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Olympiasieger im Eiskunstlauf : Die unsichere Zukunft von Savchenko und Massot

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Wie lange bleiben sie noch ein Eiskunstlauf-Paar? Aljona Savchenko (vorne) und Bruno Massot. Bild: Reuters

Durch die Kür ihres Lebens holten sich Aljona Savchenko und Bruno Massot doch noch den Olympiasieg. Die Stunden danach sind sehr emotional für beide. Doch eine Frage bleibt unbeantwortet.

          Am Tag nach der Kür ihres Lebens wollten Aljona Savchenko und Bruno Massot noch nicht für die Zukunft planen. „Ich weiß es nicht. Die Nacht war so kurz, dass man zum Nachdenken noch keine Zeit gehabt hat“, sagte Paarlauf-Olympiasiegerin Savchenko. Partner Massot hatte am Freitag in Pyeongchang ganz andere Sorgen und ging nach dem Aufwachen schnell an seine Tasche, um die Goldmedaille zu suchen – er hatte Angst, dass alles nur ein Traum gewesen war.

          „Außerirdisch“, „Chapeau“, „Der blanke Wahnsinn!“ – Savchenko und Massot zeigten sich von den Reaktionen auf ihren Olympiasieg in Südkorea tief berührt. Die vielen Reaktionen aus dem Umfeld und den sozialen Netzwerken bewegten das Duo. „Ich freue mich so über diese Gefühle. Es ist das Schönste, denn Tränen können sonst nicht alle zeigen“, sagte die 34 Jahre alte Savchenko. Nach ihrer perfekten Vorstellung wollen die WM-Zweiten zunächst bis zur Gala am Schlusstag die Winterspiele genießen, danach touren sie zwei Wochen lang mit der lukrativen Eisshow „Art on Ice“ durch die Schweiz. Erst nach der WM im März in Mailand, wo sie ihre Traumkür noch verbessern wollen, wird über die Zukunft entschieden. Alles ist offen. Ein ganzer Olympia-Zyklus aber äußerst unwahrscheinlich.

          Die Pläne wollen sie nach den Spielen schmieden. „Wir lassen uns überraschen, was alles auf uns zukommt“, meinte die gebürtige Ukrainerin Savchenko, die mit ihrem ehemaligen Partner Robin Szolkowy bereits fünfmal Weltmeister wurde. Der Chemnitzer, selbst inzwischen Coach der russischen Europameister, gratulierte per Facebook: „Was für eine atemberaubende Leistung von Aljona und Bruno!!! Sie waren auf den Punkt bereit und zeigten ihre mentale Stärke – das verdient Respekt“. Der frühere Coach Ingo Steuer postete aus dem Skiurlaub: „Glückwunsch an das deutsche Team, endlich Gold.“

          Und weil es mit Szolkowy unter der Regie von Steuer ein Jahrzehnt lang schwierig war, außer Preisgeldern überhaupt Einnahmen zu generieren, sollen jetzt neue Wege beschritten werden. Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) will ihrem Vorzeige-Paar helfen. „Wenn wir es jetzt nicht schaffen sie zu vermarkten, wann dann?“, sagte DEU-Vizepräsident Uwe Harnos. „Wenn man den ganzen Weg anguckt, dann muss es klappen. Und die beiden haben es sich verdient. Nun sollen sie erstmal genießen und sich ein bisschen Zeit nehmen“, sagte Harnos der Deutschen Presse-Agentur in Südkorea.

          Helfen würde es, wenn die Zwei noch eine oder zwei Saisons dranhängen würden, zumal die Prämien bei Wettkämpfen für die Topläufer inzwischen höher sind als Show-Einnahmen. Im April will sich Trainer Alexander König mit seinen „Kindern“, wie er beide liebevoll nennt, in Ruhe zusammensetzen. Der frühere Paarläufer zieht zum 1. Mai aus dem Allgäu nach Berlin zurück und hat diesen Schritt wegen des Olympia-Projektes sowieso schon verschoben. „Nach zehn Jahren Oberstdorf ist die Familie dran, jetzt müssen die Kinder auch einmal für die Eltern da sein“, meinte König.

          Besonders stolz ist der dreimalige Olympia-Siebte mit Peggy Schwarz, dass er Savchenko und Massot als Einheit zusammengeschweißt hat. „Das Wichtigste für mich war, dass die Zwei ein Team werden, so dass die Energie auf einen Punkt kommt.“ Zu dem Team gehören neben den Athleten und dem moderierenden Coach vor allem die geduldigen Lebenspartner. „31 Jahre trainiert, um bei 5 Winterspielen mitzuwirken und 2 Bronze, 5 WM- und 4 EM-Titel zu gewinnen. Endlich hast du GOLD! Aljona Savchenko, du gibst nie auf, bist meine größte Inspiration und wirst es ewig sein! Worte können nicht beschreiben, wie stolz ich auf dich und Bruno bin“, postete Savchenkos Ehemann Liam Cross bei Facebook.

          Savchenko und Massot ziehen ihre Kraft für den Hochleistungssport aus ihren privaten Partnerschaften. „Wir sind so stark, weil wir uns nicht lieben“, sagte der 29 Jahre alte gebürtige Franzose der „Bild“-Zeitung (Samstag). „Wir teilen die Liebe für Eislaufen. Das ist genug“, ergänzte die fünf Jahre ältere Savchenko. Für die Verlobte von Massot, Sophie Levaufre, sei es manchmal schwierig: „Es ist nicht einfach für sie, mich so mit Aljona zu sehen. Aber sie versteht, dass dieser Sport meine Leidenschaft ist. Und sie versteht, wie wir auf dem Eis sind. Und solche Momente wie den Gewinn von Gold - die teilt sie dann mit uns. Sie hat vor Glück geweint“, erzählte der Wahl-Oberstdorfer. Und Savchenko fügte hinzu: „Ich habe mit Bruno geweint. Und Sophie mit meinem Mann.“ Ihr britischer Ehemann Liam Cross und Levaufre waren nur kurz nach Pyeongchang gekommen, hatten mit dem Gold-Paar im Deutschen Haus gefeiert und waren frühmorgens wieder zurückgeflogen.

          Volle Hingabe: Savchenko und Massot am Ende der Kür Bilderstrecke

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