Home
http://www.faz.net/-g8e-15ikr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
 

Magdalena Neuner Zwei Goldmedaillen machen Neuner müde

 ·  Die überragende Biathletin dieser Winterspiele will auf einen Start in der Staffel verzichten - und sorgt damit für Verwunderung bei den Journalisten und Anerkennung bei den Kolleginnen.

Artikel Bilder (12) Video (1) Lesermeinungen (9)
© afp Vergrößern Magdalena Neuner: Zwei Goldmedaillen machen Neuner müde

Urplötzlich war Gold-Lena nur noch Olympia- Touristin. „Für mich sind die Olympischen Spiele beendet. Ich werde die Staffel nicht laufen. Ich bin vom Kopf her ganz schön müde“, sagte Magdalena Neuner am Sonntagabend. Nur wenige Stunden nach ihrem Triumph im Massenstart gab sie dem deutschen Biathlon-Team einen Korb. Doch auch ohne die zweimalige Olympiasiegerin soll am Dienstag (20.30/MEZ) der Staffelsieg her.

Nun sollen Martina Beck, Andrea Henkel, Bronze-Medaillengewinnerin Simone Hauswald und Kati Wilhelm richten. „Wir wollen Gold, aber die anderen auch“, sagte Frauen- Bundestrainer Uwe Müssiggang. Neuner beschränkt sich aufs Daumendrücken: „Ich gönne ihnen die Medaille von Herzen.“ Für seinen müden Schützling Neuner zeigte Müssiggang großes Verständnis. „Das ist weder eine Ego-Nummer noch eine große Geste, sondern sehr fair“, sagte er.

Schließlich habe Neuner bei den Winterspielen mit zweimal Gold und einmal Silber alles erreicht. „Für mich haben sich mehr als alle Träume erfüllt. Für mich ist es die richtige Entscheidung. Es muss ja keiner verstehen“, meinte die 23-Jährige. Von Neuners Seite aus sei es der richtige Entschluss, sagte Müssiggang und lobte: „Sie ist sehr, sehr reif geworden.“

Hatte sich Neuner nach ihrem zweiten Olympiagold noch „ganz einfach auf die Staffel gefreut“, war das wenig später völlig überraschend ganz anders. „Ich habe den Mädels gesagt, dass ich auf meinen Startplatz verzichten werde, weil ich meine Medaillen schon gewonnen habe“, erklärte sie knapp sieben Stunden später. „Es gibt noch drei bei uns in der Mannschaft, die keine Medaille haben. Am schönsten ist es für das ganze Team, wenn jede eine Medaille mit heim nimmt.“

„Stark von Dir“

Die Reaktion der Kolleginnen, erzählte Neuner und lächelte dabei, sei eher so gewesen, dass „sie gesagt haben: Stark von dir.“ „Das hat es noch nie gegeben, dass eine zweimalige Olympiasiegerin auf einen Start in der Staffel verzichtet. Hut ab vor ihrer Entscheidung“, meinte Hauswald, die bei Neuners zweitem Triumph Bronze gewonnen hatte. „Ich kann es verstehen, die Lena hatte in den letzten Tagen einigen Rummel zu überstehen.“

Schon bei der Siegerehrung auf der „Medals Plaza“ stand Deutschlands Biathlon-Glamour-Girl nachdenklich auf dem Siegerpodest. „Irgendwie fällt es schwer, sich zu freuen“, sagte sie später. Unmittelbar nach zweiten Sieg, den sie erst durch ein fehlerfreies letztes Schießen perfekt gemacht hatte, konnte die 23-Jährige ihre Emotionen kaum zeigen. Stattdessen übte sie sich als scharfe Olympia- Kritikerin. „Ich finde es schade, dass in Deutschland immer nur Gold zählt“, sagte sie. Und an die Adresse der kanadischen Olympia- Veranstalter gerichtet schimpfte sie: „Auf Deutsch gesagt, man wird hier eigentlich nur herumgezerrt, herumgereicht. Man wird schlimmer behandelt als ein Schaf, das zum Schlachten geführt wird.“

„Ich weiß nicht, ob sie sich später nicht ärgert“

In der Loipe und am Schießstand hatte sie hingegen aufgetrumpft. „Hey, hallo da vorne, ihr wollt doch auch, dass ihr umfallt“, beschrieb sie ihr Vorgehensweise am Schießstand. Nachdem sie stehend die letzten fünf Scheiben abgeräumt hatte, ging es zusammen mit Hauswald und der späteren Silbermedaillen-Gewinnerin Olga Saizewa aus Russland auf die letzten der 12,5 Kilometer. „Ich habe nur innerlich gerufen, Lena nimm mich mit“, sagte Hauswald. „Und ich habe immer gedacht, hey Simi bleib da“, meinte Neuner.

„Wenn man die Möglichkeit hat, noch mehr Siege zu holen, dann sollte man die meiner Ansicht nach wahrnehmen. Ich weiß nicht, ob sie sich da im Nachhinein nicht ärgert“, stellte der viermalige Bob-Olympiasieger Kevin Kuske fest. „Das muss man jederzeit akzeptieren“, meinte dagegen Langlauf-Chef Jochen Behle, der Neuner vor den Winterspielen sogar angeboten hatten, in seiner Frauen-Staffel dabei zu sein.

Neuner freut sich nun darauf, die zweite Olympia-Woche ganz privat zu genießen. „Ich will unbedingt einmal zu den Alpinen“, beschrieb sie ihre Pläne. „Außerdem soll Vancouver wunderschön sein. Und wenn man schon einmal in der Nähe ist, sollte man es sich auch anschauen.“ Einmal wird die Wallgauerin aber doch noch die große Olympia-Bühne betreten. „Bei der Abschlussfeier bin ich definitiv dabei. Darauf freue ich mich riesig.“

Damen, 12,5 km Massenstart:
Gold: Magdalena Neuner (Wallgau) 35:19,6 Min./2 Schießfehler

Silber: Olga Saizewa (Russland) + 0:05,5/1
Bronze: Simone Hauswald (Gosheim) + 0:07,3/2
4. Olga Medwedzewa (Russland) + 0:21,2/0; 5. Teja Gregorin (Slowenien) + 0:29,4/1; 6. Darja Domratschewa (Weißrussland) + 0:33,6/1; 7. Sandrine Bailly (Frankreich) + 0:42,4/2; 8. Anastasiya Kuzmina (Slowakei) + 0:43,3/3; 9. Andrea Henkel (Großbreitenbach) + 0:53,9/1; 10. Helena Jonsson (Schweden) + 0:56,3/2; ...25. Kati Wilhelm (Zella-Mehlis) + 3:18,1/5

Quelle: FAZ.NET/sid
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren (0) Merken Drucken

22.02.2010, 18:32 Uhr

Weitersagen

Angst vor Ecclestones Erbe

Von Christoph Becker

Bernie Ecclestone hat sich mit Herrschaftswissen ein Monopol aufgebaut, dessen Zeit unabhängig von Prozess in München abgelaufen ist. Die Zukunft der Formel 1 sollte besser heute als morgen beginnen - ohne ihn. Mehr 1 5