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Eiskunstläufer Pluschenko : Tango für das Volk

Jewgeni Pluschenko: Russlands Liebling Bild: dpa

Jewgeni Pluschenko ist alt, aber nicht mehr der Alte. Seit 2013 hat der Eiskunstläufer und Liebling Russlands eine künstliche Bandscheibe. Er ist trotzdem da - aber vielleicht schon bald wieder weg.

          Ein kurzer erster Schritt. Eins, zwei, drei längere. Die Kufen unter den schwarzen Schuhen gleiten über das Eis. Ein Hüpfer. Applaus. 250, vielleicht 300 Menschen sitzen auf den Tribünen. Viele von ihnen sind russische Helfer, sie tragen die bunten Uniformen der Spiele. Sie klatschen fast ausnahmslos. Sotschi, Eisberg-Palast, Mittwochmittag, zwanzig vor drei. Jewgeni Pluschenko ist da.

          Als der 31 Jahre alte Eiskunstläufer vierzig Minuten später sein erstes Training in Sotschi beendet hat und die Interviewzone in den Katakomben betritt, seufzt die langbeinige, dunkelhaarige Reporterin des offiziellen russischen Olympiasenders „Panorama“ leise. Aber sie hat auch kein Glück. Jewgeni Pluschenko sagt heute zwei Worte zu jedem, und er wiederholt sie sehr häufig, während er zügigen Schritts an den Reportern vorbei in die Kabine schreitet: „Everything good.“ „Everything good.“ „Everything good.“ Alles gut. Jewgeni Wiktorowitsch Pluschenko ist da. Und schon wieder weg.

          Es gibt keinen russischen Sportler, auf den die Russen bei ihren Olympischen Spielen so warten wie auf den Eiskunstläufer mit den blonden Haaren. Das Volk nicht, das, so die Erwartung, zu Millionen und Abermillionen an diesem Donnerstagabend um halb acht Ortszeit Sotschi (16.30 MEZ) die Fernseher einschalten wird, wenn Pluschenko im Teamwettbwerb der Eiskunstläufer, dem ersten der XXII. Olympischen Winterspiele, antritt. Und Wladimir Putin nicht. Russlands Präsident ist in Personalunion auch oberster Pluschenko-Fan. Putin hat sich diese Spiele vor zehn Jahren ausgedacht, und zum Auftakt sieht Russland Jewgeni Pluschenko, das passt.

          Seine Bühne ist bereitet: Sotschi 2014 Bilderstrecke

          Der Eiskunstläufer hatte schon einen Sitz im Petersburger Regionalparlament, nicht für Putins Partei „Einiges Russland“, aber Pluschenkos Partei „Gerechtes Russland“ galt 2007 noch als Kreml-nah. Als sich die Partei gegen Putin stellte, legte Pluschenko alsbald sein Mandat nieder. Allzu beliebt hatte er sich als Abgeordneter ohnehin nicht gemacht, er fehlte oft bei Sitzungen, aber Pluschenko ist Star, nicht Politiker. Er hat eine Goldmedaille (2006), zweimal Silber (2002 und 2010) bei Olympia, drei Weltmeistertitel (2001, 2003, 2004), siebenmal die Europa-, zehnmal die russische Meisterschaft gewonnen, und er hat die blonde Musikmanagerin Jana Rudkowskaja zur Frau. Rudkowskaja ist selbst ein Star, jedenfalls glaubt sie das. Gerade hat sie die Bürger Sotschis eingeladen, ihr doch bitte beim Lauf mit der olympischen Flamme durch die Stadt zuzuschauen, Donnerstagmittag, ein paar Stunden vor dem Auftritt ihres Mannes. Sie sind ein Traumpaar in Putins Russland.

          Der Präsident mag Stars, die ihn mögen, und als Pluschenko in einem dramatischen Finale vor vier Jahren bei den Spielen von Vancouver vom Amerikaner Evan Lysacek geschlagen wurde, sendete der Kremlherr seine Deutung der Niederlage: „Dein Silber ist Gold wert“, ließ er dem Geschlagenen mitteilen, ein Trost, der die Wut Pluschenkos über die vermeintlich ungerechte Entscheidung der Kampfrichter aber kaum linderte.

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