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Feier für den IOC-Präsidenten : Bachs Party mit Problemzonen

Eine Kelle für Thomas Bach: Innenminister Thomas de Maizière (rechts) überreicht sein Geschenk an den IOC-Präsidenten Bild: dpa

Rogge, Beckenbauer, de Maizière, Schäuble - illustre Gäste kommen zur Party von IOC-Präsident Thomas Bach. Die Lage in Sotschi bleibt nicht unerwähnt. Doch das Geburtstagskind schweigt dazu.

          Die Kinder hatten besten Blick auf das Großereignis, das sich in ihrer kleinen Stadt seit Tagen ankündigte. Tauberbischofsheim gratuliert Thomas Bach zum 60. Geburtstag - seit Mittwoch wurde die Stadthalle dafür hergerichtet, ein Logo wurde aus den Initialen T und B entworfen, und die Schüler des Matthias-Grünewald-Gymnasiums direkt neben der Stadthalle waren Zeugen, wie Absperrgitter herangeschleppt und rote Teppiche ausgerollt wurden.

          Als es Freitagvormittag dann so weit war, im Gymnasium lief die vierte Stunde, hatte der Direktor die Klassen 6a, b und 8d vor die Tür geschickt. Bach, bekanntester Abiturient der Schule und Mannschaftsolympiasieger von 1976 im Fechten, war einer der Ersten auf der Party, die der Deutsche Olympische Sportbund, die Stadt Tauberbischofsheim und die Michael Weinig AG, deren Aufsichtsrat Bach vorsitzt, für ihn schmissen. Der Jubilar kam, sah, winkte und verteilte unter den Schulkindern Autogramme. Dafür gab es ein „Happy Birthday, lieber Thomas“, der elfte Präsident des Internationalen Olympischen Komitees bekam ein internationales Ständchen.

          Die Probleme in Sotschi ließen sich nicht verdrängen

          Eine halbe Stunde verging, dunklen Limousinen entstiegen Thomas de Maizière, als neuer, alter Bundesinnenminister wieder für den Sport zuständig, und Wolfgang Schäuble, als Finanzminister letztlich nicht weniger wichtig für den deutschen Spitzensport. Die Gästeliste war 16 Seiten lang, Altkanzler Gerhard Schröder klatschte Franz Beckenbauer auf die Schulter, als der Autogramme gab, Bach empfing seinen Vorgänger im IOC, Jacques Rogge, besonders herzlich vor den Fernsehkameras. Zur fünften Stunde gingen die Kinder zurück in die Schule, die Gäste hatten Platz genommen. Die Tische waren nach Olympiastädten benannt, nach Olympiastädten der Vergangenheit: Ein Sotschi-Tisch war nicht gedeckt, aber ein Buenos-Aires-Tisch, wo Bach am 10. September 2013 zum IOC-Präsidenten gewählt worden war.

          Bach hatte am roten Teppich gesagt, er wolle bei der Feier „noch mal auftanken, denn ab heute Abend gilt die volle Aufmerksamkeit Sotschi“ - aber bei allen Glückwünschen: All die Probleme, die der russische Gastgeber der Olympischen Spiele aufwirft, Umweltzerstörungen, Menschenrechtsverletzungen, Korruption, waren natürlich auch in der Halle, selbst wenn Bach nur über „die tolle Party heute, nicht die nächste Party“ sprechen wollte.

          Illustre Gäste I: Franz Beckenbauer (links) und der IOC-Ehrenpräsident Jacques Rogge Bilderstrecke

          Dafür sorgte schon der erste Redner, Innenminister de Maizière. Natürlich sei er dafür, sagte der CDU-Politiker, dass Deutschland künftig Olympische Spiele ausrichte. „Aber eine Bewerbung bedarf einer neuen Mentalität. Die Regeln des IOC müssen sich ändern, wenn nicht nur bestimmte Länder aus dem ein oder anderen Grund als Ausrichter in Frage kommen sollen.“ So viel zu den 51 Milliarden Dollar, die sich der russische Präsident Wladimir Putin die Spiele kosten lässt, und dem Echo der Münchner und Oberbayern darauf, die eine Bewerbung um die Spiele 2022 im November abgelehnt hatten. „Wenn wir den Olympischen Geist nicht wiederbeleben, werden wir nicht die Zustimmung der Bevölkerung finden, dafür ihr Geld auszugeben.“

          Bachs Tatkraft, hofft de Maizière, werde verhindern, dass Olympia künftig allein in reichen, autokratisch regierten Regionen der Welt ausgetragen wird - mit den bekannten Problemen für die Menschenrechte. „Religion, sexuelle Orientierung und Hautfarbe dürfen keine Rolle spielen“, sagte de Maizière und begrüßte ausdrücklich den Zeitpunkt des Coming-outs von Thomas Hitzlsperger als „mutigen Schritt“ vor den Spielen in Sotschi. Der sollte zwar nicht zu aufgeregt behandelt werden. Falls er in Sotschi im Februar aber als Mitglied der Bundesregierung Putin oder andere russische Offizielle treffe, dann gehöre dazu, dass „man sich gegenseitig Worte sagt, bei denen wir anderer Meinung sind“.

          Die Gäste haben Erwartungen

          So viel zur Gesetzgebung in Russland, die Homosexuelle diskriminiert. Als Geschenk hatte de Maizière für Bach, den er duzt, übrigens eine Polizeikelle dabei. „Falls das Florett mal nicht reicht im IOC, dann zieh’ die Kelle und sag: Stopp! So geht’s nicht weiter.“ Charlotte Knobloch, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, wird das Zeichen gefallen haben. Sie kündigte an, Bach auf die Diskriminierung von israelischen Sportlern ansprechen zu wollen, wie sie zuletzt der Fußballspieler Dan Mori vergangenes Wochenende erfahren hatte, als er wegen seiner Nationalität nicht mit seinem Klub Vitesse Arnheim zum Trainingslager in die Vereinigten Arabischen Emirate reisen durfte. „Eine solche Diskriminierung darf heute überhaupt nicht mehr stattfinden“, sagte Knobloch. „Gerade im Sport nicht.“

          Bach war bis zu seiner Wahl zum IOC-Präsidenten Vorsitzender der deutsch-arabischen Handelskammer Ghorfa, zu den geladenen Gästen gehörte auch der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate. Knobloch hat die Hoffnung, dass sich Bach als „verbindender Mensch intensiv daran setzt, dass so etwas nicht passiert“. Es war letztlich also eine ganz normale Geburtstagsparty in Tauberbischofsheim: Die Gäste kommen gerne, aber sie haben Erwartungen. Vor allem im Alltag.

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