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Olympia-Kommentar : Unter den Augen der Welt

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon (links) und IOC-Präsident Thomas Bach Bild: AP

Vor Olympia genügt es nicht, sich von Verletzungen der Menschenrechte und den Problemen seines Gastgebers zu distanzieren. Das IOC könnte mit seinem Einfluss und seinem Geld unendlich viel Gutes erreichen.

          Der Generalsekretär der Vereinten Nationen weiß genau, welch ein wertvolles Instrument Olympia ist. Es gibt zwar gute Argumente dafür, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) seine XXII. Winterspiele nicht in Wladimir Putins Hände hätte geben dürfen.

          Aber die Spiele in Sotschi haben Ban Ki Moon auch Gelegenheit gegeben, an Ort und Stelle mit voller Wucht gegen die Diskriminierung von Homosexuellen in Russland zu schießen und damit den Staatspräsidenten zu treffen. Und weltweite Aufmerksamkeit war ihm am Tag vor der Eröffnungsfeier sicher.

          Ban hat es bei seiner Rede vor der 126. IOC-Vollversammlung gesagt: Es gibt nicht viele Gelegenheiten, zu denen sich Menschen aus aller Welt zusammenfinden, ohne dass es um Krieg, Armut oder andere Desaster geht. Olympia hat Zugang zu enorm vielen Menschen, es erhält globale Aufmerksamkeit und liefert der ganzen Welt Gesprächsstoff.

          Um so größer ist die Verantwortung des IOC. Es könnte mit seinem Einfluss und seinem Geld unendlich viel Gutes erreichen – und erreicht dies auch oft, zum Beispiel mit seinem wenig beachteten Solidaritätsprogramm. Doch wenn der neue Präsident Thomas Bach die gesellschaftliche Bedeutung des IOC wirklich ausbauen will, genügt es nicht, sich allgemein von den Menschenrechtsverletzungen – und den Problemen – seines Gastgebers zu distanzieren.

          Der Zeitplan der Olympischen Winterspiele in Sotschi

          Auf konkrete Aussagen, dass man künftig die politischen Standards von Bewerbern kritischer unter die Lupe nehmen wolle, warten auch Sportler bisher vergeblich. Auch bei der Session berührte keine einzige der sage und schreibe 210 Wortmeldungen zur Zukunft des IOC dieses heikle Thema.

          Angesichts der moralisch aufgeladenen Attitüde der Olympier, und bei allem moralischen Druck auf sie, darf nicht vergessen werden, dass ihr Kerngeschäft ein ganz anderes ist: Der Leistungssport ist, grob gesagt, ein Verdrängungswettbewerb, zu dem Länder ihre hochspezialisierten Egoisten schicken.

          Es gibt eine erschreckende Diskrepanz

          Er ist so populär, weil viele Menschen darin ihre alltägliche Lebenswirklichkeit wiedererkennen. Die Tatsache zum Beispiel, dass das unbeherrschbare Doping-Problem die pädagogische Wirkung der Spiele konterkariert, findet in diesen Tagen viel zu wenig Beachtung. Dass ein profilierter Doping-Experte wie der Mainzer Perikles Simon glaubt, dass 60 Prozent der Starter von Sotschi ihre Leistung mit pharmakologischer Hilfe steigern, stärkt nicht gerade das Wunschbild von einer charakterlichen Elite auf den Siegerpodesten.

          Zwischen dem, was Olympia ist, und dem, was Olympia sein will, gibt es eine erschreckende Diskrepanz. Wenn Thomas Bach die beschädigte Glaubwürdigkeit seines IOC reparieren will, muss er es schaffen, diese fast unvereinbar scheinenden Gegensätze zu verbinden.

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