keine sorglose Zukunft, vor der die Paralympics stehen. Mehr denn je stellt sich die Frage, ob mit wachsender Bedeutung und wachsender Aufmerksamkeit nicht auch die Versuchung steigt, den eigenen Leistungen und damit dem Erfolg ein wenig auf die Sprünge zu helfen.

Frage der Gerechtigkeit

Doping-Auffälligkeiten im klassischen Sinn gab es zwar lediglich bei den Powerliftern, einer Spezies, die innerhalb der paralympischen Welt ohnehin alle paar Wochen auf der Sünderliste auftaucht. Dafür aber rückten andere Arten der Manipulation in den Fokus. Kurz vor Beginn der Spiele sorgte eine BBC-Sendung, die dem Thema Boosting gewidmet war, für ein beklemmendes Gefühl bei manchem arglosen Beobachter.

Unter diesen Begriff fallen allerlei unappetitliche Praktiken, dem eigenen Körper Verletzungen zuzufügen, um Blutdruck und Herzfrequenz künstlich zu steigern - bei Querschnittsgelähmten sind die natürlichen Mechanismen gestört. Bei einer anonymen Untersuchung des Internationalen Paralympischen Komitees 2008 in Peking räumten 17 Prozent der 99 Befragten ein, das verbotene, aber schwer nachzuweisende Boosting schon einmal ausprobiert zu haben.

Hier bleibt bis auf weiteres nur eine gruselige Vorahnung. Ganz real dagegen ist das Thema, das Athleten wie Oscar Pistorius oder Wojtek Czyz aufgeworfen haben. Über die Rolle, die technische Hilfsmittel im Wettkampf spielen, wurde schon vorher immer wieder diskutiert; die Sportler aber hielten sich dabei lange zurück. Aus gutem Grund: Die Paralympics leben auch von der Illusion, dass es bei den Wettkämpfen gerecht zugeht.

Je mehr aber die vielenhttp://www.faz.net/aktuell/sport/paralympics-2012/paralympics-fair-und-ungerecht-11882587.htmlhttp://www.faz.net/aktuell/sport/paralympics-2012/paralympics-fair-und-ungerecht-11882587.html, der Einteilung der Klassen und eben auch bei der Nutzung technischer Hilfen zum Gesprächsthema werden, desto mehr steht der sportliche Wert der Wettkämpfe in Frage. Die Frage, ob sich das Publikum, das die Paralympics für sich entdeckt hat, davon wirklich beeindrucken lässt, ist zwar noch nicht beantwortet. Vielleicht behielten die Spiele auch so ihren Reiz. Die Stimmen innerhalb der Mannschaften, die klarere Regeln und schärfere Kontrollen fordern, legen jedoch eines nahe: Das paralympische Wettrüsten hat längst begonnen.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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