Aljona Savchenko und Bruno Massot gewinnen Gold im Eiskunstlauf für Deutschland
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Eiskunstlauf-Gold : Die Seele blüht

Die glücklichen Goldmedaillen-Gewinner Aljona Savchenko (links) und Bruno Massot. Bild: AFP

Bei ihrer fast perfekten Kür haben Aljona Savchenko und Bruno Massot bewusst auf das letzte Risiko verzichtet und dennoch Historisches geleistet. Das zeigt, welch große Bedeutung diese Goldmedaille tatsächlich hat.

          Gold für Deutschland! Gold für Deutschland? Ist das eine Goldmedaille für Deutschland, die Aljona Savchenko und Bruno Massot in Gangneung gewonnen haben? Es ist eine Goldmedaille für Aljona Savchenko und Bruno Massot, es ist die Auszeichnung für einen Auftritt, der die Zuschauer von den Sitzen gerissen hat, für eine sportliche Leistung, wie sie selbst von diesem olympischen Orchester optimierter Körper selten dargeboten wird.

          Dabei haben Savchenko und Massot bewusst auf das letzte Risiko verzichtet, den geworfenen Dreifach-Axel nicht eingebaut auf der Jagd nach dieser Goldmedaille. Wochenlang haben sie ihn trainiert, aber nicht mit der Sicherheit gelernt, wie sie in einer Olympia-Kür nötig ist. Das zeigt, dass sogar noch mehr ginge bei diesem Paar, dass selbst nach einem Auftritt wie an diesem Donnerstag noch Potential vorhanden ist. Der Trainer hatte das erkannt: Gefragt, ob das die perfekte Kür gewesen sei, die sein Paar da gezeigt hatte, antwortete Alexander König: „Nahezu. Das dürfen Sie einen Trainer nicht fragen.“

          Aber die Kombination Savchenko/Massot fasziniert nicht mit den höchsten, möglichst mit der Genauigkeit eines Uhrwerks dargebotenen Schwierigkeitsgraden. In dieser Hinsicht setzen die Chinesen Sui Wenjing und Han Cang Maßstäbe. Aber Zuschauer und Jury erkannten in Gangneung, dass die Seele des Eiskunstlaufens künstlerischen Ausdruck braucht, um zu erblühen. Und niemand hatte in dieser Hinsicht mehr zu bieten als Aljona Savchenko und Bruno Massot. Auch deswegen ist die Medaille eine Goldmedaille für die beiden – und für ihren Trainer, der viel dafür getan hat, dass sich vor allem bei Savchenko in den vergangenen Jahren ein freierer Geist entfalten konnte.

          Sie definierte sich stets über ihren ungemeinen Ehrgeiz, der es ihr erlaubte, dem Traum vom Olympia-Gold nachzujagen, trotz aller Rückschläge. „Mein ganzes Leben ist Kämpfen, Kämpfen“, sagte Savchenko am Donnerstag. Aber dass es zum Erreichen eines Ziels neben Fleiß auch Freiheit braucht, das hat sie erst in der Zusammenarbeit mit König begriffen. Ihr ganzes Potential erreichte Aljona Savchenko erst, als sie die Zusammenarbeit mit dem früheren Stasi-Mitarbeiter Ingo Steuer beendete. Man sollte das nicht überbewerten, schon deshalb nicht, weil sie die Vergangenheit des früheren Coachs nicht störte – aber eine besondere Fußnote steht deshalb schon unter diesem Olympia-Sieg.

          Ob er Deutschland Gold bringt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Wenn sich abzeichnet, ob die Deutsche Eislauf-Union Kapital schlagen kann aus diesem Sieg. Ob aus Eiskunstlauf wieder mehr wird als ein Nischensport. Bislang hat die DEU investiert, zwei Drittel der 30.000 Euro, die für die Freigabe von Bruno Massot beim französischen Verband fällig geworden waren. Aljona Savchenko sagte, Deutschland habe ihnen geholfen und sie unterstützt, sie seien froh, ihre Medaille für Deutschland gewonnen zu haben. Die Steuerzahler, deren Euro für diesen Sieg eingesetzt wurden, dürfen sich anerkannt fühlen.

          „Du weißt nie, welches Blut in deinen Adern fließt“, sagte Savchenko, in der Ukraine geboren, am Donnerstag. Mit dem aus Frankreich stammenden Bruno Massot gelang ihr einer jener zu seltenen Momente, in denen ohnehin egal ist, welche Flagge neben dem Namen der Sportler auf der Anzeigetafel erscheint. Wen der Auftritt von Aljona Savchenko und Bruno Massot, die Kür auf dem Eis und die Tränen hinterher, kaltließ, sollte prüfen, ob überhaupt welches in seinen Adern fließt.

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