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Nordkorea bei den Winterspielen : Pirouetten statt Raketen?

Die einzigen Sportler aus Nordkorea, die sich für Olympia qualifiziert haben. Ryom Tae-ok und Kim Ju-sik Bild: dpa

Nordkorea will Sportler zu den Winterspielen schicken. Ob sie in wirklich kommen, bleibt abzuwarten. Der olympische Geist ist nur Beifahrer. Am Steuer sitzen die Politiker. Ein Kommentar.

          Nordkorea will Sportler über die Grenze schicken zu den Winterspielen, die am 9. Februar in Pyeongchang beginnen. Das ist eine der freundlichsten Gesten, die dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un bislang in den Sinn gekommen sind, allemal besser, als Raketen ins Japanische Meer oder andere Teile des Pazifischen Ozeans zu feuern, ob während der Spiele oder zu einem anderen Zeitpunkt. Man wolle eine hochrangige Delegation schicken, schlugen die Nordkoreaner bei den Gesprächen mit den Südkoreanern in der entmilitarisierten Zone vor: Sportfunktionäre, Sportler, Fans, Artisten, Beobachter, Taekwondo-Schaukämpfer und Journalisten sollten nach Pyeongchang reisen. Die Südkoreaner möchten, dass die Sportler, wie bei den Spielen von 2000, 2004 und 2006, gemeinsam an der Eröffnungsfeier teilnehmen.

          Ein „großer Schritt nach vorn im Sinne des olympischen Geists“ seien die Vorschläge, befand Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), nachdem ihn die Nachrichten aus Panmunjom erreicht hatten. Kommen die Gäste aus dem Norden tatsächlich zum weltgrößten Sportfest auf Schnee und Eis? Die Vergangenheit lehrt, skeptisch zu bleiben, bis sie tatsächlich zur Eröffnungsfeier im Stadion stehen. Ähnliche Versprechen gab es schließlich schon vor zwei Jahren zur Universiade, doch am Ende verhinderte auch die damalige Präsidentin Südkoreas eine Teilnahme der Nordkoreaner. Das zeigt auch, dass der olympische Geist, von dem Bach spricht, bei den Verhandlungen in den kommenden Tagen allenfalls Beifahrer sein wird. Am Steuer sitzen die Politiker.

          Und sportlich qualifiziert haben sich bislang die Eiskunstläufer Ryom Tae-ok und Kim Ju-sik. Die Anmeldefrist des Internationalen Eislauf-Verbandes ist zwar längst abgelaufen, aber was bedeutet eine missachtete Deadline, wenn es um den Frieden geht? Es wäre sicher gut, wenn das Paar antreten könnte, zumal Eiskunstlauf eine der nicht eben zahlreichen Wintersportarten ist, zu denen die Koreaner eine emotionale Bindung haben. Und das IOC wird sich kaum weigern, weitere Einladungen an einzelne nordkoreanische Sportler auszusprechen, auch wenn unklar ist, an wen sie ergehen könnten. Schließlich waren die Nordkoreaner den Spielen in Sotschi ferngeblieben, nicht aus Protest, sondern weil niemand qualifiziert war.

          Die Gastgeber jener Winterspiele von 2014 zeigten sich vom Tauwetter in Korea ebenfalls angetan. „Im antiken Griechenland wurden für die Zeit der Olympischen Spiele traditionell selbst Kriege gestoppt. Der Geist des Sports soll die Länder vereinen“, sagte Alexander Schukow, der Chef des wenigstens bis zur Schlussfeier suspendierten russischen Olympischen Komitees am Dienstag zu den Gesprächen der Koreaner. Vor vier Jahren hatte der Doppelpass der Politik mit dem olympischen Geist ganz andere Konsequenzen. Die Spiele waren noch nicht beendet, da entschied sich Russlands Präsident zur Annexion der Krim. Am selben Abend besuchte Putin dann die Schlussfeier der Spiele.

          Angesichts dieses jüngsten Beispiels wäre es gut, einen Auftritt nordkoreanischer Sportler in Pyeongchang als das zu sehen, was es ist: Die Teilnahme am wichtigsten Wintersportereignis. An der tödlichen Gefahr durch Kims Raketen ändert der olympische Geist nichts.

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