22.08.2010 · Die Haltung der heranwachsenden Athleten, die bei den Olympischen Jugendspielen nicht nur zum Spaß mitmachen, sondern auch, weil sie in Zukunft auf Ruhm und Sponsoren hoffen, wirkt erwachsener als manche Einschätzungen der reifen Funktionäre vom Illusionistischen Olympischen Komitee.
Von Thomas KlemmOlympia jetzt noch jünger! - noch toller! - noch spaßiger! - noch nocher! Die zumeist etwas älteren Herren vom Illusionistischen Olympischen Komitee (IOC) können sich derzeit kaum einkriegen angesichts der angeblich ach so frischen und fröhlichen Auftritte der Nachwuchsathleten, die sich bei den ersten Olympischen Jugendspielen tummeln.
Nun mag diese etwas naiv anmutende Freude darüber, dass es - zumindest offiziell - keine Medaillenspiegel gibt und Dopingfälle erst im Nachhinein veröffentlicht werden, durchaus verständlich sein, schließlich müssen sich die soignierten Funktionäre im olympischen Alltag immer wieder mit durchtriebenen Doping-Betrügern und anderen Machenschaften herumschlagen.
Doch bei aller Selbstbegeisterung am neuen olympischen Erfahrungs- und Erziehungsprogramm für die Jugend der Welt: Wer die Augen verschließt vor den Antrieben der Athleten und den Umtrieben mancher Sportnationen, der bewegt sich in einem Illusionstheater, das in Singapur Station macht.
Realistisch betrachtet, haben die Jugendspiele spätestens zu Wochenbeginn, als die iranische Delegation alle möglichen Tricks aufbot, damit ihr junger Judoka nicht im Finale gegen den Konkurrenten aus dem verhassten Israel kämpfen muss, ihre Unschuld verloren. Und selbst das Reinheitsgebot an die Jugend, nur aus purer Freude teilzunehmen und auf alle Medaillenzählerei zu verzichten, scheint nicht von dieser Welt: Es geht für die Talente eben nicht nur um die Ehre, sondern auch um künftige Förderung - auch finanzielle.
Die Haltung der heranwachsenden Athleten, die das alles ja nicht nur zum Spaß machen, sondern auch, weil sie in Zukunft auf Ruhm und Sponsoren hoffen, wirkt erwachsener als manche Einschätzungen der reifen Funktionäre.