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London Calling Rock am Park

Die Queen guckt Beachvolleyball. Jedenfalls wird das britische Staatsoberhaupt nicht umhin können, den olympischen Trubel im Sand der Nachbarschaft des Buckingham Palace wahrzunehmen. Nur gut, dass die Bekleidungsvorschriften angepasst wurden.

© REUTERS Vergrößern Das muss nicht sein: Die Amerikanerin Kerri Walsh trainiert trotzdem noch im altherbrachten Dress für Olympia

Downing Street Nummer 10, der Sitz des britischen Premierministers, liegt um die Ecke. Genauso wie das Außen- und das Verteidigungsministerium. Trafalgar Square und Big Ben folgen dahinter. Auf der anderen Seite, gleich am anderen Ende des St. James Parks, liegt die Residenz der britischen Monarchen – Buckingham Palace. Der Name des Platzes, um den sich diese ganzen Fixpunkte des politischen, historischen und royalen London drängen, lautet: Horse Guards Parade. Genau hier, umringt von monumentaler Palastarchitektur, wird 2012 der Olympiasieger in einem Sport gekürt, der auf den ersten Blick in diesem schwergewichtigen Ambiente so zuhause ist wie ein Eisbär am Äquator - im Beachvolleyball.

Truppeninspektion: Nein, das britische Beachvolleyballkontingent rekrutiert sich nicht aus der könig Truppeninspektion: Nein, das britische Beachvolleyballkontingent rekrutiert sich nicht aus der königlichen Garde © AP Bilderstrecke 

Seit 1996, seit den Spielen in Atlanta, ist Beachvolleyball olympisch, und seither hat es sich einen festen Platz im Programm erobert. Unvergessen ist etwa das olympische Turnier 2000 in Sydney, am fantastischen Bondi Beach, als Jörg Ahmann und Axel Hager die bisher einzige deutsche Olympia-Medaille im Beachvolleyball gewannen, die bronzene. Selbst bei den Spielen 2008 in Peking, die nicht gerade als Ausbund spontaner Lebensfreude und freizügiger Partyatmosphäre in die Geschichte eingingen, waren die frei erhältlichen Eintrittskarten für das Beachvolleyball-Turnier schon drei Monate vorher ausverkauft, und auf den Rängen der 12.200 Zuschauer fassenden Arena im Chaoyang-Park gab es enthemmte chinesische Fans zu sehen, die in grauer Arbeitskleidung zur wummernden Pausenmusik abrockten.

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Und nun also London. 15.000 Zuschauer werden in der Arena auf der Horse Guards Parade Platz finden, und schon der olympische Testwettkampf im vergangenen August zeigte: Dieses Turnier wird eine der spektakulärsten Entscheidungen in London werden. Dem stehen auch keine moralischen Vorbehalte mehr entgegen, mögliche Schicklichkeits-Bedenken angesichts unter Bikinizwang im Sand wühlender Sportlerinnen so nahe am ehrwürdigen Zuhause der Queen haben sich seit kurzem erledigt: Der Volleyball-Weltverband (FIVB) hat seine umstrittene Kleiderordnung im Frauen-Beachvolleyball überarbeitet.

Er hat beschlossen, dass die Beachvolleyballerinnen künftig in allen Wettbewerben, also auch bei Olympia, nicht mehr nur die enge Wahl haben zwischen einteiligem Badeanzug und einem Bikini, der an den Seiten maximal sieben Zentimeter breit sein darf. Nun sind auch Shorts erlaubt, die im längsten Fall drei Zentimeter über dem Knie enden, sowie Tops mit oder ohne Ärmel.

Grund dafür ist laut FIVB nicht der zivilisierende Einfluss des britischen Königshauses, sondern der Respekt vor Sitten und Gebräuchen sowie religiösen Glaubensfragen. Es ist also endgültig alles bereitet für die größte Party auf der Horse Guards Parade seit 1745, dem Jahr, in dem der geschichtsträchtige Platz angelegt wurde. Vielleicht rockt diesmal ja sogar die prominente Nachbarin aus dem Buckingham Palace mit.

Quelle: FAZ.NET

 
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