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Olympia-Kommentar : Russlands Lobby funktioniert

  • -Aktualisiert am

Viel Spaß mit Jelena Issinbajewa, IOC! Bild: dpa

Die frühere Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa sitzt jetzt in der Athletenkommission des IOC. Da hat sich die Sportpolitik eine äußerst lebhafte Kollegin eingefangen – die nie um eine dreiste Antwort verlegen ist.

          Doping-Gegner haben es von Anfang an befürchtet: Jetzt ist auch noch Jelena Issinbajewa, die anschließend auch noch gleich den olympischen Geist mit Füßen tritt durch ihre Bemerkungen zum Stabhochsprungwettbewerb ohne ihre Person, in die Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt worden. Was fehlt nun eigentlich noch zum Russen-Glück? Vielleicht noch Platz eins in der Medaillenwertung?

          Wenigstens das ist dem Land, das in den vergangenen Jahren mangels ausreichender Athletenqualität seine sportliche Erfolgsbilanz mit einem von ganz oben gesteuerten Doping-System hat aufpolieren müssen, nicht gelungen: dass die Konkurrenz aufgrund von Machtspielchen auch noch freiwillig ihre Goldmedaillen bei Putins Schützlingen abgeben musste. Nach dem, was die russische Sport-Lobby in letzter Zeit alles geschafft hat, wäre selbst das keine Überraschung mehr gewesen, würden an der Spitze der Nationenwertung nicht ausgerechnet die Amerikaner stehen.

          Issinbajewa, die Weltrekordhalterin im Stabhochsprung, ist von den in Rio anwesenden Athleten ins IOC gewählt worden. Immerhin 46 Prozent der gut 11.000 Sportler haben jeweils vier Stimmen abgegeben, sie erhielt 1365 und war mit dem viertbesten Ergebnis gewählt. Ein demokratisches Ergebnis. Was die Athleten zu dieser Wahl bewogen hat, ist nicht zu klären. War es der Respekt vor ihren Weltrekorden? Ihre auffällige Präsenz im Athletendorf? Oder das Mitgefühl, dass sie in Rio nicht starten durfte, weil der Leichtathletik-Weltverband die russische Mannschaft als durch und durch dopingverseucht von internationalen Wettkämpfen vorerst entfernt hat?

          Viel Spaß mit Issinbajewa!

          Issinbajewa leugnet die Beweise des McLaren-Reports, der die russische Schande aufgedeckt hat, und unterstellt ein politisches Komplott. So als hätte der Westen die positiven Doping-Tests russischer Athleten verschwinden lassen und als hätten westliche Geheimdienste während der Winterspiele 2014 mit primitiven Tricks die Urinproben gedopter Russen ausgetauscht und nicht der FSB. Ob Issinbajewas Wähler wussten, dass sie behauptet, sie hätte am Freitag den Stabhochsprung-Wettbewerb garantiert mit Weltrekord gewonnen, wenn man sie hätte starten lassen? Und die Siegerin, egal wer, sei nur die Zweitbeste der Welt? Und das, obwohl Issinbajewa vor vier Jahren in London nur Dritte war? Sportlich, sportlich, kann man da nur ironisch sagen.


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          Aber es hilft ja nichts. Sie ist drin. Anders als der Leichtathletik-Weltverbandspräsident Sebastian Coe, dem IOC-Präsident Thomas Bach vorerst keinen der für Verbandspräsidenten vorgesehenen Plätze anbot. Mit der 34 Jahre alten Athletin, die am Freitag ihre Karriere für beendet erklärte und Präsidentin des russischen Leichtathletik-Verbandes werden will, hat sich die Sportpolitik eine äußerst lebhafte Kollegin eingefangen, die nie um eine dreiste Antwort verlegen ist.

          Würde der Anti-Doping-Kampf von solch einem rücksichtslosen Energiebündel vertreten und nicht von den blassen Anpassern, in die sich Athleten häufig verwandeln, sobald sie Sprecher-Funktion angenommen haben – die Aussichten auf einen sauberen Leistungssport würden steigen. So aber bleibt nur noch anzufügen: Viel Spaß mit Jelena Issinbajewa, IOC!

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