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Felix Neureuther : Viel Talent und einen großen Namen vererbt

Riesenslalom: Der achte Platz war Neureuthers bestes Ergebnis in dieser Disziplin Bild: ddp

Felix Neureuther hat ein Problem, für das er nichts kann. Die Eltern waren erfolgreiche Skifahrer, er ist es noch nicht. Der Sonnyboy wartet auf den großen Durchbruch. An diesem Samstag im Slalom zählt er zu den Favoriten.

          Jetzt mal eine gewagte Frage: Was haben der bayerische Skirennfahrer Felix Neureuther und der jamaikanische Reggaemusiker Damian Marley gemein? Der Antwort erster Teil: Beide haben in dieser Woche im Rahmen der olympischen Spiele große Auftritte in Whistler. Marley hat sein Konzert vom Mittwoch schon hinter sich, Neureuther hat seinen Slalom am Samstag noch vor sich (19.00 Uhr / FAZ.NET-Liveticker: Olympia 2010).

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Der Antwort zweiter Teil: Beide haben ein Problem, für das sie nichts können. Welches Problem das ist, konnte man bei Damian Marleys Konzert auf dem Village Square in Whistler schön beobachten, als die Fans in den ersten Reihen riesige Fahnen schwenkten mit dem Konterfei Marleys darauf. Allerdings nicht jenem von Damian, sondern jenem seines legendären Vaters Bob Marley. Damian nämlich ist nicht Damian, sondern ist der Sohn von Bob Marley, das ist sein Problem.

          Bewundernswerte Gelassenheit

          Bei Felix Neureuther ist es immer so ähnlich gewesen. Wo immer er Ski fuhr, wo immer er öffentlich auftrat, schwenkten die Skifans im Geiste Fahnen, darauf in Überlebensgröße Bilder von Christian Neureuther, seinem Vater, und, noch viel größer, von Rosi Mittermaier, seiner Mutter, der Doppel-Olympiasiegerin und deutschen Skilegende. Die prominenten Eltern gaben sich zwar immer vorbildliche Mühe, im Hintergrund zu bleiben, doch das nutzte nichts. Der Sohn, ein lustiger, allseits beliebter Sonnyboy, durfte vor vier Jahren mit zu Olympia nach Turin, obwohl er die Qualifikationskriterien nicht ganz erfüllt hatte - natürlich wurde spekuliert, da habe der Rosi-Bonus mitgeholfen. Der Sohn kam in Turin nicht ins Ziel, umso mehr erwartete Ski-Deutschland danach den Durchbruch von ihm - und vor allem seinen ersten Weltcupsieg.

          Reggaemusiker Damian Marley: Fanfahnen mit dem Konterfei des Vaters

          Je länger diese Jagd nach dem ersten Sieg dauerte, desto bizarrer wurde Neureuther juniors Situation. Es gab jetzt zwei Themen: das Sohn-Thema und das Erste-Sieg-Thema. In zwei Fragen gepackt: Gewinnt er nie ein Rennen? Und bleibt er immer nur der Bub von der Rosi? Felix ertrug diese schwierige Situation lange mit bewundernswerter Gelassenheit, doch Ende vergangenen Jahres, als die Ergebnisse nicht besser, sondern immer schlechter wurden, verzweifelte er, stürzte in eine persönliche Krise, aus der er kein Geheimnis macht.

          Felix, nicht Christian

          Das Skifahren sei drauf und dran gewesen, ihn als Menschen zu verändern, sagte er, und das werde er nicht zulassen, eher beende er mit 25 Jahren und ohne Sieg seine Karriere. Er nahm eine Auszeit, einen letzten Anlauf und schwor sich, den ganzen Druck, die ganzen Erwartungen nicht mehr selbst auf sich zu laden, nicht mehr immer nur dem ersten Sieg hinterherzujagen, alles weniger verbissen anzugehen. Er kehrte auf die Piste zurück - und gewann im Januar den Slalom von Kitzbühel, der Befreiuungschlag.

          In Whistler ist Felix Neureuther in dieser Woche Achter im Riesenslalom geworden, das mit Abstand beste Ergebnis seiner Karriere in dieser Disziplin. An diesem Samstag nun seine Spezialität, der Slalom. Der Favoritenkreis ist groß, Neureuther gehört dazu. Felix, und nicht Christian. Der übrigens hat in seiner Karriere nie eine olympische Medaille gewonnen.

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