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Paralympics : Der mit dem Ski schläft: Thomas Oelsner

  • Aktualisiert am

Mit „Grimmer Mütze” und Lillehammer-Ski zu Gold: Thomas Oeslner Bild: dpa

Biathlon- und Langlauf-Goldmedaillengewinner Thomas Oelsner vertraut bei den Paralympics seinen Skiern von 1994 und einer Mütze von 1956.

          Thomas Oelsner ist nicht nur Aktivensprecher der deutschen Mannschaft bei den Paralympics in Salt Lake City, sondern auch einer der erfolgreichsten Medaillensammler.

          Der 31-Jährige Oberhofer fügte seinem Auftakt-Sieg im Biathlon über 7,5 Kilometer am Sonntag eine weitere Goldmedaille über 5 Kilometer Langlauf im klassischen Stil hinzu.

          Langlauf-Ski dürfen mit ins Bett

          Als Schlüssel zum Erfolg nennt Oelsner seinen Sinn für Traditionen. So schwört er noch immer auf seine Erfolgs-Ski von Lillehammer, wo er bei seiner Paralympics-Premiere 1994 schon drei Mal Gold gewann. „Der Ski hat zwar schon einige Kratzer, doch er ist nach wie vor unheimlich schnell“, so der mit einem gelähmten Arm laufende Ausnahme-Athlet, der in Salt Lake City noch drei weitere Goldmedaillen anpeilt: „Ich bin so gut drauf wie nie.“

          Oelsner, der sich selbst als ein „Material-Fetischist“ bezeichnet, steht zu seinen Macken: Er küsst nach den siegreichen Zieleinläufen nicht nur seine Langlaufski - nein, er schläft sogar mit den Brettern, die den Erfolg bedeuten. „Die Ski wohnen bei mir. Nach einem Sieg küsse ich erst die Service-Leute, dann alle Freunde und dann meine Latten. Auch mein Gewehr wird geputzt, gepflegt und steht neben meinem Bett.“

          Training mit den Oberhofer Kollegen

          Wie die nichtbehinderten Biathleten Frank Luck, Sven Fischer und Peter Sendel kommt auch „Oelse“ vom WSV Oberhof. „Dort habe ich die allerbesten Bedingungen. Ab und zu kann ich auch mit den Jungs zusammen trainieren, was noch einmal besonders motiviert.“

          Es gab aber auch eine Zeit, da wollte sich der kontaktfreudige Athlet am liebsten verstecken. Das war nach einem schweren Motorradunfall 1991: „Mein Arm war gelähmt. Ein Jahr habe ich nur rumgehangen, bis mich Freunde schließlich zurück in die Loipe prügelten“, erinnert sich der der damalige Sportsoldat der Bundeswehrfördergruppe im Langlauf.

          „Gar nichts“ - „Das ist ja wunderbar“

          1993 trainierte zufällig die Behinderten-Nationalmannschaft in Thüringen. Begleitläufer Ulrich Zipfel, den er noch aus gemeinsamen Langlauf-Zeiten kannte, traf ihn in der Loipe und empfahl ein Gespräch mit dem damaligen Bundestrainer Jörg Hausberger. Dieser fragte spontan, was er noch mit dem Arm machen könne. Oelsner bedrückt: „Gar nichts.“ Und die Antwort des Coaches: „Das ist ja wunderbar.“

          Vier Tage trainierte er mit dem Team und prompt wurde er für die Europameisterschaft nachgemeldet. Dort holte der Senkrechtstarter zwei Goldmedaillen. „Damals hatte ich gegenüber den Biathleten sogar ein bisschen rumgefrotzelt, wenn es bei Luck und Co. mal nicht so lief. Ich habe eine Medaille und ihr nicht“, so Geographie- und Lehramtsstudent Oelsner.

          Viele Tricks für die Goldmedaille

          Der Mann, der mit dem Ski schläft, wendete für den ersten Sieg im klassischen Stil in seiner nunmehr neunjährigen Karriere noch einen anderen Trick an. Die Originalausgabe der zu DDR-Zeiten legendären „Grimmer Mütze“ hat ihm zum Olympiagold im 5-km-Langlauf verholfen. „Mir ist das gute Stück vor Beginn der Spiele über etliche Umwege als Glücksbringer übergeben worden. Anscheinend hat es nichts von seiner Wirkung verloren“, würdigte „Oelse“ die Wirkung der blauen Pudelmütze.

          Die ausgeblichene, einst himmelblaue Mütze mit weißer Bommel war erstmals bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d'Ampezzo von Cuno Werner getragen worden. Dieser gab sie später als Trainer an den Biathleten Gerhard Grimmer weiter, der das gute Stück jahrelang für seine zahlreichen Erfolge verantwortlich machte.

          Kultmütze ging über viele Köpfe

          Nachdem die gesamte DDR-Nationalmannschaft mit Kopien der Mütze ausgestattet worden war, erreichte sie in kürzester Zeit Kultstatus und wurde zum heißbegehrten Objekt auf dem Schwarzmarkt. „Sie hat mir Glück gebracht“, meint nun auch Oelsner, der den Talisman von seinem Trainer Ralph Schmidt geschenkt bekam. Dessen Vater hatte die von Grimmer irgendwann „entsorgte“ Mütze gefunden und seinem Sohn für Oelsner mit nach Utah gegeben.

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