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Duell der Eisprinzessinnen : „Es ist Sport. Echter Sport. Sport ist Krieg“

Alina Ilnasowna Sagitowa lieferte in Pyeongchang das beste Kurzprogramm ab. Bild: Reuters

Die eine ist gerade 15 Jahre alt, die andere auch erst 18. Eine Russin holt den Olympia-Sieg im Eiskunstlauf. Es dürfte einer der Höhepunkte bei Olympia werden. Vor dem pikanten Teenager-Duell gibt es deutliche Worte.

          Zwei Teenager retten Russland. 15 Jahre alt die eine, 18 die andere. Eine von ihnen wird am Freitag (2.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Olympia und bei Eurosport) Eiskunstlauf-Olympiasiegerin, das ist in etwa so sicher wie der Wahlerfolg Wladimir Putins im März. Jewgenija Armanowna Medwedewa oder Alina Ilnasowna Sagitowa, eine der beiden wird Gold gewinnen. Es könnte die erste Goldmedaille des Teams der „Olympischen Athleten aus Russland“ werden, drei Tage bevor die Spiele in Südkorea enden.

          Und das russische Duell in der Kür könnte zu einem Höhepunkt ebendieser Spiele geraten. Es werden zwei um Gold laufen, die im Kurzprogramm am Mittwoch in Gangneung höher bewertet wurden als alle Frauen zuvor. Zwei, die schon die zweieinhalb Minuten Ouvertüre zu einem Ereignis machten. Zwei, die ihre gemeinsame Trainerin verbindet: Eteri Tutberidse. Zwei, die von ihrem Verhältnis zueinander sagen, es sei gut, abseits des Eises, und die das so verpacken, dass es nicht völlig unglaubwürdig erscheint.

          Dazu gehört, dass sie sehr offen zugeben, dass es auf dem Eis anders aussieht. „Wenn wir auf das Eis kommen“, sagte Jewgenija Medwedewa am Mittwoch, „wenn wir aufs Eis kommen, ist es Sport. Echter Sport. Sport ist Krieg.“ In diesem Krieg hat Medwedewa 81,61 Punkte für ihren Auftritt zu einem Nocturne von Chopin bekommen, Weltrekord. Sie ist die Weltmeisterin von 2016 und 2017, die erste Russin, die ihren Titel erfolgreich verteidigen konnte. Sie galt seit langem als große Favoritin auf den Sieg in Südkorea, sie ist die Person, die dem russischen Frauen-Eiskunstlauf nach den Spielen von Sotschi und dem höchst umstrittenen Sieg von Adelina Sotnikowa ein ganz anderes Gesicht verliehen hat.

          Medwedewa, geboren in Moskau, steht auf dem Eis, seit ihre Mutter, ebenfalls Eiskunstläuferin, sie mit drei Jahren in Schlittschuhe gesteckt hat. Aber bei aller Härte, die diese Schule lehrt, erscheint sie locker, kann sich als Moskowiter Teenager vermarkten, cool, urban, lässig. Stets betont sie ihre Liebe zum K-Pop, der südkoreanischen Popmusik, was ihr bei den Auftritten in Gangneung zugutekommt. Und gegenüber ihrer 15 Jahre alten Konkurrentin wirkt sie beinahe erwachsen. Allerdings war im November ein Fußbruch bei ihr diagnostiziert worden, Medwedewa musste Gips tragen. Und in den Tagen vor dem Auftritt plagte sie sich mit einer Sehnenentzündung am selben Fuß.

          Alina Sagitowa ist anders. Sie ist in der Provinz geboren, Ischewsk, das fast so viele Einwohner wie Frankfurt hat, aber weit weg von Moskau liegt, mehr als 1200 Kilometer. „Ich zeige meine Emotionen nicht, ich sprühe sie nicht herum“, sagte Sagitowa. 2014 zog sie nach Moskau, zu Eteri Tutberidse, Medwedewa war da schon auf dem Weg, der nächste Star des russischen Eiskunstlaufens zu werden. Sagitowa, das Mädchen aus Udmurtien, tat sich dagegen schwer in der Hauptstadt. Tutberidse wollte sie rausschmeißen.

          Jewgenija Armanowna Medwedewa will ebenso Gold holen.

          Die Trainerin sagt von sich, sie arbeite lieber mit Mädchen, weil die befolgten, was man ihnen sage, und nicht wie Jungs nach Mitleid bettelten: „Von mir gibt es kein Mitleid.“ Tutberidse, 43 Jahre alt, wollte wohl auch etwas beweisen, nachdem der Patriarch unter den russischen Trainern, Alexej Mischin, gemeint hatte, er trainiere lieber „zwei mittelmäßige Jungs als ein talentiertes Mädchen“. In Gangneung spielen die mittelmäßigen russischen Eiskunstläufer keine Rolle. Im Gegensatz zu Tutberidses Mädchen.

          Die Trainerin hatte kein Mitleid mit Sagitowa, aber sie gab ihr eine zweite Chance, als die Athletin mit ihren Eltern wenige Tage nach dem Rausschmiss noch einmal vorsprach. „Sonst wären wir zurück nach Ischewsk gezogen“, erzählte Sagitowa am Mittwoch. „Aber als sie sagte: Lass es uns noch mal probieren, hatte ich Schmetterlinge im Bauch. Ich hatte nicht hart genug gearbeitet, ich hatte die Ernsthaftigkeit nicht verstanden.“ Seither wisse sie Bescheid: Wenn man erfolgreich sein wolle im Eiskunstlaufen, müsse man den Sport „so, so sehr“ lieben. Kurz nachdem Tutberidse sie wieder aufgenommen hatte, brach sich Sagitowa das Bein. Die „Liebe“ hielt.

          Sie, die von sich sagt, ihre Emotionen verstecke sie, und die von ihren Auftritten auf dem Eis sagt, sie konzentriere sich darauf, die Emotionen zu transportieren, lief ihr olympisches Kurzprogramm zehn Minuten nach Medwedewa. Passenderweise zum Soundtrack des Films „Black Swan“, dem Thriller über den erbitterten Zweikampf zweier Ballerinas um die Hauptrolle in „Schwanensee“. Sagitowa gelingt tatsächlich ein noch besserer Auftritt als Medwedewa – dreifacher Flip in Kombination mit einem dreifachen Toeloop, ein Dreifach-Flip und ein doppelter Lutz: 82,92 Punkte. Neuer Weltrekord, Platz eins.

          Gut vier Punkte liegt Sagitowa nun vor der Kanadierin Kaetlyn Osmond auf Platz drei. Vier Punkte, nicht viel, eigentlich. Und doch eine Welt entfernt vom Zweikampf der beiden Russinnen. Die Entscheidung fällt am Freitag. Dann ist es andersherum: erst läuft Sagitowa, zuletzt Medwedewa. „Es gibt so viele junge starke Läuferinnen bei uns“, sagte Medwedewa am Mittwoch. „Man ist älter, und sie zwingen dich, stärker zu werden.“ Es klang, als sei sich Jewgenija Armanowna Medwedewa bewusst, dass die Chance, die der Freitag bieten wird, einmalig bleiben könnte.

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