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Olympia in Sotschi : Wer ist der Herr der Spiele?

Gewaltige Herausforderung: Bei seinen ersten Olympischen Spielen steht IOC-Präsident Thomas Bach unter Beobachtung Bild: dpa

Die Olympischen Winterspiele in Sotschi sind in der öffentlichen Wahrnehmung zu einem Problemfall geworden. Schon vor dem Beginn steht der neue IOC-Präsident Thomas Bach unter Druck.

          Als das Fest vorbei ist, wirkt Thomas Bach am glücklichsten. Gerade ist ihm Lord Sebastian Coe um den Hals gefallen, der Cheforganisator der Olympischen Spiele von London 2012; die deutschen Sportstars Franz Beckenbauer und Katarina Witt, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Wolfgang Niersbach, haben minutenlang in einer langen Schlange gestanden, um Bach zum Abschied die Hand zu schütteln.

          Der Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder und der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher haben die Stadthalle von Tauberbischofsheim schon verlassen. Nun hat der Mann, der seit dem 10. September 2013 der wichtigste Sportfunktionär der Welt ist, Zeit für Freunde aus alten Tagen. Er setzt sich wieder, in die Runde der alten Männer vom Fecht-Club.

          Bach ist noch einmal zu Hause an diesem 10. Januar, noch einmal in Tauberbischofsheim. Hier hatte sein Aufstieg zum Fechtolympiasieger begonnen, jetzt hat seine Heimatstadt dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zum 60. Geburtstag gratuliert. Bach hat viel gelacht an diesem Vormittag.

          Aber jetzt, im Kreis seiner alten Bekannten vom FC TBB, scheint für ihn der schönste Moment des Tages gekommen. Eben hat Bach noch eine improvisierte Pressekonferenz gegeben, ein paar Fernsehteams drehten, sie haben die Prominenten gefilmt, Geburtstagsatmosphäre eingefangen. Als die Bilder im Kasten sind, stellen die Reporter doch noch eine Frage, die Frage schlechthin: „Was ist mit Sotschi?“

          „Heute reden wir nur über die tolle Party hier“

          Anfang Januar kann Bach noch über das Thema hinweglächeln. Er sagt: „Heute reden wir nur über die tolle Party hier, nicht über die nächste Party.“ Drei Wochen ist das her. Die Frage ist geblieben, und seitdem ist der Druck gestiegen, Tag für Tag. Bach ist nicht mehr daheim im vertrauten Tauberbischofsheim. Er trägt die Verantwortung für die Winterspiele am Schwarzen Meer, selbst wenn sie unter seinem Vorgänger Jacques Rogge vergeben wurde, vor sechseinhalb Jahren in Guatemala-Stadt.

          Der russische Präsident Wladimir Putin flog damals ein. Das IOC war beeindruckt und wählte entsprechend: „Das Internationale Olympische Komitee hat die Ehre bekanntzugeben, dass die 22. Olympischen Winterspiele an die Stadt Sotschi vergeben wurden“, sagte Rogge damals. Jetzt sind es Bachs Spiele.

          Der Zeitplan der Olympischen Winterspiele in Sotschi

          Ehre? Party? Außerhalb Russlands fallen diese Worte auf Anhieb nicht vielen Menschen zum Stichwort Sotschi ein. Selbst Sportlern nicht. Ted Ligety, der amerikanische Skifahrer, nennt die Vergabe „armselig“, der deutsche Slalomstar Felix Neureuther spricht vom „definitiv falschen Weg“, die Schweizer Abfahrerin Lara Gut fragt: „Wieso muss man das Ganze so weit treiben?“

          Die Terrorgefahr, die Ausbeutung der Arbeiter, das Anti-Homosexuellen-Gesetz, die Umweltzerstörung setzen den gesellschaftspolitischen Rahmen der ersten Spiele, für die nun erstmals ein deutscher IOC-Präsident Verantwortung trägt.

          „Jeder hat Gelegenheit, seinem Protest Ausdruck zu verleihen“

          Auch die Protestzonen beschäftigen Bach. 18 Kilometer entfernt vom Olympiastadion, im Dorf Khosta, haben Sotschis Olympiaplaner ein Areal für Demonstranten eingerichtet, nach vorheriger Genehmigung durch Stadtverwaltung und russisches Innenministerium sollen dort Proteste erlaubt werden, sofern sie nichts mit den Spielen zu tun haben.

          Als der Plan Mitte Dezember bekannt wurde, dass es in Sotschi ähnlich zugehen werde wie vor sechs Jahren in Peking bei den Sommerspielen unter der Führung des chinesischen Regimes, hatte Thomas Bach gesagt: „Wir begrüßen das. Nun hat jeder Gelegenheit, seinem Protest Ausdruck zu verleihen.“ Wladimir Putin hatte vorher Proteste in der Zeit zwischen Januar und März per se verboten. Bach hält die Einrichtung von Protestzonen daher für einen Fortschritt.

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