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Hannes Dotzler : Der Mann mit dem Langlauf-Gen

Auf dem Weg in die vorderste Reihe: Hannes Dotzler (Mitte) Bild: dpa

Hannes Dotzler ist ein Aufsteiger im deutschen Skilanglauf-Team. Der Vater hat als Heimtrainer seinen Anteil daran, dass der Sohn am Sonntag (11 Uhr) im Skiathlon bei den Winterspielen starten kann.

          Talent. Was ist das eigentlich? Und woher kommt es? Bei Hannes Dotzler lässt sich zumindest die zweite Frage leicht beantworten. Wenn einer so etwas wie ein Langlauf-Gen besitzt, dann ist es der 23 Jahre alte Sonthofener. Schon die Großeltern haben Wettkämpfe auf den schmalen Latten bestritten, und seine Eltern haben die Tradition fortgesetzt. Vater Stefan zog seine Spuren 1984 und 1988 im Schatten von Jochen Behle in den olympischen Schnee, Mutter Sabine lief zumindest zeitweise in der deutschen Spitzenklasse mit. Beide sind heute Trainer am Stützpunkt Oberstdorf.

          Stefan Dotzler ist in der zweiten Saison für die Frauen-Nationalmannschaft zuständig, seine Frau für den B-Kader. Und jetzt ist mit Sohn Hannes der Dotzler der dritten Generation so weit: An diesem Samstag hat er im Langlaufzentrum Laura Olympia-Premiere. Und der Vater, zudem sein Heimtrainer, ist mit dabei. „Vater und Sohn bei Olympia, das ist schon ein Traum“, sagt Hannes Dotzler. „Ein Traum für die ganze Familie“, ergänzt sein Vater.

          Der Zeitplan der Olympischen Winterspiele in Sotschi

          Bei so viel elterlicher Veranlagung und Kompetenz hat der Sohn doch wohl nie eine Chance gehabt, irgend etwas anderes zu werden als Langläufer. Das ist die Stelle, an der Hannes Dotzler einhakt. „Ich bin schon ein bisschen vorbelastet“, sagt er, „aber meine Eltern haben mich nie in eine Richtung gedrängt.“ Selbstverständlich hat er mit einem Jahr, als er gerade laufen konnte, auch schon auf Ski gestanden, aber er hat vieles ausprobiert: Fußball, Mountainbike, Ski alpin, Triathlon. Erst mit 13, 14 Jahren ist dann die Entscheidung gefallen - für Langlauf. War doch klar.

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          Was aber nicht heißt, dass der Vater auch sein Vorbild ist. „Ich finde es falsch, sich da auf eine Person festzulegen“, sagt Dotzler junior: „Es geht darum, sich von Leuten, die besser sind, etwas abzuschauen.“ Von seinem erfahrenen Zimmergenossen Tobias Angerer zum Beispiel. „Der Tobi hat großartige Dinge erreicht“, sagt Hannes Dotzler über den 36 Jahre alten Vachendorfer, der Gesamt-Weltcupsieger war, die Tour de Ski gewonnen hat, von Olympischen Spielen zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen mitgebracht hat und nach der Saison Schluss macht. Wie auch Axel Teichmann und Jens Filbrich, mit Angerer die großen drei des deutschen Langlaufs, die eine Erfolgs-Ära geprägt haben.

          In die vorderste Reihe

          Ein Generationenwechsel steht an, und der befördert Dotzler demnächst in die vorderste Reihe. „Bislang waren wir jungen Athleten in einer guten Situation“, sagt er. Weil sie im Schatten heranwachsen, ohne Druck reinschnuppern konnten in die große Langlauf-Welt. „Die Medien, die Erwartungen - alles hat sich auf die Älteren konzentriert“, sagt Hannes Dotzler. „Es wird schwierig, diese Lücke zu schließen, aber wir sind gewappnet.“ Immerhin hat der Sonthofener im Januar für einen Paukenschlag gesorgt: Zweiter über 15 Kilometer klassisch bei der Tour-de-Ski-Etappe in Lenzerheide.

          Es war das Ticket für Sotschi, wo Dotzler am Sonntag (11 Uhr/ live im ZDF und F.A.Z.-Olympia-Liveticker). Aber nicht der Eintritt in die Weltklasse. Dotzler junior weiß das realistisch einzuschätzen. „Ich bewege mich eher zwischen Platz 10 bis 15.“ Ausreißer nach oben sind nicht ausgeschlossen, aber deswegen „zähle ich bestimmt nicht zu den Medaillenkandidaten“. Da gibt es mit Petter Northug, Dario Cologna oder Alexander Legkow ganz andere Kaliber. „Nein, ich sehe Sotschi mehr aus der Lernperspektive.“ Was nichts daran ändert, dass sich Hannes Dotzler in den vergangenen drei, vier Jahren beständig weiterentwickelt hat.

          Daran hat Vater Stefan als Heimtrainer natürlich seinen Anteil. Das betrifft vor allem die Grundlagen im Sommer, alles andere, die Lehrgänge, findet unter der Regie von Männer-Trainer Andreas Schlütter statt. Eine Mischung, die Dotzler junior durchaus zu schätzen weiß. „Es ist immer besser, wenn man verschiedene Meinungen hört“, sagt Dotzler. Auch für den eigenen Denkprozess.

          Platz 29 für Platz eins im Familien-Ranking

          So ein Vater-Sohn-Verhältnis ist ja nicht immer ganz einfach, und wenn dann noch die Trainer-Athlet-Konstellation hinzukommt, kann es bisweilen ganz schön kompliziert werden. „Wenn man den ganzen Tag aufeinanderhockt, nimmt man Streitpunkte, die es privat zwischen Vater und Sohn gibt, mit ins Training und umgekehrt“, sagt Dotzler junior und ist froh, dass das der Vergangenheit angehört. Das frühere Reizthema Schule ist längst vergessen, und dass Hannes Dotzler mittlerweile mit seiner Freundin sein eigenes Leben führt, wirkt sich ebenfalls positiv aus. Man läuft sich eben nicht mehr ständig über den Weg. Die Trennschärfe stimmt wieder. „Im Training geht er mit mir professionell um wie mit jedem Sportler. Zu Hause ist er dann wieder Vater“, sagt Dotzler junior. Dotzler senior geht noch einen Schritt weiter: „Wenn ich genau überlege, habe ich mit Sebiastian Eisenlauer sogar etwas mehr Kontakt als zu meinem Sohn.“

          Wobei Hannes Dotzler die liberale Haltung seines Trainer-Vaters schätzt: „Es zeichnet ihn als Trainer aus, dass er die Meinung des Sportlers wissen und auf Augenhöhe diskutieren will. Von daher harmonieren wir relativ gut.“ Man ist um professionelle Distanz bemüht, manchmal vielleicht etwas zu demonstrativ. Das gilt auch in Sotschi: „Wir sehen uns mal bei Trainingsbesprechungen und Teammeetings, ab und zu mal beim Essen. Aber ich halte mich komplett zurück, was sein Training angeht“, sagt Stefan Dotzler. Was ihn nicht davon abhält, eine Prognose für den Filius abzugeben: „Hannes ist gut drauf. Eine Top-Ten-Plazierung ist für ihn sicher drin.“ Um seinen Vater im olympischen Familien-Ranking zu übertreffen, würde Platz 29 schon reichen.

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