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Veröffentlicht: 09.02.2014, 18:08 Uhr

Olympia-Kommentar Parteitag auf LSD

Politik und Sport sollten nicht miteinander vermengt werden, meint Wladimir Putin. Schon die Eröffnungsfeier in Sotschi hat diese Vorgabe ins Gegenteil verkehrt.

von , Sotschi
© dpa Hammer und Sichel schweben in Sotschi während der Eröffnungsfeier durch das Stadion

Wir müssen noch mal auf die Sache mit dem Sport und der Politik zurückkommen an dieser Stelle. Sollte man ja nicht miteinander vermengen, sagen Männer, die sich damit auskennen und gute Erfahrungen gemacht haben. Hu Jintao zum Beispiel, 2008 in Peking. Hat die ersten Spiele in einem Einparteiensystem seit Moskau 1980 vom IOC bekommen, und an Chinas autoritärem Regime hat sich dadurch gar nichts geändert. Ein famoses Konzept. In Sotschi versucht Wladimir Putin, es dem Chinesen nun nachzumachen. Ist alles nur Sport, klar.

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Beispiel Eröffnungsfeier: Da fliegen die Köpfe von Monumentaldenkmälern und Pappmaché-Hochhäuser wie aus Stalins Zuckerbäckerei durchs Fischt-Stadion, als fände hier der XX. Parteitag der KPdSU auf LSD statt. Aber mit Politik hat das nichts zu tun, natürlich nicht. Und Wladislaw Tretjak und Irina Rodnina, die das Olympische Feuer entzünden durften, sind selbstverständlich auch nur große Sportstars, dreimalige Olympiasieger. Dass sie einst mit Trikots und Trainingsanzügen zu Olympia fuhren, auf denen die Buchstaben CCCP prangten, hat mit ihrer Wahl gewiss nichts zu tun, angesichts Putins stetig wachsender Begeisterung für die starke alte Weltmachtzeit unter Hammer und Sichel.

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Überhaupt, Frau Rodnina: Hatte doch glatt im September den Präsidenten der Vereinigten Staaten und dessen Frau beleidigt, als sie eine Fotomontage twitterte, wie sie rassistischer nur hätte ausfallen können, wenn sie sich in ein Kostüm des Ku-Klux-Klans geworfen hätte. Eine Entschuldigung lehnte Frau Rodnina ab, auch nachdem sie die Montage entfernt hatte.

Der Fall ging durch die internationale Presse, immerhin ist sie Duma-Abgeordnete für Putins „Einiges Russland“, aber bis nach Moskau hat er sich wohl nicht herumgesprochen, jedenfalls hatte Konstantin Ernst, der Generaldirektor des russischen Fernsehens, noch nie davon gehört, als ihn amerikanische Journalisten nach der Feier am Freitag darauf ansprachen. Dmitrij Tschernyschenko, Organisations-Chef der Spiele von Sotschi, wollte in Rodninas Wahl auch nur eine rein sportliche Entscheidung sehen, über Politik dürfe schließlich im olympischen Umfeld gleich gar nicht gesprochen werden. Welch nützliche Ignoranz. Dem Herrn der Spiele im Kreml wird das gewiss gefallen haben.

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